Bremer Schulhausroman: Leidenschaft für die Literatur!

Für die etwa 50 Schülerinnen und Schüler aus den Oberschulen In den Sandwehen und Schaumburger Straße war der 12. Juni ein ganz besonderer Tag. Am Dienstagabend stellten die Klassen 8c und 9c im Wall-Saal der Zentralbibliothek ihre Romane Das große Abenteuer mit Bob und seinen Freunden sowie Im Abseits vor. Die freudige Erwartungshaltung der zahlreich erschienenem Besucher führte bei den jungen Autorinnen und Autoren zunächst zu einiger Aufregung, die Katja Bischoff von der Stadtbibliothek zu dämpfen versuchte. „Hier wird kein Perfektionismus verlangt“, versprach sie, „sondern Leidenschaft für die Literatur.“ Heike Müller, die für das Literaturhaus Bremen den gesamten Schreibprozess der Romane begleitet hatte, lobte die Jugendlichen. „Mit über 20 Mitschülern an einem Roman zu schreiben, ist immer schwierig“, sagte sie. So habe es „neben der Freude auch mal Tränen gegeben“. Trotz allem aber hätten die Klassen gerade in der Schlussphase ihrer achtmonatigen Schreibarbeit „einen richtigen Flow“ entwickelt.

Die eigene Sprache finden

Bevor den jungen Autorinnen und Autoren selbst das Wort gegeben wurde, holte die Moderatorin Lydia Dimitrow die Schirmherrin des Bremer Schulhausromans Alexia Sieling und Richard Reich auf die Bühne. Reich ist der Begründer des Schulhausromans und war extra für die Veranstaltung aus Zürich angereist. Auf Dimitrows Frage, was ihm beim Schulhausroman wichtig sei, antwortete er, dass es ihm generell weniger um das Lesen von Büchern gehe. Seine Idee vom Schulhausroman sei vielmehr, „dass man schreibt und seine eigene Sprache findet.“ Alexia Sieling hob an dem Projekt besonders die Vermittlung wichtiger Schlüsselkompetenzen hervor, die den Schülern im sozialen Bereich und in diversen Lernfeldern zu Gute kämen.

Beim Schreibprozess werden Klassen aus Oberschulen von einem erfahrenen Autoren betreut. Die Krimiautorin Alexa Stein, die mit der 8c der Oberschule In den Sandwehen zusammengearbeitet hatte, bezeichnete sich in ihrer Tätigkeit für die Klasse als „Text-DJ“. Für sie sei es darum gegangen, die unzähligen Ideen der Schüler so zu arrangieren und auszuwählen, dass diese in einem 50-seitigen Roman sinnvoll ihren Platz fänden.

 

Ein sprechender Hamster

Die Schüler aus der 8c lasen jeweils kurze Passagen aus ihrem Roman Das große Abenteuer mit Bob und seinen Freunden vor. Die witzige Geschichte entspannt sich um den Protagonisten Bob, der allerdings kein Mensch, sondern ein Hamster ist. Im Chemieunterricht seiner Herrin Sabrina gerät der Nager an Substanzen, die ihn dazu befähigen, mit Menschen zu sprechen. Allerdings wird Bob Sabrina vom unsympathischen Hausmeister Fock entwendet, der das Mädchen für einen angeblichen Stinkbombenanschlag bestrafen will.

Gerade bei den häufigen Wechseln der Vorlesenden war der Wall-Saal von anerkennenden Pfiffen und Rufen erfüllt. „Ich glaube nicht, dass einer von uns einen Hamster hat“, antwortete die Schülerin Anna-Lena Meyer nach der Lesung auf die entsprechende Frage der Moderatorin. Vielmehr hätte sich die Klasse über das Verhalten der Tiere beim Schreibprozess informiert.

Eine dunkle Zukunft

Der zweite Roman, Im Abseits, wurde vom Schreibcoach Bas Böttcher betreut und handelt von der Frage, wie aus Schlechtem Gutes und aus Gutem Schlechtes werden kann. Der Roman spielt in einer dystopisch angehauchten Zukunft, in der viele Menschen sehr arm sind. Die Schülerin Mira verliebt sich in den Fußballspieler Nico, der vom bösen Dr. Wolfgang schließlich entführt und zu einem Cyborg umgestaltet wird. Als sie davon erfährt, ist der Schock bei Mira groß. So heißt es im Roman: „Verschiedene Gedanken schossen ihr durch den Kopf. Könnte sie eine Maschine lieben?“

Auf die Idee mit der „dunklen“ Zukunft sei die Klasse durch Brainstorming gekommen, sagte der Schüler Fabio. Das heiße aber nicht, dass die Schüler alle Zukunftspessimisten seien.

Bas Böttcher erzählte, dass ihn bei seiner Rolle als Schreibcoach besonders die „Reise ins Ungewisse“ gereizt habe. „Man kann auch als Autor viel von den Schülern lernen und neue Perspektiven auf die Welt erhalten“. Die Schülerin Luise fand am gemeinsamen Schreibprojekt schön, dass jeder in der Klasse etwas geschrieben habe, aus diesen vielen Teilen aber dennoch etwas Ganzes entstanden sei.

Abgerundet wurde der schöne Abend vom Beatboxer MaZn, der unter anderem Darth Vader und Michael Jackson imitierte. Die Höhepunkte der Veranstaltung waren zwei Stücke von Ludovico Einaudi, die von Erik Lion aus der 9c gefühlvoll auf dem Klavier vorgetragen wurden. Während seine Mitschüler geschrieben hätten, würdigte Bas Böttcher ihn vor dem Publikum, habe Erik oft Klavier gespielt und eine inspirierende Atmosphäre für alle geschaffen.

Text: Florian Pieth

Fotos: Christopher Klerings

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