Sabine Scho

Foto: Matthias Holtmann

Bremer Netzresidenz 2018

Sabine Scho, geb. 1970 in Ochtrup, studierte Germanistik und Philosophie in Münster. Sie lebte und arbeitete lange Zeit in Sao Paulo, derzeit in Berlin. Zuletzt erschien von ihr der Gedichtband Tiere in Architektur bei kookbooks, sowie das Magazin The Origin of Senses im Rahmen einer künstlerischen Intervention im Museum für Naturkunde Berlin 2015 mit Zeichnungen von Andreas Töpfer. Sabine Scho wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. 2018 erhielt sie zusammen mit Christian Lehnert den Deutschen Preis für Nature Writing.

http://www.sabinescho.de/


Bücher

Tiere in Architektur. Texte und Fotos

Lyrik, 2013
Kookbooks, ISBN: 9783937445588
128 Seiten, €19,90

„Zoologische Gärten sind Schnittstellen, die von dem Leben der eigenen mit der je anderen Art zeugen. Ihre Gestaltung spiegelt das Selbstverständnis einer Gesellschaft, die ihren Platz in der Evolution immer neu definiert. Beim Besuch eines Zoos verlangt es uns heute längst nicht mehr nach einem Abbild symbolischer Ordnung, wie sie noch die Menagerie Ludwigs XIV. verkörperte. Dessen Baumeister Louis Le Vau ordnete die Gehege in sogenannten Logen an. Der absolutistischen Herrschaftsidee entsprechend, richtete er diese konzentrisch zum Betrachterstandpunkt des Sonnenkönigs aus. Gerechte Hege erbaut uns heute mehr als gebaute Hegemonie. Nicht positivistischer Bildungshunger treibt uns, eher schon suchen wir in den Landschaftskulissen nach Reservaten der Sehnsucht. So hat sich das Projekt Zoo gleichsam invertiert: Künstlich bauen wir en détail wieder auf, was wir en gros zerstören. Große Freigelände ersetzen einzelne Gehegebauten und versammeln Lebensgemeinschaften unterschiedlichster Klimazonen … Der Zoo bleibt ein gerissenes Gelände, gleichermaßen zerrissen wie raffiniert reißerisch. Kulisse einer Menschensehnsucht, eingebettet in eine Urbanität, die er vergessen machen soll, obgleich sie ihn erst ermöglicht. Letztlich konkurriert er schon heute mit den Freigeländerevieren an den Rändern der Ballungsgebiete, die wiederum längst mit den angestammten Lebensräumen der letzten noch wild lebenden Tiere konkurrieren.“ Sabine Scho

Farben. Gedichte

Lyrik, 2008
Kookbooks, ISBN: 9783937445342
80 Seiten, €19,90

»Seit Newton die spektrale Brechung des Lichts nachgewiesen hat, ist Farbe kein greifbarer Bestandteil der wirklichen Natur mehr, sondern ein subjektiv erfahrenes Phänomen, das sich dem menschlichen Empfinden verdankt, aber auf physikalischen Ursachen beruht. Farbwahrnehmung stellt somit den Präzedenzfall des zerteilten Subjekts zwischen Physis und Psyche dar. Indem wir ihren Eindruck auf unser Auge und Gehirn zurückführen, ist Farbexistenz ebenso wenig erläutert, wie die Annahme verkehrt sein muss, sie verdanke sich allein unserem Eindruck. Zum sichtbaren Licht haben wir keine Distanz, es herrscht kein Gegenüberverhältnis, sondern ein a priori bestehendes Kontaktverhältnis (C. F. v. Weizsäcker). Farblose Dinge gibt es praktisch nicht, und es ist sogar fraglich, ob wir Dinge ohne Farbe überhaupt sähen, Farben ohne Dinge hingegen schon, etwa einen blauen Himmel. Farben sind optische Leitbilder, mit denen wir uns der physischen Welt versichern und ihr Bedeutung verleihen. ‚farben’ beschäftigt sich mit diesem unausweichlichen Kontaktverhältnis, mit dem Stimmungswert des Farbgefühls. Er schreibt sich durch die Bilder und Empfindungen hindurch, die für ein bundesdeutsches Subjekt identitätsstiftend wurden. Anlass sind ihm dabei Werkreihen wie Gerhard Richters Bilderzyklus 18. Oktober 1977, die als Gedichte fluoreszieren (chartreuse, atomic tangerine), Landschaftsepiphanien und Musik (glacier, blue), Reiseerlebnisse und Drogentrips (pink, green), das fragile Selbst (petrol), wie es Nan Goldin fotografierte (skin) und Andy Warhol serialisierte (velvet). Eine voyage colorée. Mit Gedichten in Farbe durch die Innenwelt des Außenerlebens. Vervollständigt und erweitert wird der Band durch epische Bildgedichte und Fotografien.« Sabine Scho

Album. Gedichte

Lyrik, 2008
Kookbooks, ISBN: 9783937445298
64 Seiten, €15,90

»Schos Eigenständigkeit scheint unverkennbar: so spröde und zugleich schräg dichtet heute niemand sonst. Wäre ihre Lyrik Musik, müsste man sich wohl eine Mischung aus Ornette Coleman und Zarah Leander vorstellen. Die Fotos, auf denen die Gedichte basieren, stammen übrigens aus den wirtschaftswunderlichen 50er und 60er Jahren der alten Bundesrepublik. Rosemarie Nitribitt hat in den Versen ebenso ihren Auftritt wie der Erfinder des ›Toast Hawaii‹, Clemens Wilmenrod. Man betrachtet stolz ›Horst mit seinem neuen Opel‹ oder staunt über das Kurzstartflugzeug STOL. Erstaunlich, wie sehr sich die Nachgeborene Scho heraushält, wie kaum je ein Ich diese Gedichte bewohnt. Dabei wirken sie keineswegs seelenlos, ganz im Gegenteil: Das Material – Montagen aus vermeintlichen Bildunterschriften, inszenierter O-Ton, lakonischer Kommentar oder Werbezitat – scheint mitunter geradezu zu vibrieren – oder doch zu ruckeln und zu rattern. Einen Schlüsseltext bildet das ›Richtfest für den Sortiermaschinen-Anbau‹. Wie eine Sortiermaschine, die aus dem Takt geraten ist und plötzlich ganz ungewohnte, überraschend schöne und witzige Kombinationen hervorbringt, funktionieren auch diese Gedichte. Da wird aus der autobegeisterten Betrachtung eines Kühlergrills unversehens ein ›Kühlpsalter‹, auf dem dann eine ›Winterrallye‹ nach ›Niflheim‹ stattfindet. Ein Lexikon sollte man bei diesen abenteuerlich umherbrausenden Gedichten freilich immer bei der Hand haben. Sonst entgeht einem schnell ›der weg-/ geblitzte Rest, das Badesalz des/ Bilds‹.« Tobias Lehmkuhl, Süddeutsche Zeitung