Raoul Schrott

Zu Gast bei Poetry on the Road 2016.

Foto: © Peter-Andreas Hassiepen

Raoul Schrott, geboren 1964 in Tirol, ist Schriftsteller und Übersetzer. Er studierte Literatur- und Sprachwissenschaft in Norwich, Paris, Berlin und Innsbruck. 1988 promovierte er, von 1993 arbeitete er als Lektor im Fachbereich Germanistik am Istituto Orientale in Neapel. Er dozierte an mehreren Universitäten. Heute lebt er in Österreich.

Preise und Auszeichnungen (Auswahl)

1989       Kulturpreis Tirol
1990       Nachwuchsstipendium des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur, Wien
1992       Literaturstipendium des Landes Tirol
1993       Österreichisches Staatsstipendium
1995       Hörspiel des Jahres (Preis der Frankfurter Akademie der Künste); Leonce-und-Lena-Preis
1996       Rauriser Literaturpreis; Friedrich-Hölderlin-Förderpreis; Berliner Literaturpreis; Robert-Musil-Stipendium
1997       Shortlist des Aristeion-Preises
1998       Sebetia Ter-Kulturpreis der G7-Konferenz in Neapel; Liliencrondozentur Kiel; Literaturdozentur an der ETH, Zürich
1999       Peter-Huchel-Lyrikpreis
2002       Förderpreis für Literatur, Österreich
2004       Mainzer Stadtschreiber; Joseph-Breitbach-Preis
2007       Preis der Guntram und Irene Rinke-Stiftung
2009       Tiroler Landespreis für Kunst
seit 2010 Projektförderung „Die erste Erde“ durch die Kulturstiftung des Bundes


Bücher

Die Kunst an nichts zu glauben

Gedichte, 2015
Hanser, ISBN: 978-3-446-24965-3
168 Seiten, €17,90

Nach über zehn Jahren der neue Gedichtband von Raoul Schrott: eine Feier der großen Kleinigkeiten des Lebens. Geschrieben in meisterlicher Leichtigkeit, ist „Die Kunst an nichts zu glauben“ ein Panorama des Allzumenschlichen. Die Gedichte werden von Sentenzen aus der ersten atheistischen Bibel gerahmt, dem „Manual der transitorischen Existenz“ aus dem 17. Jahrhundert. Dazwischen stehen Portraits einzelner Berufstätiger, vom Busfahrer bis zum Richter. Sie alle stellen ihre Fragen nach dem Gelingen des Lebens und finden Schönheit im Scheitern. Gedichte und Sentenzen erzählen so grundverschiedene und doch gleiche Geschichten: vom Kampf um jeden irdischen Moment. Und wie er manchmal beglücken kann.

Das schweigende Kind

Erzählung, 2012
Hanser, ISBN: 978-3-446-23864-0
200 Seiten, €17,90

Ein Mann sitzt in einem Sanatorium an der Grenze der Schweiz. Er erzählt seiner Tochter die Umstände, die zum Tod ihrer Mutter führten. Immer tiefer in seine Vergangenheit eintauchend, zeichnet er Seite für Seite ein Mosaik seines Lebens auf: seine Karriere als Maler, der Auftrag, einen Katalog von Sternbildern zu erstellen, die Zerrüttungen bei der Geburt der Tochter. Was als schonungslose Beichte beginnt, endet als Geständnis: Trägt er Schuld am rätselhaften Tod der Mutter?

Die Blüte des nackten Körpers

Gedichte, 2010
Hanser, ISBN: 978-3-446-23485-7
96 Seiten, €16,90

Die Liebeslyrik wurde im Alten Ägypten entdeckt. Raoul Schrott, Kenner der Antike und antiker Sprachen, hat eine Auswahl aus den ägyptischen Quellen zusammengestellt und übersetzt. Die Gedichte der Liebe, die in der Epoche Ramses‘ des Großen entstanden, waren intim, erotisch ungezwungen und leidenschaftlich religiös. Schrott macht diese Texte endlich wieder zugänglich, in einer ebenso bildhaften wie kraftvollen Sprache. Die Liebesgedichte aus dem Alten Ägypten sind ein weiterer Schritt zu den Ursprüngen der Menschheit und ihrer Poesie.

Handbuch der Wolkenputzerei

Essays, 2005
Hanser, ISBN: 978-3-446-20576-5
304 Seiten, €19,90

Raoul Schrott verfügt über „die wunderbare Kunst, sich in fremde Bilder- und Gedankenwelten einzufügen.“ (Jury Joseph-Breitbach-Preis 2004). Mit seinen Essays über Poetik und Literaturkritik, über das Verhältnis von Natur- und Geisteswissenschaften, über Religion und Sprache, Jazz und Kreativität führt er den Leser in das Handwerk des Dichters ein: Schreiben und Reisen, Lesen und Übersetzen. Zusammen mit dem Journal seiner Iran-Reise während des Afghanistankrieges zeigt sich der ganz reale Horizont des Weltreisenden Raoul Schrott.

Weißbuch

Gedichte, 2004
Hanser, ISBN: 978-3-446-20540-6
192 Seiten, €17,90

Nach „Hotels“ und „Tropen“ der neue große Gedichtband von Raoul Schrott: Gedichte über die Liebe. Eingetragen in ein Logbuch der Reisen zur See und zu Land und geschrieben in einer ebenso kunstvollen wie leichtfüßigen Sprache. Raoul Schrott zeigt, wie spannend und voller Geschichten Gedichte sein können. So dass man mit ihnen eine ganze Welt in der Tasche hat.

Tristan da Cunha oder Die Hälfte der Erde

Roman, 2003
Hanser, ISBN: 978-3-446-20355-6
720 Seiten, €25,90

Eine winzige Insel im Ozean als Brennpunkt der Sehnsucht von vier Menschen: drei Männer und eine Frau, deren Leben und Liebesgeschichten bestimmt werden von dem entlegensten Ort der Welt. Noomi Morholt, südafrikanische Wissenschaftlerin, Edwin Heron Dodgson, Priester und Bruder des berühmten Lewis Carroll; Christian Reval, Kartograph, und Mark Thompson, Briefmarkensammler: ein großer, vieldimensionaler Roman, eine zeitlose Geschichte unstillbarer Passionen und Obsessionen. Der Roman der Sehnsucht.

Khamsin

Erzählung und Essay, 2002
Fischer, ISBN: 978-3-10-073540-9
64 Seiten, €10,00

Raoul Schrott ist Dichter und Erzähler zugleich. Landschaften erkundet er nicht allein mit dem Blick und zu Fuß, sondern mit den Sprachen, denn in einem fremden Terrain weiß man schon mehr, wenn man die Namen der Winde und ihre Richtungen, des Sandes und seine Körnung kennt.
In der Erzählung wäre eine lose Ansammlung von Baracken in der Wüste die Rettung. Aber es sind 500 Kilometer bis dorthin über Sanddünen und Salzseen, unter nie nachlassender Sonne, mit einem gegen der Weite des Horizonts lächerlich geringen Wasservorrat. Für die Männer liegt „der Tod dicht unter der Haut“, und die einzige Zuflucht ist das Memorieren der Namen: s’hara, durch die Düne brechender roter Sand, der am Schluß fast alle begräbt. – Der Essay durchmißt dieses Terrain in Begleitung von Archäologen, die die Jahrtausende alten Wegmarken und Zeichen erkennen – die Wüste gibt ihre Namen zum zweiten Mal preis.

Das Geschlecht der Engel, der Himmel der Heiligen

2001
Hanser, ISBN: 978-3-446-20020-3
304 Seiten, €23,50

Raoul Schrotts Angelographie ist eine Sammlung verschmitzter Briefe über die Liebe, die himmlische und die irdische, Erotikon eines Flaneurs und dichterisches Bekenntnis zugleich. Über poetische Etymologien abgeleitet, erzählt sich so eine Geschichte jenes ewigen Begehrens, das die Engel von jeher verkörperten. Die Fragen nach ihrer Natur und ihrem Geschlecht, nach ihren Namen oder der Herkunft ihrer Flügel, alle finden in diesen Episteln eine Antwort – als augenzwinkernder Vorwand für eine Liebesgeschichte. Entstanden ist ein einzigartiger Dialog zwischen Literatur und Kunst: ein außergewöhnliches und selten schönes Buch über die Liebe.

Die Wüste Lop Nor

Novelle, 2000
Hanser, ISBN: 978-3-446-19921-7
128 Seiten, €13,90

Die Liebe führt Raoul Louper zu Elif, Francesca und Arlette und wieder von ihnen fort in andere Länder, auf andere Kontinente. Raoul Schrott hat eine Geschichte in hundert und einem Kapiteln geschrieben, eine Novelle, die von einem Mann und drei Frauen berichtet, von Reisen und der Begegnung mit dem Fremden.

Bakchen. Nach Euripides

Tragödie, 1999
Hanser, ISBN: 978-3-446-25159-5
112 Seiten, €13,90

Die Bakchen von Euripides, eine Tragödie von zeitloser Größe, immer wieder kommentiert, übersetzt und aufgeführt. Raoul Schrotts sprachlicher Virtuosität gelingt es, aus den Bakchen ohne vordergründige Aktualisierung ein Stück von heute zu machen: mitreißend und monumental, nah und fern zugleich.

Tropen

Lyrik, 1998
Hanser, ISBN: 978-3-446-19502-8
216 Seiten, €17,90

Die Zeit ist gegen die Lyrik? Raoul Schrott beweist das Gegenteil. Tropen sind Gedichte für Leser: neu und traditionsbewußt, gelehrt und respektlos, dem Exotischen so offen wie dem Allernächsten, der Wissenschaft ebenso wie der Natur. Gedichte auf der Höhe der Zeit.

Finis Terrae

Roman, 1995
Fischer, ISBN: 978-3-596-18389-0
272 Seiten, €9,95

Der Archäologe Ludwig Höhnel ist ein Enkel jenes Ritters von Höhnel, der im letzten Jahrhundert den Rudolfsee in Kenya entdeckt hat. Nach Schrott wächst Ludwig im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika auf und ist an paläontologischen Ausgrabungen am Rudolfsee beteiligt. Später geht er nach Frankreich, wo er das Logbuch eines antiken Kosmographen Pytheas von Massalia entdeckt und es auf seiner Reise an das Ende der Welt übersetzt.

Der Roman oszilliert zwischen utopischem Reisebericht und Briefroman, zwischen einem philosophischen Abriß und einem abgründigen Psychogramm.