Sasa Stanisic

Zu Gast im Pferdestall Bremerhaven 2017
Zu Gast an der Universität Bremen 2017
Förderpreis zum Bremer Literaturpreis 2007

Foto: Katja Sämann

Saša Stanišić wurde 1978 in Višegrad in Bosnien-Herzegowina geboren und kam als Vierzehnjähriger nach Heidelberg. Seit 2004 studierte er am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Stanišić hat mehrere Stipendien und Preise erhalten, u.a. den Publikumspreis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb. Sein Romandebüt „Wie der Soldat das Grammofon repariert“ war für die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2006 nominiert. 2013 wurde Stanišić mit dem Alfred-Döblin-Preis geehrt. Im darauffolgenden Jahr wurde er für seinen Roman „Vor dem Fest“ mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Heute lebt und arbeitet Stanišić in Hamburg.

Auszeichnungen
2004 Jürgen-Fritzenschaft-Preis
2005 Kelag-Publikumspreis des Bachmann-Wettbewerbs
2006 Grenzgänger-Stipendium der Robert Bosch-Stiftung
2006 Preisträger des Heinrich-Vetter-Wettbewerbs
2007 Förderpreis des Bremer Literaturpreises
2008 Adelbert-von-Chamisso-Preis der Robert Bosch Stiftung
2008 Förderpreis zum Heimito von Doderer-Literaturpreis
2013 Alfred-Döblin-Preis
2014 Preis der Leipziger Buchmesse

http://www.kuenstlicht.de/kuenstlicht.html


Bücher

Fallensteller

Roman, 2016
Luchterhand, ISBN: 978-3-630-87471-5
288 Seiten, €19,99

Wo Menschen sind, sind Fallen. Dies sind Geschichten über die, die Fallen stellen, über die, die sich locken lassen, über die, die sich befreien. Im Streit und im Krieg, mit Trug und Betrug. Georg Horvath ist einer von ihnen. Der hat aus Liebeskummer ein Gedichtband unter Pseudonym veröffentlicht. Jedes Gedicht steht für einen Tag der gescheiterten Beziehung, es waren 50 Stück, und die Lektorin, eine sehr alte Frau, die zu dem einzigen persönlichen Treffen ihre eigenen Teebeutel mitbrachte, sprach von Anfang an von seiner »Kriegslyrik«, und Georg Horvath korrigierte sie nicht, weil es ihm a) gefiel, dass jemand etwas so völlig Anderes darin las, als er geschrieben und gemeint hatte, es waren ja nicht einmal wütende Gedichte, und b), wenn jemand so uralt ist und noch Freude am Leben hat, dann korrigierst du den nicht, dem lässt du jeden freudigen Irrtum, jedenfalls heißt der Gedichtband jetzt Bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht, das war ihre Idee, und Georg Horvath sagte, dass er den Titel sehr, sehr gut fand.

Vor dem Fest

Roman 2014
Luchterhand Literaturverlag, ISBN: 978-3-630-87243-8
320 Seiten, €19,99

Es ist die Nacht vor dem Fest im uckermärkischen Fürstenfelde. Das Dorf schläft. Bis auf den Fährmann – der ist tot. Und Frau Kranz, die nachtblinde Malerin, die ihr Dorf zum ersten Mal bei Nacht festhalten will. Ein Glöckner und sein Lehrling wollen die Glocken läuten, das Problem ist bloß: die Glocken sind weg. Eine Füchsin sucht nach Eiern für ihre Jungen, und Herr Schramm, ein ehemaliger Oberst der NVA, kann sich nicht entscheiden, ob er Zigaretten holen soll oder sich in den Kopf schießen. Alle haben sie eine Mission. Alle wollen sie etwas zu Ende bringen, bevor die Nacht vorüber ist.
Keiner von ihnen will den Einbruch ins Haus der Heimat beobachtet haben. Das Dorfarchiv steht aber offen. Doch nicht das, was gestohlen wurde, sondern das, was entkommen ist, quält die Schlaflosen. Die Nacht gebiert Ungeheuer: Alte Geschichten und Erinnerungen, Mythen und Märchen, sind ausgebrochen und ziehen mit den Menschen um die Häuser. Sie fügen sich zum Roman einer langen Nacht, zu einem Mosaik des Dorflebens, in dem Alteingesessene und Zugezogene, Verstorbene und Lebende, Handwerker, Rentner und arbeitslose Halbgötter in Fußballtrikots aufeinander treffen. Und in dem es Herrn Schramm einfach nicht gelingen will, an Zigaretten zu kommen. Wie wird es aussehen das Dorf, wenn das Fest beginnt?

Wie der Soldat das Grammofon repariert

Roman, 2006
Luchterhand Literaturverlag, ISBN: 978-3-630-87242-1
320 Seiten, €19,95

Aleksandar wächst in einem kleinen Dorf in Bosnien auf. Sein größtes Talent ist das Geschichten-Erzählen, das er von Opa geerbt hat. Immer wieder treibt er seinen Lehrer in den Wahnsinn, weil er gar nicht daran denkt, sich an das jeweilige Thema für den Erlebnisaufsatz zu halten. Aber warum sollte er auch? Viel zu reizvoll sind die Geschichten von der Pflaumenernte bei seinen Urgroßeltern, von den Amokläufen betrogener Väter und von den Abenteuern beim Pionierausflug. Doch auf einmal bricht der Krieg in Aleksandars Welt ein und er muss mit seinen Eltern in den Westen fliehen. Und es zeigt sich, wie wichtig Aleksandars Talent zum Geschichten-Erzählen ist: denn mit seiner überbordenden Fabuliererei kann er seine Heimat auch in diesem merkwürdigen Land namens Deutschland behalten. Früher, als sein geliebter Opa starb, da dachte er, er könne ihn mit seinem Zauberstab problemlos wieder lebendig zaubern. Jetzt hat er einen Zauberstab, der tatsächlich funktioniert: mit seinen Geschichten macht Aleksandar das Verlorene wieder lebendig. Irgendwann aber will Aleksander seine Phantasie an der Wirklichkeit überprüfen, will ein wenig mehr Klarheit darüber, was wirklich geschah: war er wirklich ein glühender Marxist und hat Karl-Marx-Strichmännchen gezeichnet, wie seine Oma behauptet? Oder war es eben doch nur Omar Sharif, wie er sich erinnert? Und warum palavert seine Familie über alles Mögliche, aber wird stumm, wenn es darum geht, was Onkel Miki während des Krieges getan hat?