What is poetry: GONG LAUT

Unter dem Titel „DIE WELT VERBINDEN – GONG LAUT startet im Herbst 2018 ein kulturelles Event, initiiert und organisiert von der indonesischen Stiftung MANIK BUMI und verschiedenen Partnern in Deutschland. Im kommenden Oktober wird auf Bali eine Gruppe internationaler Schriftsteller und Künstler zu einem Workshop zusammenkommen, um interdisziplinär und unter Einbeziehung lokaler Communities/Gruppen ein Programm zu erarbeiten. Ziel ist die Überwindung von Stereotypen und Wahrnehmungsmustern, die den Dialog über globale Problemstellungen und die Suche nach gemeinsamen Lösungen behindern. Thematisch konzentriert sich das Projekt auf Meeres- und Umweltthemen. Die vom Tourismus geprägte Insel Bali steht dabei exemplarisch für ein allein durch die Ökonomie dominiertes Denken, in dem Natur und Kultur, Traditionen und soziale Bindungen nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Das Projekt will Kohäsionskräfte mobilisieren, neues Wahrnehmen ermöglichen und das soziale Potenzial der Künste freisetzen.

VIELFALT und VERBINDUNGSWISSEN – das Projekt bietet ein sicheres Umfeld für künstlerische Kooperationen, bezieht soziale Gruppen ebenso ein wie junge Unternehmen und setzt auf gegenseitige Wertschätzung. Die Teilnehmer sollen sich als human beings und soziale Akteure wahrnehmen, die in der Gruppe Vielfalt repräsentieren, Differenz aushalten und in der Lage sind, gemeinsam kreativ zu werden. 

VERANTWORTUNG GEMEINSAM TRAGEN – das Dachnarrativ.   Natur, Umwelt und soziale Gerechtigkeit sollen als Ganzes, d.h. als globale Herausforderung betrachtet werden. Der Titel ‚Gong Laut‘ bringt die Intentionen des Projekts auf den Punkt: der ‚Gong‘ wird weltweit als Weckruf verstanden – ‚Laut‘ steht im Deutschen für hörbar/unüberhörbar. Im Indonesischen bezeichnet ‚Laut‘ das Meer oder den Ozean und damit jenen Raum, der uns alle verbindet und für dessen Schutz wir als Weltgemeinschaft verantwortlich sind. Im Inselreich Indonesien mit Hunderten verschiedenen Ethnien und Sprachen repräsentiert er zugleich kulturelle Vielfalt und die Fähigkeit, dennoch als Einheit zusammen zu finden.

ARTIVISM – der Leitbegriff.  Das Projekt ‚Gong Laut‘ will in der Kunstvermittlung neue Wege beschreiten und in den sozialen Raum hineinwirken. Am Genfer Graduate Institute für internationale Studien und Entwicklung entsteht derzeit die erste Doktorarbeit zum Thema. Die Wissenschaftlerin begleitet das Projekt. Täglich wird die Welt auf unterschiedlichsten Kanälen mit Geschichten und beunruhigenden Nachrichten gespeist: Klimawandel, Terrorismus, Armut, Wassermangel, Artensterben, Massenvernichtungswaffen halten die Menschheit in einer Art Schockstarre. Die Politik scheint noch nicht in der Lage, auf diese Herausforderungen angemessen zu reagieren. Die Künste können in diesem Zusammenhang eine wichtige Aufgabe übernehmen: sie sollen das Interesse der Menschen erneut wecken, Teilhabe ermöglichen, Verantwortung stärken, Achtsamkeit und Bewusstsein evozieren.

GRENZEN ÜBERSCHREITEN – Hauptbestandteil des Projekts ist der interdisziplinäre, Genre übergreifende Ansatz und die Zusammenarbeit internationaler Künstler. Die Teilnehmer erarbeiten gemeinsam ein Programm, das abschließend und als Höhepunkt auf einer open-air-Bühne in Lovina – unmittelbar an der Nordküste Balis – präsentiert wird. Im gleichen Umfeld und in Kooperation mit lokalen Künstlern/street artists wird der traditionelle Bazar-Gedanke aufgegriffen. Drei Tage lang begegnen sich Musiker, Tänzer, Theaterleute und Bildende Künstler der regionalen, nationalen und internationalen Szene. Das Projekt will Begegnungen ermöglichen und den künstlerischen Ansatz in die Mitte der Gesellschaft tragen. Begleitend sind Programme in Schulen, Universitäten und mit  jungen Unternehmern geplant.

GLOBALES DENKEN LOKAL UMSETZEN – dafür steht der gewählte Austragungsort: Singaraja war historisch einer der wichtigsten Umschlagsplätze im asiatischen Seeverkehr. Die Provinzhauptstadt an der Nordküste Balis wurde als Standort für ein Kulturfestival gewählt, weil gerade diese Region in der Geschichte Balis für Weltoffenheit, Handel und Austausch steht. Die daraus resultierende ethnische, religiöse und kulturelle Vielfalt wird in Singaraja traditionell als Chance und nicht als Bedrohung gesehen. Über Jahrhunderte entstand hier eine inklusive Gesellschaft, deren Modell als tragfähig und wegweisend gelten kann. Derzeit wird die Nordküste Balis durch den Ausbau eines großen Kohlekraftwerks belastet. Keine 40km entfernt ist andererseits ein Touristenresort auf der Insel Menjangan geplant, einem für die Balinesen ‚heiligen‘ Ort – die Insel liegt mitten im Meeresschutzgebiet.  Die vorhersehbaren Folgen für Umwelt, kulturelle Identität und lokale Wirtschaft lösen Ängste aus, bedeuten aber auch Triebkraft für Neuansätze. ‚Gong Laut‘ bezieht diese Kräfte mit ein und verleiht den betroffenen Communities eine Stimme.


VERANSTALTER UND PARTNER 

Manik Bumi Foundation – die balinesische Stiftung wurde in Singaraja gegründet und fördert Aktivitäten im Rahmen von Umweltschutz und nachhaltiger Entwicklung. Manik Bumi setzt in diesem Zusammenhang auf Programme, die gezielt auf die Bedürfnisse/Bedarfe der lokalen Gesellschaft eingehen. Die Stiftung kooperiert mit randständigen Communities in der Stadt und im ländlichen Raum. Oberstes Ziel ist die Entwicklung von Strategien, die geeignet sind, Akteure aus allen Bereichen der Gesellschaft zusammen zu bringen. Künstler, Umweltgruppen und auf Nachhaltigkeit verpflichtete Unternehmen sollen die Vorteile von Verbindungswissen erfahren und gemeinsam tragfähige Konzepte entwickeln. Besonderheit: Unter dem Dach der Stiftung kommen Künstler, Bildungseinrichtungen und junge Unternehmer erstmals auf Augenhöhe zusammen. http://manikbumi.org/

IDKA – der gemeinnützige Verein für indonesisch-deutschen Kulturaustausch (IDKA) organisiert seit 5 Jahren einmal p.a. das mehrtägige Kulturfestival „Pasar Hamburg“. Nach den ersten vier Ausgaben, in denen das Hamburger Völkerkundemuseum Gastgeber war, zog das Projekt aufgrund des großen Zuspruchs in die Hamburger Messehallen um, wo im Oktober 2017 mehr als 10 000 Besucher an den Programmen teilnahmen. Es ist das erklärte Ziel des Vereins, Indonesiens Austausch mit Europa zu fördern, den kulturellen Reichtum des Landes zu bewahren bzw weiter zu entwickeln, das Konzept von ‚Einheit in der Vielfalt‘ mit Leben zu erfüllen und einen offenen Diskurs voranzutreiben. http://pasarhamburg.com/

Literaturhaus Bremen – Das virtuelle Literaturhaus Bremen ist Forum, Plattform und Werkstatt für die literarische Szene an der Schnittstelle zwischen Literatur und Digitalen Medien. Kooperative Bildungsprojekte machen einen Hauptteil der Arbeit aus, daneben auch der Internationale Austausch. Das vom Literaturhaus Bremen initiierte Projekt „What’s poetry“ hat Künstler aus allen Erdteilen zusammengebracht, ‚Poetenkarawanen‘ in Asien und auf dem afrikanischen Kontinent durchgeführt/begleitet und mit groß angelegten Übersetzungsprojekten den künstlerischen Austausch gefördert. Für seine Projekte hat das Literaturhaus mehrere nationale Preise erhalten, darunter als „Weltbeweger“ und als einer der herausragenden Akteure im „Land der Ideen“. http://www.literaturhaus-bremen.de/

Sylt Foundation – die Stiftung unterstützt im internationalen Rahmen Projekte aus den Bereichen zeitgenössische Literatur, Visuelle Kunst und Performance, die darauf ausgerichtet sind, den internationalen Dialog voranzutreiben. 2016 verantwortete die Sylt Foundation u.a. die Fortsetzung des ‚What’s poetry?‘-Projektes in Südafrika und Zimbabwe. In dem vom Deutschen Literaturfond unterstützen Langzeitprojekt „Trauma und Versöhnung“ bringt die Stiftung derzeit weltweit Künstler zusammen, um der Frage nachzugehen, wie Länder, deren Geschichte von Gewaltherrschaften geprägt ist, mit ihrer Vergangenheit umgehen. In Workshops und internationalen Begegnungen treffen Künstler, Schriftsteller, Komponisten und Kuratoren aus Kambodscha, Chile, Kolumbien, Deutschland, Myanmar und Südafrika aufeinander. https://www.syltfoundation.com/

Mare Verlag – Den Anstoß für Mare gab Elisabeth Mann Borgese. Die Meeresrechtlerin, Mitbegründerin des Club of Rome und Tochter des Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann investierte einen Teil ihres Erbes zur Erhaltung der Meere. Elisabeth Mann Borgese legte dem jungen Meeresbiologen Nikolaus Gelpke nahe, eine Kulturzeitschrift zum Themenkreis Meer zu gründen. Ziel von Mare ist es seitdem, das Meer als Lebens-, Wirtschafts- und Kulturraum ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Mare ist keine Fachzeitschrift, die Spezialkenntnisse voraussetzt. Herausgeber Gelpke geht vielmehr von der Grundannahme aus, dass Probleme, wie sie sich beim Umgang mit den Weltmeeren zeigen, grundsätzlich auf Fehlstellungen in Politik und Ökonomie verweisen, die uns heute global zu schaffen machen. Neben der Zeitschrift mare gibt es den mare Buchverlag. Unabhängig, aber unter gemeinsamem Dach, produzieren mare Radio (Radio Bremen) und mare Fernsehen (NDR) ihre Programme. https://www.mare.de/


TEILNEHMENDE SCHRIFTSTELLER / KÜNSTLER

ARTIVISM und die Unterstützung von VERBINDUNGSWISSEN waren den Projektentwicklern wichtig. Erfahrung im internationalen wie interdisziplinären Austausch, Engagement und Offenheit für eine Kooperation mit sozialen Gruppen/Akteuren auf Augenhöhe waren deshalb wesentliche Aspekte bei der Zusammenstellung der Teilnehmerliste. Die im folgenden genannten Künstler stehen für ein breites Spektrum an künstlerischen Ausdrucksformen und Erfahrungen. Verlauf und Ergebnisse des Projekts werden wissenschaftlich begleitet und in unterschiedlichen Medien – Fernsehen, Hörfunk, Print – sowohl in Indonesien als auch in Deutschland – dokumentiert.

Afrizal Malna – INDONESIEN.
Dichter, Performancekünstler und Theatermann – einer der wichtigsten Impulsgeber für die künstlerische Avantgarde in Indonesien. Nach dem Studium der Philosophie in Jakarta gründete er die Theatergruppe SAE, die mit ihren Produktionen in den 80er und 90ern das Suharto-Regime hinterfragte. Heute nimmt Malna eine führende Rolle in der Sektion ‚Theater‘ im Jakarta Art Council ein. 2016 war er Jahresstipendiat im Berliner Künstlerprogramm des DAAD. In seiner künstlerischen Arbeit thematisiert er eine fragmentierte Gegenwart, in der der Einzelne mitsamt seinen kulturellen Wurzeln unterzugehen droht. Dabei schlägt er bewusst eine Brücke zum Weltwissen der Vorfahren, die sich noch als Teil der Natur wahrnahmen und sucht nach neuen Ausdrucksformen, in denen die Sprache und die Welt der Dinge erneut zur Deckung kommen. Infos: http://www.berliner-kuenstlerprogramm.de/de/gast.php?id=1248

Ali Cobby Eckermann – AUSTRALIEN.
Gehört zur ‚stolen generation‘ der australischen Ureinwohner, die gewaltsam von ihren Herkunftsfamilien getrennt wurden und in Adoptivfamilien aufwuchsen. Als Teenager verließ sie die Familie und lebte seitdem in der Wüste, dem Land ihrer Vorfahren. Ihr eigener Sohn wurde später ebenfalls zur Adoption freigegeben. Erst im Alter von 34 Jahren fand sie mit ihrer leiblichen Mutter und dem Sohn zusammen. Heute zählt sie zu den herausragenden Dichterinnen des australischen Kontinents. In ihren Gedichten und Performances stellt sie die Verbindung her zur Kultur der Aborigines: Humor, Respekt vor der Natur, Bescheidenheit und die Bereitschaft zu teilen. Werte, die auch ihre künstlerische Arbeit prägen und von zentraler Bedeutung sind in einer globalisierten Welt. Ali Cobby Eckermann schreibt minimalistisch und hoch konzentriert. Ein toter Vogel auf dem Asphalt kann sie zu einem haiku-artigen Gedicht inspirieren, das die Grundfragen der Welt umreißt. https://www.poetryinternationalweb.net/pi/site/poet/item/18971/15/Ali-Cobby-Eckermann

Ayu Laksmi – INDONESIEN.
Die Diva der indonesischen Weltmusik stammt aus Singaraja im Norden Balis. Als Sängerin, Komponistin, Tänzerin und Performerin ist sie weit über Bali hinaus bekannt. Begonnen hat Ayu Laksmi ihre Karriere als Rocksängerin – nach einer langen künstlerischen Reise durch fast alle musikalischen Genres fand sie zu ihrem eigenen Stil – hier verbindet sie die Ausdrucksformen der unterschiedlichen indonesischen Kulturen mit zeitgenössischen Elementen. Die Kombination von traditionellen und modernen Formen gilt inzwischen als ihr Markenzeichen und wirkte in Indonesien stilbildend. Kritiker loben, dass ihre Musik modernen Ansprüchen genügt, ohne die kulturellen Eigenheiten zeitgemäß zu überschminken oder zu unterlaufen. Infos: http://ayulaksmi.com/home#

Cok Sawitri – INDONESIEN.
Schriftstellerin und Bühnenfrau, Journalistin und Aktivistin. Sie hat zahlreiche Bücher veröffentlicht. Ihre Artikel und Essays prägen den nationalen Diskurs in Indonesien. Schon früh entwickelte Cok Sawitri die Leidenschaft, den traditionellen Rahmen balinesischer Kunst zu erweitern und mit modernen Formen in Kontakt zu bringen. In ihren Bühnenauftritten begegnen sich Tradition und Avantgarde ebenso wie eine feministische Grundhaltung und das Interesse an sozialen Themen. Ein Großteil ihrer Choreographien basiert auf ihren eigenen Texten und Recherchen. Seit den frühen 1990er Jahren wirkt sie in internationalen Kollaborationen mit Künstlern aus aller Welt mit. Ayu Laksmi leitet regelmäßig Workshop in den Bereichen Literatur, Tanz und Theater. Sie gehört zu den führenden Aktivisten und engagiert sich gleichermaßen im sozialen, kulturellen, interreligiösen und humanitären Bereich. Infos: https://www.wordswithoutborders.org/contributor/cok-sawitri

Di Lu Galay – MYANMAR.
Ist 1986 geboren und zählt zu den einflussreichen Autoren /Übersetzer der jüngsten Dichter-Generation in Burma. Ab 2013 organisierte er über facebook das “Midnight Poetry Festival”, ein Aufsehen erregendes Ereignis für die jüngere Autoren-Generation. Die Aufnahmen des Festivals wurden später in Buchform veröffentlicht. 2014 folgte eine Anthologie unter dem Titel “Jiva Faut Pyan Mhu“. Di Lu Galays Gedichte thematisieren die enormen Umwälzungen und die sozialen Fragen in seinem Heimatland. Seine Botschaften vermittelt er auf ungewöhnlichem Weg mit der „Message-to-Message“-Methode, die jeweils neue Botschaften animiert und – mit minimalistischen Mitteln – die Komplexität und Vielschichtigkeit von Weltbildern erfahrbar werden lässt. Ergebnis ist eine Art von neo-surrealistischer Kettenreaktion, mit der zugleich die Herkunft menschlicher Wertvorstellungen hinterfragbar wird. 2017 erschien der Lyrikband „The Murderer´s Handwriting“ mit Gedichten in birmanisch, englisch und französisch. Gemeinsam mit Schriftstellerkollegen realisierte er ein internetgestütztes Projekt zu Meeresthemen. http://beuntexed.com/contributors/di-lu-galay/

Dmitrij Leltschuk – DEUTSCHLAND / WEISSRUSSLAND.
Der Fotograf und Journalist stammt aus Minsk/Weissrussland. Von 2002 bis 2007 studierte er an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg Medientechnik mit dem Schwerpunkt Audio-Visuelle Medien studiert. Seit 2007 arbeitet Dmitrij Leltschuk als freier Fotograf. Sein Hauptwerk bilden Reportagefotografien, die in Zeitschriften wie mare, GEO, Der Spiegel veröffentlich sind. Meeresthemen bilden ein Hauptmotiv seiner künstlerischen Arbeit. Leltschuks Fotografien wurden in internationalen Ausstellungen in der Schweiz, Deutschland, Italien, Weißrussland und Russland gezeigt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. 2013 erschienen sein Bildband „Die Sandmenschen von Schoina“ / „Les hommes de sable de Choïna“ (Deutsch/Französisch) und der Film „Elégie pour un phare“/ „Elegy For a Lighthouse“, für den er als Kameramann mit Dominique de Rivaz zusammenarbeitete. http://leltschuk.com/

Guy Helminger – LUXEMBURG.
Schreibt Lyrik, Erzählungen, Romane, Hörspiele und Theaterstücke. Der vielfach ausgezeichnete luxemburgische Autor lebt in Köln und bereist die Welt mit offenen Augen. 2006 war er Stadtschreiber in Hyderabad (Indien), 2007 hielt er sich in Teheran im Rahmen des Projektes „westöstlicherdiwan“ auf, 2008-2009 war er author in residence in Saana (Jemen) und 2015 in Südafrika. Zusammen mit seinem Kollegen Navid Kermani moderiert Guy Helminger seit 2006 den „Literarischen Salon International“ im Kölner Stadtgarten. Er moderierte von 2010-2012 die Sendung KULTUR und zurzeit die Sendung DNA im luxemburgischen Fernsehen, sowie zahlreiche Literaturveranstaltungen in Köln und Luxemburg. Seit 2015 ist Guy Helminger Mitglied der Jury des Heinrich-Böll-Preises der Stadt Köln. In seiner literarischen Arbeit geht es Helminger u. a um die Existenz des Einzelnen in scheinbar unbeeinflussbaren Makrostrukturen, um das allgemein menschliche Verlangen nach einem besseren Leben, um die Fragen des Scheiterns, um verkrustete Strukturen und Tabus. Infos: https://helminger.wixsite.com/website

Made Bayak – INDONESIEN.
Bildender Künstler, Gitarrist, Bandleader – 1980 auf Bali geboren – nutzt seine Kunst als Medium, um auf die Ausbeutung und Zerstörung seiner Heimatinsel aufmerksam zu machen. Er entwickelte unter dem Titel ‚Plasticology‘ eine innovative Technik, mit der er aus Plastikmüll Kunstwerke entstehen lässt. Eine zentrale Rolle spielen dabei Symbole, die für den touristischen Sehnsuchtsort Bali stehen: Figuren aus der Mythologie wie Barong und Rangda, Legong etc. formt er aus den Hinterlassenschaften derer, die das Paradies suchen und zugleich zerstören. Made Bayaks Werk ist als Appell zu verstehen, die gemeinsame Verantwortung für die Natur anzuerkennen. Bayak Arbeiten wurden in vielen Städten Indonesiens und im Ausland ausgestellt und dienen Künstlern aller Sparten als Inspirationsquell. Infos: https://madebayak.wordpress.com/tag/plasticology/

Michael Augustin – DEUTSCHLAND.
Autor, Radiomacher und Übersetzer. Sein literarisches Interesse gilt vor allem der ‚kleinen Form‘, sein pointierter schwarzer Humor steht unverkennbar in der britischen und irischen Schreibtradition. Augustins Dramolette, Bagatellen, Poeme und Prosagedichte sind in zahlreichen Büchern versammelt und in viele Sprachen übersetzt. Die Texte weisen ihn als wachen und gewitzten Beobachter des Zeitgeschehens aus, der mit literarischen Mitteln effektiv auf die Problemlagen einer aus den Fugen geratenen Welt reagiert. Meeresthemen liegen dem an der Ostsee geborenen Küstenmenschen dabei besonders nah. Michael Augustin ist ein international geschätzter Netzwerker und liest auf allen Festivals rund um den Globus. Er war Teilnehmer am renommierten ‚International Writing Program‘ der Universität Iowa und Gastprofessor am Dickinson College (USA). Augustin ist Mitglied des irischen PEN. In seinen Literaturprogrammen für Radio Bremen bringt er die Stimmen der Weltliteratur im Original zu Gehör. Seit vielen Jahren ist er Co-Direktor des Bremen Poesie-Festivals ‚poetry on the Road‘. http://www.literaturhaus-bremen.de/autor/michael-augustin

Samar Gantang – INDONESIEN.
Entstammt einem balinesischen Fürstenhof, was in dieser Kultur heißt: Theater, Kunst, Literatur und Musik waren ihm in die Wiege gelegt. Sein Anwesen in Tabanan ist nicht nur ein inspirierender Treffpunkt für Künstler aller Sparten, sondern auch ein sozialer Raum, in dem die Community gesellschaftliche Fragen verhandelt. Samar Gantang hat der balinesischen Variante des Hinduismus eine poetische Stimme gegeben. In seiner Modre-Poesie beklagt er u.a. die katastrophalen Auswirkungen des Tourismus-Booms auf Bali. Die Zerstörung der sozialen Bindungen und Traditionen, Umweltschäden und Ungleichheit stehen dabei im Vordergrund. In seinem spirituellen Kosmos treten Götter und Dämonen gegeneinander an – Habgier und Hingabe, das Gute und Böse, Liebe und Hass erscheinen als wetteifernde Kräfte, die polyphon gegeneinander antreten und unter Kontrolle gebracht werden müssen. 2017 wurde Samar Gantang zu einer der spirituellen Leitfiguren Balis ernannt. Seine Performances haben auf zahlreichen internationalen Bühnen das Publikum begeistert und werden regelmäßig im Fernsehen gezeigt. http://www.radiobremen.de/bremenzwei/rubriken/poetry-on-the-road/samar-gantang100-popup.html

Sawung Jabo – INDONESIEN.
Traditionelle indonesische Musik und Rock: die Performances seiner Band ‚Sirkus Barok‘ – gegründet 1976 – stehen für Poesie und leidenschaftliches Engagement. Gleiches gilt für seine Kooperationen mit Künstlern in Australien. In Sydney war er Mitbegründer und Mitglied der indonesisch-türkischen Fusionband ‚GengGong‘. Jabo veröffentlichte 20 Alben und zählt zu den renommiertesten Musikern Indonesiens. Berühmt wurden seine Protestsongs gegen das Suharto-Regime: Das Debütalbum ‚Bongkar‘ – veröffentlicht gemeinsam mit dem Musikerkollegen Iwan Fals – wurde 500 000 verkauft, die Konzerte erreichten Millionen. Maßgeblich für Jabos künstlerische Entwicklung war auch die Theatererfahrung. Er war ständiges Ensemblemitglied im berühmten ‚Bengkel-Teater‘ des Dichters Rendra und hat in mehreren Filmen gespielt – u.a. in „The Year of Living Dangerously“– u.a. in „Lucky Miles“. https://sawungjabo.wordpress.com/

Sujata Bhatt – DEUTSCHLAND / INDIEN.
Wurde in Indien geboren und ist in Poona und den USA aufgewachsen. Sie ist weltweit als Lyrikerin und Übersetzerin bekannt. Ihr Leben zwischen Indien, den USA und Deutschland, die Suche nach Identität und Heimat sind immer wieder Thema ihrer Arbeit, so auch im Gedicht »Search for my tongue«, das die UNESCO im Februar 2004 aus Anlass des Internationalen Tages der Muttersprache veröffentlichte. Ihre Texte sind in den großen Anthologien der englischsprachigen Literatur erschienen und wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt. In England und im Commonwealth sind sie Bestandteil des offiziellen Lehrplans. Sujata Bhatt ist selbst immer wieder im Ausland tätig: sie lehrte als Lansdowne Visiting Writer an der Universität von Victoria in British Columbia/Kanada und gastierte als Visiting Fellow am Dickinson College in Carlisle, Pennsylvania.
http://www.literaturhaus-bremen.de/autor/sujata-bhatt

Tania Haberland – MAURITIUS.
Dichterin und Sängerin, Künstlerin und Lehrerin. Sie entstammt einer mauritianisch-deutschen Familie, wurde in Südafrika geboren, lebte in den USA, England, Deutschland, Italien und Saudi Arabien. Für ihr erstes Buch Hyphen erhielt sie den Ingrid Jonker Prize. Für Tania Haberland müssen Kunst, Literatur, Bildung und Therapie ein gemeinsames Spannungsfeld bilden und in den sozialen Raum wirken. Ihre Kunst steht für multidisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Text, Musik und Bewegung. Derzeit arbeitet Tania Haberland an einem Projekt, das auf Mauritius, in Mailand und in Kapstadt angesiedelt ist und auf die Verbindung von künstlerischer Gestaltung und einer ‚Technology of Tenderness‘ zielt. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen Genderfragen, Sexualität, Freiheit und die Zerstörung der Einheit zwischen Natur und Mensch. Den Ozean sieht sie als Muse, die unsere Sinne stimuliert und als bestimmendes Element auf unserem Globus die Erkenntnis bereithält, dass der Mensch nur ein Teil dieser Entität ist. http://taniahaberland.com/

Ulrich Beckerhoff – DEUTSCHLAND.
Einer der führenden Jazz-Musiker der internationalen Szene. Solist, Bandleader, Netzwerker. Auswahl aus dem unübersehbaren Spektrum seiner künstlerischen Aktivitäten: Beckerhoff war Mitbegründer der Gruppen Jazztrack, Riot und Changes, mit denen er nahezu ganz Europa bereiste und bei fast allen großen Festivals auftrat. Er wurde mehrfach mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet. Unter eigenem Namen, als Co-Leader und Solist nahm er mehr als 40 LP`s bzw. CD`s auf und trat mit zahlreichen europäischen und amerikanischen Künstlern auf: Albert Mangelsdorff, Palle Danielsson, John Scofield, Maria Joao, Charlie Mariano, Zbigniew Seifert, Adam Nussbaum und anderen. .Er war Leiter eines Trios mit John Marshall und Jasper van`t Hof sowie eines Quartetts mit John Abercrombie, Arild Andersen und John Marshall. Er vertrat die ARD beim EBU Konzert in Barcelona und wurde als Solist von dem Gitarristen Volker Kriegel zu einer Tournee für das Goethe Institut eingeladen, die durch 11 afrikanische Staaten führte. Beckerhoff war musikalischer Berater in Weimar, 1999 Kulturhauptstadt Europas und ist künstlerischer Leiter der JAZZAHEAD, der größten Jazzmesse Europas. http://www.ulrich-beckerhoff-jazz.com/

Internationales Poesiefestival in Südafrika

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Vom 20. April bis 3. Mai 2013 luden Südafrika und Zimbabwe zu einem internationalen Poesiefestival ein.

„A Celebration of Language“ („Die Sprache feiern“) hieß das zweite internationale Fest der Lyrik und der Künste, das – mit der Unterstützung des Virtuellen Literaturhauses Bremen – am 20. April in Südafrika und Zimbabwe an den Start ging. In diesem Jahr führte das Festival Dichterinnen und Dichter aus Südafrika, Zimbabwe, Indonesien, China, Europa und anderen Ländern zusammen. Das zweiwöchige Festival hat sich nicht nur auf die Art und Weise konzentriert, wie Dichter die Sprache anwenden, sondern auch darauf, wie sie sie adaptieren und verändern. Den Kern des Festivals bildeten Lesungen, Workshops, Reflektionen und Performances mit 25 renommierten Dichterinnen und Dichtern. Künstler/innen der Sparten Musik, Tanz und Bildende Kunst waren ebenfalls eingeladen.

>> Bericht zum anhören (Teil 1) (Literaturforum | Nordwestradio)
>> Bericht zum anhören (Teil 2) (Literaturforum | Nordwestradio)
>> Bericht zum anhören (Teil 3) (Literaturforum | Nordwestradio)
>> Bericht zum anhören (Teil 4) (Literaturforum | Nordwestradio)

Poesiefestival in Indonesien: What is poetry?

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Vom 1. bis 13. April 2012 lud Indonesien zu einem internationalen Poesiefestival ein.
17 Autorinnen und Autoren aus insgesamt 11 Ländern reisen Ende März nach Fernost. Namhafte Dichter wie Bengt Berg (Schweden), Chirikure Chirikure (Zimbabwe), Ulrike Draesner (Deutschland) Hans van de Waarsenburg (Niederlande), Mbali Bloom (Südafrika), Sujata Bhatt (Indien/Deutschland), Gerdür Kristny (Island) u.a. werden in mehreren Städten gastieren und dort mit den indonesischen Autoren und Gastgebern das Festival gestalten.

Zur Vorbereitung und Durchführung des Festivals konzipierte das virtuelle Literaturhaus Bremen eine umfangreiche digitale Plattform. Mehr als 50 Autoren und Übersetzer nutzen die Plattform für die gemeinsame Arbeit an den literarischen Übersetzungen. Gedichte aus den jeweiligen Muttersprachen werden ins Englische und Indonesische übertragen. Dafür haben sich die Autoren und Übersetzer in einzelnen Workgroups zusammengefunden. Im Netz entstand auf diese Weise ein Raum, in dem über Text, Nachdichtung und Sprache debattiert werden kann. Mit dem Festival-Blog wurde ein lebendiger Dialog über die Sprachengrenzen hinweg angeregt.

>> Weltliteratur zum Hören (Literaturzeit | Nordwestradio)