Sherko Fatah

Fatah, Sherko

Zu Gast beim Literaturfestival globale° 2015
Zu Gast bei den Literarischen Wochen Bremerhaven 2015
Zu Gast bei der LiteraTour Nord 2011/2012
Zu Gast beim Literaturfestival globale° 2008
Foto: Jens Oellermann

Sherko Fatah wurde 1964 als Sohn eines irakischen Kurdens und einer deutschen Mutter in Ost-Berlin geboren. 1975 siedelte er nach West-Berlin über, wo er Philosophie und Kunstgeschichte studiert. 2001 erscheint sein erster Roman Im Grenzland. Für sein erzählerisches Werk hat Sherko Fatah zahlreiche Auszeichnungen erhalten. 2015 erhält er den mit 15.000 Euro dotierten Adelbert-von-Chamisso-Preis für sein bisheriges Gesamtwerk. Sherko Fatah lebt als freier Schriftsteller in Berlin.

Auszeichnungen (Auswahl)
1999 Stipendium des Literarischen Colloquiums Berlin
2001 aspekte-Literaturpreis
2002 Sonderpreis des Deutschen Kritikerpreises
2003 Alfred-Döblin-Stipendium
2007 Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil
2015 Adelbert-von-Chamisso-Preis


Bücher

Der letzte Ort

Roman 2014
Luchterhand Literaturverlag, ISBN: 978-3-630-87417-3
288 Seiten, €19,99

Ein literarischer Thriller über Freundschaft und Verrat.

Die Welt um Albert, einen deutschen Aussteiger, ist geschrumpft, seit er im Irak entführt wurde. Sie besteht nur noch aus dem, was der Zwischenraum zwischen den roh gezimmerten und doch unüberwindlichen Holzlatten des Verschlags zeigt, in den seine Entführer ihn eingeschlossen haben. Nie hätte er sich ausmalen können, wie sich das anfühlt: die Angst, gefesselt in einem Stall zu verrecken, umschwirrt von Fliegen, getrennt von seinem Übersetzer Osama, seiner Brücke in die fremde Kultur.

Längst ist Osama, ein Einheimischer, der aus einer liberalen Familie stammt, zum Freund geworden. In der Gefangenschaft, der Willkür ihrer Entführer ausgesetzt, die sie mal getrennt, mal zusammen, von Ort zu Ort schleppen, begannen sie zu reden: über den Hass zwischen den Kulturen, der mit dem Denken beginnt, und über ihre eigenen Leben. Albert wird bewusst, wie wenig Osama, der sein Land im Krieg erlebt hatte und nun als Verräter gefangen gehalten wird, mit seinen Geschichten anfangen kann. Und doch ist das Reden das einzige, was ihnen bleibt am vielleicht letzten Ort ihres Lebens, an dem das Leben der anderen weiter geht, als wäre nichts geschehen.

Sherko Fatah erzählt die Entführung von Albert und Osama als atemberaubenden literarischen Thriller und sensibles Psychogramm beider Figuren. Beide geraten in der aussichtlosen Situation an ihre Grenzen und verlieren sich in ihrer eigenen Angst und im wachsenden Misstrauen gegen den anderen. Als ihnen die Flucht gelingt, ist zwischen ihnen nichts mehr wie zuvor.

Ein weißes Land

Roman, 2011
Luchterhand Literaturverlag, ISBN: 978-3-630-87371-8
480 Seiten, €21,99

Bagdad in den 1930er Jahren. Der junge Araber Anwar versteht nichts von den politischen Wirren seiner Zeit. Er träumt von schönen Häusern, von fernen Reisen und vielleicht ein bisschen von der Schwester seines jüdischen Freundes. Er träumt davon, ein „Jemand“ zu werden. Doch dann gerät er mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs unter den Einfluss der „Schwarzhemden“, der faschistischen Jugendorganisation im Irak. Ein bitter wahres Märchen nimmt seinen Lauf, ein Abenteuerroman mitten durch die Katastrophen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts …

Das dunkle Schiff

Roman, 2008
Jung und Jung, ISBN: 978-3902497369
440 Seiten, €22,00

Das Buch erzählt die Geschichte des jungen Kerim, von Beruf Koch, der sich aus dem irakischen Grenzland auf die beschwerliche und gefährliche Reise nach Europa macht. Von früh an der Idee verfallen, sich zu verwandeln, hat er noch andere Gründe für seine Flucht, war er doch unter die Gotteskrieger geraten und mit ihnen durch das Land gezogen, bevor er sich von ihrem Weg der Gewalt lossagte. Kerim, bemüht, in Deutschland ein neues Leben zu beginnen, kann, obwohl er in dem fremden Land auch Zuwendung und sogar seine erste Liebe findet, die Vergangenheit nicht abschütteln, vielmehr scheint diese sich fortwährend auf ihn zuzubewegen …

Onkelchen

Roman, 2004
Jung und Jung, ISBN: 978-3902144775
299 Seiten, €19,90

Am Beginn steht die Ermordung eines Schwans an einem Heiligen Abend in einer deutschen Stadt. Aber auch was dann erzählt wird, ist gezeichnet von den Spuren der Gewalt: die Geschichte einer Reise in den Norden des Irak um die Mitte der neunziger Jahre. Der, der sich zusammen mit einem Freund dorthin aufmacht, hat zuvor die Bekanntschaft eines älteren Mannes gemacht, den alle „Onkelchen“ nennen und der von dort stammt und nun bei illegalen Flüchtlingen in Deutschland Unterschlupf gefunden hat. Seine neue Außenwelt bleibt ihm völlig fremd: er verstummt und behält so seine Geschichte für sich. Der versucht der Erzähler auf seiner Reise in das Land, das wiederum ihm völlig fremd bleibt, auf die Spur zu kommen: er erfährt davon wenig genug, dafür aber etwas über eine bizarr brutalisierte Gesellschaft und seine eigenen Grenzen des Verstehens.

Donnie

Erzählung, 2002
Jung und Jung, ISBN: 978-3902144478
120 Seiten, €16,00

Gotthard, ehemalig:er Fremdenlegionär, wird von der Erinnerung an Krieg und Mord geradezu heimgesucht. Das ist für den Erzähler dieser Geschichte Fluch und Segen zugleich. Zwar bringt er den entwurzelten Mann zum Reden, aber alles, was der erzählt, steht auf schwankendem Boden. In der Kasbah seiner Erinnerungen hat sich irgendwann einmal eine Begegnung ereignet, die ihn die komplizierte Anordnung der Gassen hat vergessen lassen, und das war die Begegnung mit einem Hund. Dieses Tier steht nun vor jenem Tor, das der unermüdlich fragende Erzähler öffnen möchte.