Netzresidenz 2014 des Literaturhauses geht an drei Bremer Autoren

Ausgezeichnet werden Nikolas Hoppe, Nora Bossong und Jens Laloire für ihr Projekt: 

„Bremen und Kampala –Schreiben im transkulturellen Raum“.

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Dieses Jahr werden gleich drei Autoren mit der Bremer Netzresidenz des virtuellen Literaturhauses gewürdigt: Gemeinsam hatten sie sich mit dem transkulturellen Schreibprojekt „Bremen-Kampala“ um das Online-Stipendium beworben.
Im Rahmen ihres dreimonatigen Stipendiums werden die Bremer Autoren Nikolas Hoppe (Foto: Sarah Ablett), Nora Bossong und Jens Laloire im kommenden Herbst eine Online-Plattform entwickeln, die einen transkulturellen Austausch junger GegenwartsautorInnen im Netz ermöglicht. Dazu werden Werkstattgespräche zu poetologischen Fragestellungen von AutorInnen aus Bremen und Kampala dokumentiert. Ziel der Plattform soll es sein, vielschichtige Portraits einer Autorengeneration zwischen den Kulturen zu zeichnen.

Die Jury lobte das Projektvorhaben, „da es neue Räume für einen Literaturaustausch zwischen den sehr unterschiedlichen Kulturen in Bremen und Kampala schafft. Mit dem Projekt entwickeln die Preisträger einen Ort im Netz, der komplexe Portraits einer jungen Autorengeneration bündelt und der zugleich eine offene Bühne für die Vielstimmigkeit Bremer und Ugandischer Literatur sein kann.“

Ergänzend zur Online-Plattform sind Schreibwerkstätten für den literarischen Nachwuchs in Bremen und Kampala geplant. Abschließend werden die Ergebnisse des virtuellen Austausches auf einer realen Bühne in Bremen mittels Videos, Live-Chat und Skype präsentiert.
Das Projekt wird durch das Bremer Literaturkontor und die Kulturstiftung des Bundes unterstützt. Mit der Vergabe der Bremer Netzresidenz an das deutsch-afrikanisches Literaturprojekt „Bremen – Kampala“ setzt das virtuelle Literaturhaus seine Förderung des internationalen Austausches von Autorinnen und Autoren im Netz konsequent fort.

Nikolas Hoppe (Foto: Sarah Ablett) wurde 1986 in Bremen geboren. Bachelor und demnächst Master im Studiengang ›Kreatives Schreiben & Kulturjournalismus‹ der Universität Hildesheim. Er war Mitherausgeber der Literaturzeitschrift BELLA triste und gehörte der künstlerischen Leitung des Literaturfestivals Prosanova 2011 an. In der Spielzeit 2009/2010 war er Stipendiat des Autorenlabors am Düsseldorfer Schauspielhaus und erhielt den Haupt- und Publikumspreis der Endpräsentation für sein Stück NACH KORFU. Für seine Prosa erhielt Nikolas Hoppe 2009 das Bremer Autorenstipendium sowie 2013 das Arbeitsstipendium des Landes Niedersachsen. 2010 war er Teilnehmer des 14. Klagenfurter Literaturkurses beim Ingeborg Bachmann Preis.

Nora Bossong 2012

Nora Bossong, (Foto: Peter-Andreas Hassiepen) wurde 1982 in Bremen geboren, studierte in Leipzig am Deutschen Literaturinstitut und an der Humboldt-Universität in Berlin Philosophie und Komparatistik. Sie veröffentlichte die Romane Gegend (2007) und Webers Protokoll (2009). Bei Hanser erschienen zuletzt der Gedichtband Sommer vor den Mauern (2011), der mit dem Peter Huchel-Preis 2012 ausgezeichnet wurde, und der Roman Gesellschaft mit beschränkter Haftung (2012).

 

 

Pressefoto_LW_Jens_Laloire_vo n_Victor_Ströver_nordsign_600Jens Laloire, (Foto: Victor Ströver) geboren 1978 in Twistringen. Studium der Philosophie, Geschichte & Germanistik an den Universitäten Bremen & Essen. Er arbeitet als freier Autor und Journalist, kulturjournalistische Artikel von ihm erschienen u.a. in der taz, der zett und auf tanznetz.de. Zuletzt erschien von ihm die Kurzgeschichte Die Legende von der Neustadt im ZMagazin.
Im Oktober 2011 hatet er einen Lehrauftrag für Kreatives Schreiben an der Universität Bremen. Außerdem betreute er gemeinsam mit Jutta Reichelt das interaktive Literaturprojekt netzdichte.de. Zusammen mit der Stadtbibliothek Bremen veranstaltet er die Reihe „Laloire schlägt auf“ zu Autoren zeitgenössischer Literatur.

 

Die Bremer Netzresidenz wird 2014 zum siebten Mal für herausragende literarische Onlineprojekte verliehen und ist mit 2.000 Euro dotiert. Neben dem Preisgeld wird ein vierwöchiger Aufenthalt im kunst:raum sylt quelle auf der Nordseeinsel Sylt angeboten. Die „Bremer Netzresidenz“ wird durch die Bernd und Eva Hockemeyer Stiftung und die Stiftung kunst:raum sylt quelle realisiert.

Die Jury 2014: Dr. Silke Behl (Literaturhaus Bremen), Thomas Böhm (Publizist, Programmleiter ilb – internationales literaturfestival berlin), Monika Eden (literatur büro oldenburg), Indra Wussow (kunst:raum sylt quelle), Inge Zenker-Baltes (Literaturkritikerin, Berlin)

Was ist Ihr siebter Sprung?

Am 13. Mai war die Autorin und Trägerin der Bremer Netzresidenz des virtuellen Literaturhauses, Ulrike Draesner, zu Gast in Bremen. Sie stellte in der Stadtbibliothek ihren neuen Roman „Sieben Sprünge vom Rand der Welt“ vor und sprach mit Silke Behl vom Nordwestradio über ihr Übersetzungsprojekt „The Making of Translation„.
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In ihrem bei Luchterhand erschienen Roman kreuzt Ulrike Draesner die Lebenswege der schlesischen Grolmanns mit dem Schicksal einer aus Ostpolen nach Wrocław vertriebenen Familie. Vier Generationen kommen zu Wort. Virtuos entwirft sie ein Kaleidoskop der Erinnerungen, die sich zu immer neuen Bildern fügen. Sie zeigen, wie die durch Flucht und Vertreibung ausgelösten Traumata weiterwirken und wie sich seelische Landschaften von einer Generation in die nächste weitervererben. Die Geschichten der Grolmanns und der Nienaltowskis werden zum Spiegel von hundert Jahren mitteleuropäischer Geschichte. Sie erzählen von den Mühen und Seligkeiten zwischen Eltern und Kindern, von Luftwurzeln, Freiheit und Migration.

Sprünge“Wir hatten ein Kind verloren, das Erbe verloren, alle Gräber, ein Stück unserer selbst, die Verbindung zu unserer Vergangenheit, die Verankerung in Besitz und Beständigkeit, das Vertrauen, da sein zu dürfen. Die Landschaft, in der wir lebten, taugte für Urlaub, blieb Kulisse. Die Menschen um uns sprachen die falsche Sprache, hatten die fal­sche Religion. „Wir waren allein, jeder für sich, die Geschichte ließ sich nicht teilen.“

(Sieben Sprünge vom Rand der Welt, S. 381)

http://www.der-siebte-sprung.de/

 

Die vielfach ausgezeichnete Autorin Ulrike Draesner schrieb ihr neues Buch vor dem Hintergrund ihrer eigenen Familiengeschichte. Für die Recherche reiste sie unter anderem nach Wroclav – in jene Stadt, die früher Breslau hieß und aus der ihre Vaterfamilie stammt. Nach der Lesung meldeten sich zahlreiche Gäste mit ihren persönlichen Erfahrungen zu Wort – die Auswirkungen der kollektiven Traumata von Flucht und Vertreibung berühren viel deutsche Biographien.

Was ist Ihr siebter Sprung?

Ulrike Draesner hat ihren neuen Roman mit einer Website intermedial erweitert. Ergänzende Texte, Fotos, Familiendokumente und Interviews sind dort zu finden. Die Autorin sammelt unter der Rubrik “Selbst-Erzählen” die Erlebnisse ihrer Leserinnen und Leser mit dem siebten Sprung und den Fragen, die der Roman aufwirft. Wenn Sie gerne einen Gastbeitrag (300-500 Wörter) gestalten möchten, schreiben Sie bitte eine Email an draesner[@]web[punkt]de

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Ulrike Draesner, 1962 in München geboren, eine der profiliertesten deutschsprachigen Autorinnen, lebt in Berlin. Ihr Werk umfasst Lyrik, Prosa, Essayistik, Hörspiel. Für ihre Gedichte und Romane wurde Ulrike Draesner mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik (2014), dem Roswitha-Preis (2013), dem Solothurner Literaturpreis (2010) und dem Drostepreis (2006). Sie schreibt Romane, Erzählungen und Gedichte, und interessiert sich für Naturwissenschaften ebenso wie für kulturelle Debatten.

Alle Fotos: Daniel Tepe | Stadtbibliothek Bremen

Facebook-Roman von Stefan Petermann als Buch erschienen

DasGegenteilvonHenrySy.inddDer Facebook-Roman „Das Gegenteil von Henry Sy“ von Stefan Petermann ist als Buch im asphalt & anders Verlag erschienen. Über vier Monate lang lief das Online-Projekt, welches mit der Bremer Netzresidenz 2012 des virtuellen Literaturhauses ausgezeichnet wurde, und erzählte verschiedene Momente aus dem Leben des Henry Sy. Für die Printausgabe wurden die kurzen Erzählungen nun überarbeitet und etwa zwanzig Kapitel hinzugefügt.

Zum Buchinhalt: Kein Leben ist wie das andere. Besonders das von Henry Sy nicht. Sein Motto lautet: „Im Zweifelsfall das Gegenteil“. Daran hält er sich. Selbst wenn ihn das in Schwierigkeiten bringt. Oder gerade dann. Ob er im Auftrag einer obskuren Organisation die Welt bereist, Silvester mit Doppelgängern von Andy Warhol und Ché Guevara feiert, ob er in China das Ende der Welt erlebt oder zwischen den Flüssen verloren geht – als er im Wald nach dem Regen ein Geheimnis entdeckt, ändert sich alles. Nur Magda nicht. Er liebt sie, sie liebt ihn – jedenfalls manchmal. Am Ende aber genügt das nicht. Für sein Leben muss jeder selbst geradestehen.

>> zur Homepage von Stefan Petermann