Reiner Kunze

Zu Gast bei poetry on the road 2017

Reiner Kunze, geboren 1933 in Oelsnitz im Erzgebirge; Bergarbeitersohn, Studium der Philosophie und Journalistik in Leipzig. 1977 Übersiedlung in die Bundesrepublik. Zuletzt erschienen im S. Fischer Verlag die gesammelten Gedichte in dem Band »gedichte«, »Der Kuß der Koi. Prosa und Fotos«, die Nachdichtungen »Wo wir zu Hause das Salz haben« sowie der Gedichtband »lindennacht«. Für sein umfassendes lyrisches, essayistisches und erzählendes Werk erhielt Reiner Kunze zahlreiche Literaturpreise, darunter den Georg-Büchner-Preis, den österreichischen Georg-Trakl-Preis und den Friedrich-Hölderlin-Preis. Seine Lyrik und Prosa wurden in dreißig Sprachen übersetzt.

http://www.reiner-kunze.com/


Bücher

Was macht die Biene auf dem Meer?

Gedichte, 2011
FISCHER KJB, ISBN: 978-3-596-85442-4
80 Seiten, €14,95

1979 erschien bei S. Fischer das Kinderbuch von Reiner Kunze ›Das Kätzchen‹ mit Bildern des Malers Horst Sauerbruch. Über dreißig Jahre später ist nun ein weiteres gemeinsames Werk der beiden Künstler entstanden. Der eine zaubert mit Worten und Reimen allerlei Tiere, Blumen und Begebenheiten aufs Papier, der andere setzt sie in leichte, verspielte und farbstarke Bilder um. So wird die Natur im Buch lebendig und zum lehrreichen Anschauungsunterricht. Für alle Wissbegieringen erläutert der Autor im Anhang außerdem einige kuriose biologische Tatsachen in einfacher Sprache.

lindennacht

Gedichte, 2007
S. Fischer, ISBN: 978-3-10-042024-4
112 Seiten, €20,00

»›fahrt mit altem meister‹ heißt in Reiner Kunzes neuem Gedichtband eine seiner poetischen Landschaften, wie er sie unnachahmbar mit wenigen Strichen zu malen versteht. Auch der Autor selbst zeigt in ›lindennacht‹ die reifste Meisterschaft: eine, die mit immer sparsameren, scheinbar immer kunstloseren Mitteln Kunst entstehen läßt. Jahrzehnte von Leben und Schreiben müssen auf diese Kunst hingearbeitet haben.« Jakub Ekier

Wo wir zu Hause das Salz haben

Nachdichtungen, 2003
S. Fischer, ISBN: 978-3-10-042023-7
376 Seiten, €16,00

„Dichter und Angler gehen verborgenen Geheimnissen nach; dieser dem Fisch, jener dem Vers“, schrieb Reiner Kunze 1974. Und da man weder „vom Dichten noch vom Angeln leben kann“, angelte der Dichter Reiner Kunze auch immer in fremden Teichen und brachte als Übersetzer so manchen Vers ans Land und entdeckte dem deutschen Leser so manchen fremdsprachigen Dichter. Unter den Autoren, die so zu seinen Freunden wurden, stach vor allem Jan Skácel hervor, dessen „wundklee“ Reiner Kunze kongenial übertrug. Über Jahre hinweg waren Kunzes Übersetzungen die einzigen Veröffentlichungen des in der Tschechoslowakei verbotenen Dichters. Dichten wie Übersetzen waren Formen des Widerstandes und der Rettung.

Deckname »Lyrik«

Dokumentation, 1990
S. Fischer, ISBN: 978-3-596-10854-1
128 Seiten, €6,95

Obwohl der Staatssicherheitsdienst der DDR im Januar 1990 auf dem Buchenberg bei Pößneck (Thüringen) Aktenmaterial über den Schriftsteller Reiner Kunze verbrannt hatte, fand sich im Archiv die vollständige Originalakte von zwölf versiegelten Bän-den zu insgesamt 3491 Blatt, die bis zur Übersiedlung Reiner Kunzes in die Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1977 reicht. Mit einem Bruchteil dieses Materials macht Reiner Kunze sichtbar, was wohl, wenn überhaupt, nur mit Dokumenten und nur in dieser »Brechung« sichtbar gemacht werden kann. Dieses Buch ist die Dokumentation eines Lyrikers, der »nicht geeignet« war, einen Decknamen zu tragen, und deshalb in einem Operativ-Vorgang mit dem zynischen Deck-namen »Lyrik« zermürbt werden sollte. Dieses Buch überführt, und es liegt an uns, den Überführten, ob wir bereit sind, uns der Wirklichkeit zu stellen.

zimmerlautstärke

Gedichte, 1972
S. Fischer, ISBN: 978-3-596-21934-6
72 Seiten, €6,90

… bleibe auf deinem Posten und hilf durch deinen Zuruf: und wenn man dir die Kehle zudrückt, bleibe auf deinem Posten und hilf durch dein Schweigen. Dieses Wort des Römers Seneca, das der DDR-Lyriker Reiner Kunze seinem Gedichtband Zimmerlautstärke als Motto vorangestellt hat, ist auch der Ort dieser Gedichte, der Ort zwischen Zuruf und Schweigen. Dem Bergarbeitersohn, der zu den bedeutendsten Dichtern seiner Generation gehört, war in seiner Heimat, der DDR, das Schweigen gründlich verordnet worden. Bereits 1969 hatte der Gedichtband Sensible Wege ein Strafverfahren gegen ihn ausgelöst, und nach dem Erscheinen seiner Prosatexte Die wunderbaren Jahre (S. Fischer Verlag 1976) wurde er aus dem Schriftstellerverband der DDR ausgeschlossen. Freilich, die von den DDR-Kulturpolitikern geforderten volksverbundenen, realistischen, aktiv parteilichen Gedichte – das sind die Gedichte Reiner Kunzes nicht, wie die von Peter Huchel und die von Wolf Biermann nicht. Es sind subtile, sprachlich aufs äußerste reduzierte Gedichte, manchmal nur wenige Zeilen, aphoristische Notizen, Monologe mit der Tochter, Selbstgespräche über den Schrecken der Unfreiheit, der Isolation, des Unverstanden- und Ungehörtseins in der Gesellschaft.