Nis-Momme Stockmann

Foto: (c) privat

Zu Gast bei der Literarischen Woche 2017 in Bremen.
Zu Gast bei den Literarischen Wochen 2017 in Bremerhaven.

Nis-Momme Stockmann wurde 1981 auf Föhr geboren, studierte Sprache und Kultur Tibets in Hamburg, Medienwissenschaften im dänischen Odense. An die Universität der Künste Berlin studierte er später Szenisches Schreiben. Sein Stück «Der Mann, der die Welt aß» wurde beim Heidelberger Stückemarkt 2009 mit dem Hauptund Publikumspreis ausgezeichnet. Mit «Kein Schiff wird kommen» war er 2010 für den Mülheimer Dramatikerpreis nominiert. Das «Blaue Blaue Meer» erhielt eine Einladung zu den Autorentheatertagen 2010 am Deutschen Theater in Berlin, und in der Kritikerumfrage von Theater Heute war Stockmann «Nachwuchsdramatiker des Jahres 2010» . 2011 gewann er den Friedrich-Hebbel-Preis. Mit «Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in Mir» wurde er 2013 erneut für den Mülheimer Dramatikerpreis nominiert. 2014 gewann er den Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft, soeben den Hermann-Sudermann-Preis.


Bücher

Der Fuchs

Roman, 2016
Rowohlt, ISBN: 978-3-498-06153-1
720 Seiten, €24,95

Finn Schliemann rettet sich auf ein Dach, als die norddeutsche Kleinstadt Thule, in der er aufgewachsen ist, von einer gewaltigen Flut überrascht wird. Über den Trümmern seiner Heimat, unter einer gnadenlos brennenden Sonne und mit dem Lärm des sprudelnden Wassers im Ohr beschwört er die verdrängten Bilder seiner Kindheit herauf:
Finn hat einen toten Vater, einen behinderten Bruder und wenige Freunde. Einzig Tille, ein wachstumsgestörter Albino, Diego, ein fetter Junge, dem ein Zeh fehlt, und der für sein Alter riesige Baumann geben sich mit ihm ab. Als Finn eines Nachmittags in die Hände der örtlichen Rowdys zu geraten droht, tritt Katja auf den Plan und in sein Leben. Sie ist phantasievoll, selbstbewusst und mutig.
Die Geschichten, die sie sich ausdenkt und die die beiden in einem Buch festhalten, bereichern Finns Welt: Sie selbst sei Zeitreisende, Thule ein bedeutungsvoller mystischer Ort, eine Art Achse im Raum-Zeit-Gefüge, die von einer Gruppe von Männern – Agenten des «Büros» – überwacht werde, um den Verlauf der Geschichte gemäß einer geheimnisvollen Agenda zu gewährleisten. Doch was als Spiel beginnt, dringt immer tiefer in ihr Leben: Sie entdecken Symbole auf Wänden, im Dorf lebende Männer tauchen auf 100 Jahre alten Fotografien auf, und Finns sprachunfähiger Bruder formuliert orakelhafte Hinweise. Katja treibt dieses Spiel auf die Spitze und landet schließlich in der Psychiatrie. Finn zieht sich zurück. Erst Jahre später, auf dem Dach gestrandet, greift er ihre Geschichten wieder auf. Denn Katja hat diese Flut kommen sehen.