Kreatives Chaos – Ein neuer Schulhausroman mit Bas Böttcher entsteht

Es ist eine Schulklasse, wie sie ein Roman nicht besser erzählen könnte. Die 9c der Oberschule an der Schaumburger Straße ist chaotisch, sie ist wild und sie vereint viele unterschiedliche Charaktere. Das zeigt sich am allgemeinen Lärmpegel sowie den unzähligen kleinen Neckereien und Reibereien zwischen den Schülern, die jedoch nie bösartig sind.

Der Klassenraum mit seinen hellgelben und matt lila Wänden, die hellen Holzfensterrahmen, der Globus auf dem hinteren Regal, die bunt beschriebenen und beklebten Plakate – vor allem aber das Piano im Hintergrund, auf dem Stücke von Ludovico Einaudi bis hin zum Titelthema von Halloween erklingen – , das alles hat etwas ungeheuer Inspirierendes. Das kreative Potenzial in der Klassengemeinschaft ist spürbar, doch ist stets auch die Gefahr auszumachen, dass dieses im Chaos mündet, insofern es nicht kontrolliert wird.

Um diese Kreativität in produktive Bahnen zu lenken, wurde das Projekt Bremer Schulhausroman ins Leben gerufen. Der bekannte Autor und Poetry-Slammer Bas Böttcher konnte dabei bereits zum zweiten Male dazu gewonnen werden, die Entstehung eines Romans zu begleiten, der von Schülern selbst erdacht und geschrieben werden soll. Bei diesem Projekt werden zunächst gemeinsam grundlegende Ideen zu den Charakteren, zum Inhalt und zu den Wendepunkten der zu schreibenden Geschichte erörtert. Anschließend wird die Ausgestaltung einzelner Szenen und Dialoge auf Kleingruppen aufgeteilt, die mit Böttcher ständig Rücksprache halten können, insofern sie das wollen.

In Anbetracht dessen, dass die Umsetzung des gesamten Romans in fünf Sitzungen mit jeweils drei Stunden gelingen muss, ist die Koordination des Schreibprozesses allerdings keine leichte Aufgabe. Doch die Rolle des Moderators und Motivators liegt Bas Böttcher. Zu sehen ist das in dem dritten Schreibworkshop am 19. Dezember, in der er stets gefasst und ruhig bleibt, obwohl dies zuweilen einer Geduldsprobe gleichkommt. Vielleicht liegt die Unruhe innerhalb der Klasse an der nahenden Weihnacht und den damit verbundenen Ferien begründet oder es ist die Aufregung vor der Präsentation, die den Schülern an diesem Tag noch bevorsteht. Auf Adrians herausfordernden Ausspruch jedenfalls, er sehe schwarz, an diesem Tage noch etwas zu Papier zu bringen, antwortet der Autor nur bestimmt, dass man nicht arbeite, wenn die Idee kommt, sondern arbeite, damit die Ideen kommen.

Man dürfe die Schüler aber dennoch nicht bevormunden, findet Böttcher und betont, dass sein Fokus auf dem Ergebnis liege, nicht auf den kleinen Querelen zwischendurch. Sein Konzept scheint aufzugehen, denn obwohl die Kinder oftmals abschweifen und sich gegenseitig ablenken, macht die Gruppe auch an diesem Tag Fortschritte. So zeigen etwa Fabio und Jada durchaus den Willen, die Geschichte nach ihren Vorstellungen zu gestalten und machen viele Verbesserungsvorschläge.

Dass aber auch der Rest der Gruppe durchaus zu Resultaten fähig ist, bezeugen die interessanten Ansätze des Romans, der mehrere Erzählstränge miteinander verbindet und irgendwo zwischen Mary Shelleys Frankenstein, Stephen Kings Es und einer Teenie-Story angesiedelt ist. Die Protagonisten Mira und Celi, auch bekannt als „bff“ – die „best friends forever“ – entdecken bei einer ihrer Mutproben die unterirdische Klinik des bösen Arztes Dr. Wolfgang. Der hat den Fußballer Nico, der den Mädchen am Herzen liegt, entführt und zu einem Cyborg umgestaltet. Ob der Junge noch gerettet werden kann und was die Kindheit des grausamen Doktors mit dessen Taten zu tun hat, wird von der Klassengemeinschaft in den folgenden Wochen niederzuschreiben sein.

Man darf gespannt sein, ob die Geschichte um die Protagonisten Mira und Celi genauso fesseln kann wie der Schulalltag ihrer gleichnamigen, realen Vorbilder der Klasse 9c.

Wir danken unseren Partnern: Der Schulhausroman an der Oberschule Schaumburger Straße wird unterstützt vom Beirat Mitte, der Stiftung Gib Bildung eine Chance, der Karin und Uwe Hollweg Stiftung und dem Schünemann Verlag.

Text: Florian Pieth
Fotos: Melanie Maric

Schulhausroman goes Brüssel [5:45]

Unter Anleitung der Bremer Autorin Jutta Reichelt haben die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10L der Oberschule am Ernst-Reuter-Platz in Bremerhaven ihr schriftstellerisches Talent entdeckt. Die jungen Autorinnen und Autoren des Bremer Schulhausromans „Die dunklen Stufen zur Jugend“ stellen nun in Brüssel in einer Mittagslesung ihr Werk vor.

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18. Juni 2017 | Sendereihe: Buchpiloten | Nordwestradio