Was ist Ihr siebter Sprung?

Am 13. Mai war die Autorin und Trägerin der Bremer Netzresidenz des virtuellen Literaturhauses, Ulrike Draesner, zu Gast in Bremen. Sie stellte in der Stadtbibliothek ihren neuen Roman „Sieben Sprünge vom Rand der Welt“ vor und sprach mit Silke Behl vom Nordwestradio über ihr Übersetzungsprojekt „The Making of Translation„.
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In ihrem bei Luchterhand erschienen Roman kreuzt Ulrike Draesner die Lebenswege der schlesischen Grolmanns mit dem Schicksal einer aus Ostpolen nach Wrocław vertriebenen Familie. Vier Generationen kommen zu Wort. Virtuos entwirft sie ein Kaleidoskop der Erinnerungen, die sich zu immer neuen Bildern fügen. Sie zeigen, wie die durch Flucht und Vertreibung ausgelösten Traumata weiterwirken und wie sich seelische Landschaften von einer Generation in die nächste weitervererben. Die Geschichten der Grolmanns und der Nienaltowskis werden zum Spiegel von hundert Jahren mitteleuropäischer Geschichte. Sie erzählen von den Mühen und Seligkeiten zwischen Eltern und Kindern, von Luftwurzeln, Freiheit und Migration.

Sprünge“Wir hatten ein Kind verloren, das Erbe verloren, alle Gräber, ein Stück unserer selbst, die Verbindung zu unserer Vergangenheit, die Verankerung in Besitz und Beständigkeit, das Vertrauen, da sein zu dürfen. Die Landschaft, in der wir lebten, taugte für Urlaub, blieb Kulisse. Die Menschen um uns sprachen die falsche Sprache, hatten die fal­sche Religion. „Wir waren allein, jeder für sich, die Geschichte ließ sich nicht teilen.“

(Sieben Sprünge vom Rand der Welt, S. 381)

http://www.der-siebte-sprung.de/

 

Die vielfach ausgezeichnete Autorin Ulrike Draesner schrieb ihr neues Buch vor dem Hintergrund ihrer eigenen Familiengeschichte. Für die Recherche reiste sie unter anderem nach Wroclav – in jene Stadt, die früher Breslau hieß und aus der ihre Vaterfamilie stammt. Nach der Lesung meldeten sich zahlreiche Gäste mit ihren persönlichen Erfahrungen zu Wort – die Auswirkungen der kollektiven Traumata von Flucht und Vertreibung berühren viel deutsche Biographien.

Was ist Ihr siebter Sprung?

Ulrike Draesner hat ihren neuen Roman mit einer Website intermedial erweitert. Ergänzende Texte, Fotos, Familiendokumente und Interviews sind dort zu finden. Die Autorin sammelt unter der Rubrik “Selbst-Erzählen” die Erlebnisse ihrer Leserinnen und Leser mit dem siebten Sprung und den Fragen, die der Roman aufwirft. Wenn Sie gerne einen Gastbeitrag (300-500 Wörter) gestalten möchten, schreiben Sie bitte eine Email an draesner[@]web[punkt]de

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Ulrike Draesner, 1962 in München geboren, eine der profiliertesten deutschsprachigen Autorinnen, lebt in Berlin. Ihr Werk umfasst Lyrik, Prosa, Essayistik, Hörspiel. Für ihre Gedichte und Romane wurde Ulrike Draesner mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik (2014), dem Roswitha-Preis (2013), dem Solothurner Literaturpreis (2010) und dem Drostepreis (2006). Sie schreibt Romane, Erzählungen und Gedichte, und interessiert sich für Naturwissenschaften ebenso wie für kulturelle Debatten.

Alle Fotos: Daniel Tepe | Stadtbibliothek Bremen

Facebook-Roman von Stefan Petermann als Buch erschienen

DasGegenteilvonHenrySy.inddDer Facebook-Roman „Das Gegenteil von Henry Sy“ von Stefan Petermann ist als Buch im asphalt & anders Verlag erschienen. Über vier Monate lang lief das Online-Projekt, welches mit der Bremer Netzresidenz 2012 des virtuellen Literaturhauses ausgezeichnet wurde, und erzählte verschiedene Momente aus dem Leben des Henry Sy. Für die Printausgabe wurden die kurzen Erzählungen nun überarbeitet und etwa zwanzig Kapitel hinzugefügt.

Zum Buchinhalt: Kein Leben ist wie das andere. Besonders das von Henry Sy nicht. Sein Motto lautet: „Im Zweifelsfall das Gegenteil“. Daran hält er sich. Selbst wenn ihn das in Schwierigkeiten bringt. Oder gerade dann. Ob er im Auftrag einer obskuren Organisation die Welt bereist, Silvester mit Doppelgängern von Andy Warhol und Ché Guevara feiert, ob er in China das Ende der Welt erlebt oder zwischen den Flüssen verloren geht – als er im Wald nach dem Regen ein Geheimnis entdeckt, ändert sich alles. Nur Magda nicht. Er liebt sie, sie liebt ihn – jedenfalls manchmal. Am Ende aber genügt das nicht. Für sein Leben muss jeder selbst geradestehen.

>> zur Homepage von Stefan Petermann

The Making of Translation

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Ulrike Draesner, (Foto: Jürgen Bauer), bekannte Autorin der jüngeren deutschen Literatur und Preisträgerin der Bremer Netzresidenz 2013, arbeitet drei Monate online an den Gedichten des belgischen, in Japan lebenden Lyrikers Jan Lauwereyns.

Für ihr Übersetzungsprojekt „The Making of Translation“ hat die Autorin drei Gedichte von Jan Lauwereyns aus dem Niederländischen in die deutsche Sprache übersetzt. Die jeweiligen Fassungen wurden in einem Blog veröffentlicht und im Dialog mit Jan Lauwereyns und den weiteren Übersetzerkollegen Ard Posthuma und Natasja Bootsman bearbeitet.

Jeder, der sich für für den Übersetzer-Blog interessiert, ist zur Teilnahme eingeladen und hat die Möglichkeit, den fachlichen Austausch unter den Autoren mittels Kommentarfunktion zu begleiten.

Das Projekt von Ulrike Draesner hat nicht nur das Ziel, die Arbeit des Übersetzens selbst transparent zu machen, sondern auch den sie begleitenden Paratext: das Gespräch über Texte, die Reflexion über sprachliche Mittel und Poesietraditionen.“

Mit dem Projekt „The Making of Translation“ berührt die Preisträgerin nicht nur die Grundfragen des literarischen Übersetzens sondern fragt auch nach den Bedingungen für das Gelingen des interkulturellen Transfers.

>> Zum Blog: http://2013.netzresidenz.de

Am 31. März 2014 ist Ulrike Draesner um 19:00 Uhr zu Gast in der Zentralbibliothek am Wall. Die Berliner Autorin berichtet im Gespräch mit Silke Behl über die Arbeit an ihrem Übersetzungsprojekt „The Making of Translation“ und stellt ihren gerade erschienenen Roman „Sieben Sprünge vom Rand der Welt“ vor.

>> Zur Veranstaltung: http://www.literaturhaus-bremen.de/events/ulrike-draesner-zu-gast-in-der-stadtbibliothek-bremen/

 

Bremer Netzresidenz 2012 für Stefan Petermann

Ab Donnerstag, 20. September startet der Autor Stefan Petermann auf facebook mit seinem Romanprojekt „Das Gegenteil von Henry Sy“ die Bremer Netzresidenz 2012.

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Wer ist Henry Sy?
Das Motto von Henry Sy lautet: "Im Zweifelsfall für das Gegenteil". Auch wenn es unvernünftig scheint. Gerade dann. Trotzdem gelingt ihm ein geradezu außergewöhnliches Leben. Da ist Magda, sehr wahrscheinlich seine große Liebe. Da ist Rottmann, der Henrys Unglück will. Da sind die undurchsichtigen Obsidian. Und Huck, eine Bauchrednerpuppe, die eine wahrhaft magische Fähigkeit besitzt…

Im Rahmen seines dreimonatigen, virtuellen Stipendiums erzählt Stefan Petermann die Biographie einer erfundenen Figur anhand von Einträgen in der Zeitleiste von Facebook. Diese Geschichte ist nicht chronologisch erzählt, sondern rückwärts, seitwärts, manchmal auch vorwärts, durcheinander, übereinander. Verschiedene Ebenen sollen sich bilden und ineinander verschränken und so jeden Leser das Leben Henry Sys anders wahrnehmen lassen.

Ein Eintrag funktioniert dabei wie das Kapitel eines Romans. Das können kleine Beobachtungen sein, wichtige biographische Einschnitte, Tragödien, Komödien, Anekdoten. Aus den vielen, über die Zeit verteilten Einzelstücken fügt sich so ein komplexes, literarisches Bild von Henry Sy.

Stefan Petermann wurde in einem offiziellen Nachrückverfahren als Preisträger durch eine Literaturexperten-Jury nominiert, nachdem der Lyriker Hendrik Jackson den geplanten „Knastblog“ aus organisatorischen Gründen nicht im geplanten Umfang umsetzen konnte. „Stefan Petermann schreibe einen Echtzeitroman des 21. Jahrhunderts“, so die Jurymitglieder „und experimentiere dabei innerhalb des sozialen Netzwerkes facebook mit den klassischen erzählerischen Mitteln. Der Autor bewege sich mit seinem Projekt im Spannungsfeld von Narration und Interaktion, von realen wie erfundenen Schauplätzen und Ereignissen. Mit dieser neuen Form der digitalen Literaturvermittlung erreiche Stefan Petermann gerade auch jüngere Leserinnen und Leser, die sich erstmal nicht unbedingt für Literatur interessieren.“

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Stefan Petermann wurde im Dezember 1978 in Werdau geboren. Er studierte an der Bauhaus Universität in Weimar. 2009 erschien sein Debütroman „Der Schlaf und das Flüstern“ und 2011 der Erzählband „Ausschau halten nach Tigern“. Er wurde verschiedenfach ausgezeichnet, darunter mit dem Publikumspreis und 3. Platz beim 14. MDR Literaturwettbewerb. Seine Erzählungen „nebenan“ und „"Der Zitronenfalter soll sein Maul halten"“ wurden verfilmt und auf internationalen Festivals aufgeführt. 2010 erhielt er das Autoren-Arbeitsstipendium des Landes Thüringen. Er ist Mitbegründer des Filmkollektivs 1meter60 Film und lebt in Weimar.

>> mehr zum Preisträger

Die Bremer Netzresidenz wird vom virtuellen Literaturhaus Bremen für herausragende literarische Onlineprojekte verliehen und ist mit 2.000 Euro dotiert. Neben dem Preisgeld erhält der Preisträger einen vierwöchigen Aufenthalt im kunst:raum sylt quelle auf der Nordseeinsel Sylt. Die „Bremer Netzresidenz“ wird durch die Bernd und Eva Hockemeyer Stiftung und die Stiftung kunst:raum sylt quelle realisiert. Mit freundlicher Unterstützung der Fotothek Weimar.