Norbert Hummelt

Zu Gast in der Stadtbibliothek Bremen 2016
Zu Gast bei poetry on the road 2008
Bremer Netzresidenz 2007

Foto: Nadja Küchenmeister

Norbert Hummelt, geboren 1962 in Neuss, lebt als freier Schriftsteller in Berlin.
Seit 2005 ist er Herausgeber der Lyrikedition 2000. Zusammen mit Christoph Buchwald gab er außerdem das Jahrbuch der Lyrik 2006 heraus (S. Fischer, 2005). Er verfasste zahlreiche Essays und Radio-Features zur Geschichte der Dichtung, lehrte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und ist Redakteur der Zeitschrift TEXT+KRITIK. Er übertrug T.S. Eliots Gedichtzyklen „Das öde Land/The Waste Land“ und „Vier Quartette/Four Quartets“ neu ins Deutsche und ist Herausgeber der Gedichte von W.B. Yeats. Bei Luchterhand erschienen zuletzt der Essay „Wie Gedichte entstehen“ (mit Klaus Siblewski) und der Gedichtband „Pans Stunde“.

Für seine Gedichte wurde er vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Rolf-Dieter-Brinkmann-Preis der Stadt Köln (1996), dem Mondseer Lyrikpreis (1998), dem New York-Stipendium des Deutschen Literaturfonds (2001) und dem Niederrheinischen Literaturpreis (2007).


Bücher

Fegefeuer

Gedichte, 2016
Luchterhand Literaturverlag, ISBN: 978-3-630-87521-7
144 Seiten, €18,00

Und wenn man schläft, dann kommt der Traum.

In seinen neuen Gedichten beschwört Norbert Hummelt die inneren Nöte des Menschen und das Glück der Erlösung – ein elegischer Rückbezug auf Dantes zweites Jenseitsreich, das Fegefeuer. Pathosfern und gleichwohl berührend, taucht er ein in Kindheitserinnerungen, erleidet ein weiteres Mal Ängste, die bis heute nachwirken. Zugleich sind diese neuen Gedichte aber auch Meisterwerke von belebender, befreiender Kraft: In ihren treibenden Rhythmen beschwören sie die Freude der inneren Verwandlung und Augenblicke des Glücks. Emotional glaubwürdiger und literarisch überlegter schreibt heute niemand unter den deutschsprachigen Lyrikern.

Pans Stunde

Gedichte, 2011
Luchterhand Literaturverlag, ISBN: 978-3-630-87369-5
96 Seiten, €16,99

Pans Stunde bricht während der schwülen sommerlichen Mittagsstille an. Dann ruht der bocksbeinige Gott, und wer ihn stört, den versetzt er in Angst und »panischen« Schrecken. Dieser mythischen Stunde hat der Schriftsteller Norbert Hummelt seinen neuen Gedichtband gewidmet. In Versen lotet er die tiefe Spannung dieser Stunde aus, die von Trunkenheit und Erotik, von Schrecken und Glück, von Idylle und Dämonie gezeichnet ist.

Norbert Hummelts neue Gedichte umkreisen in immer neuen Variationen den Pan-Mythos. Das sind zum einen Gedichte, die von der Polarität zwischen Furcht und erotischer Anziehung durchzogen sind. Im Titelgedicht wird zwei Liebenden in der unheimlichen Stille eines Sommertags eine glückliche Stunde geschenkt. Sie durchwandern, ohne anzuhalten, die flirrende Landschaft und entgehen so der Gefahr, den Dämon aus seinem Schlaf zu reißen. Worauf Pan an seinem hellen Ort lauert, kann das Paar nur erahnen …

In anderen Gedichten, deren schwebend leichter Ton unverwechselbar und tief eindringlich ist, beschwört Norbert Hummelt die sinnlichen Schauplätze eines inneren Geschehens herauf, das zwischen Glücksverlangen und dem Wissen um Vergänglichkeit hin und her gerissen wird. Diese Spannung hat der Autor in stark bildhafte, klanglich genau komponierte und einen heimlichen Sog ausübende Gedichte verwandelt.

Wie Gedichte entstehen

Sachbuch, 2009
Luchterhand Literaturverlag, ISBN: 978-3-630-62166-1
272 Seiten, €9,00

Von der Einrichtung der Arbeitswerkstatt, den ersten poetischen Eingebungen über das Entwerfen und schließlich das Schreiben von Gedichten wird aus der Sicht des Autors Norbert Hummelt und der des Lektors Klaus Siblewski auf alle wichtigen Aspekte eingegangen, die beim Schreiben von Gedichten eine entscheidende Rolle spielen. Dieses Buch ist das erste in seiner Art zu einem Thema, das nicht nur Autoren interessiert, sondern alle Literatur- und Lyrikliebhaber.

Verfasst mit Klaus Siblewski.

Im stillen Haus - Wo Hermann Lenz in München schrieb

Biographisches, 2009
Allitera, ISBN: 978-3-86906-024-8
76 Seiten, €10,00

Hermann Lenz (1913-1998) ist vielen vor allem durch seinen neunbändigen Romanzyklus um sein Alter ego Eugen Rapp bekannt. Erst spät kam Lenz zu Anerkennung und Ruhm, wozu ihm auch Peter Handke 1973 durch einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung verhalf. 1978 erhielt Lenz den Georg-Büchner-Preis, die angesehenste Auszeichnung der Literaturbranche überhaupt. Auf die Spuren von Hermann Lenz begibt sich der Schriftsteller Norbert Hummelt. Er besucht das Haus im Münchner Stadtteil Schwabing, in dem Lenz mehr als zwanzig Jahre gelebt hat. Dort wohnt noch immer seine Frau Hanne Lenz. Bei Hummelts Hausbesuch und im Gespräch mit der sehr lebendigen und rüstigen Hausherrin lebt die Lenz’sche Welt wieder auf. Norbert Hummelt führt sehr kenntnisreich und einfühlsam in Leben und Werk von Hermann Lenz ein. Mit 24 Fotografien von Isolde Ohlbaum.

Das öde Land - T.S. Eliot

Neuübersetzung, 2008
Suhrkamp Verlag, ISBN: 978-3-518-42022-5
68 Seiten, €16,80

»Verschiedene Kritiker haben mir die Ehre angetan, das Gedicht als Kritik an der Gegenwart zu interpretieren, und haben sogar eine gehörige Portion Gesellschaftskritik hineingelesen. Für mich war es nur das Ventil für einen privaten und ganz belanglosen Grant gegen das Leben; es ist lediglich ein Stück rhythmischer Quengelei.« So wehrt ein Autor, ebenso verständlich wie unangemessen und vergebens, den Ruhm ab, mit dem er für eben dieses Gedicht, The Waste Land, überhäuft worden ist.

The Waste Land (erschienen 1922) ist das Langgedicht des 20. Jahrhunderts, jedenfalls das mit der größten Wirkung in der westlichen Welt. Ein Blick in Norbert Hummelts schwungvoll rhythmische, „direkte“ Neuübertragung und das Original macht ohne weiteres verständlich, warum.

Der puritanischen Traditionslinie der amerikanischen Literatur – über Emerson, Thoreau, Dickinson und Whitman – folgend, bezieht Eliots bewußt fragmentarisch gehaltenes Krisengedicht den Leser geradezu szenisch mit ein. Es läßt ihn mitarbeiten, innehalten, überlegen: Selbsterforschung – des Lesers mehr als des Sprechenden – ist gefragt. Auch dies hat Das öde Land über all die Jahre hinweg lebendig gehalten.

Totentanz

Gedichte, 2007
Luchterhand Literaturverlag, ISBN: 978-3-630-62109-8
112 Seiten, €7,00

Norbert Hummelts neue Gedichte erforschen die Schwellenzonen des Lebens, Kindheit und Tod und die ungesicherten Grenzen zwischen Schlaf und Wachen. Der Dichter wendet alte Motive der Kunst und Literatur neu ins Existentielle. Licht und Dunkel berühren und durchdringen einander, das Leben vor der Geburt und nach dem Tod kommt in den Blick, und untergründig wird die Frage nach Gott gestellt. Dabei sind Hummelts Gedichte von Erfahrung geleitet: Tod und Geburt geliebter Menschen, Ende und Anfang und ihre rätselhaften Verflechtungen sind die treibenden Motive.

Stille Quellen

Gedichte, 2004
Luchterhand Literaturverlag, ISBN: 978-3-630-62074-9
112 Seiten, €9,50

Mit seinem ersten Gedichtband in der Sammlung Luchterhand, Zeichen im Schnee, hat Norbert Hummelt unter Beweis gestellt, daß er eine ganz originäre Stimme in der deutschen Literatur ist. Ausgezeichnet mit dem Mondseer Lyrikpreis und mit dem Hermann Lenz-Förderpreis, hat er sich von so unterschiedlichen Dichtern wie Joseph von Eichendorff, Gottfried Benn und Ernst Jandl anregen lassen und kehrt zurück zu den stillen Quellen: zu seiner Herkunft und zu unseren Verstrickungen in die schwierige deutsche Geschichte. Ob Rückgriff auf die Tradition oder Fortsetzung experimentellen Schreibens – immer geht es ihm dabei um das Herstellen von Kunst. Die Bausteine dafür findet er in der Sprache.