Marlis Thiel

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„Das zauberhafte Wort steht zufällig auch in Ihrem vorletzten Brief und weiß es nicht. Es ist dort verloren zwischen vielen andern und wird, fürchte ich, in unseren Briefen niemals zu dem Range kommen, den es verdient, denn ich spreche es zuerst auf keinen Fall aus und Sie werden es natürlich, selbst wenn Sie es erraten sollten, als erste nicht aussprechen. Vielleicht ist es gut so, denn den Eintritt der Wirkung jenes Wortes vorausgesetzt, würden Sie Dinge in mir finden, die Sie nicht leiden wollten und was sollte ich dann anfangen?“
Franz Kafka in: Briefe an Felice

Marlis Thiel, geb. 1950 in Grevesmühlen in der damaligen DDR, 1961 nach Niedersachsen umgezogen, in Hannover das Abitur gemacht, zu studieren angefangen (Theaterwissenschaft, Kunstgeschichte, Soziologie) in Göttingen, Berlin, zuletzt in Bremen, Examen gemacht (Dipl. Sozialwissenschaftlerin), Schriftstellerin geworden. 1998 Promotion mit einer Monographie über den Schriftsteller Klaus Mann, leider vergriffen.

2000 Autorenstipendium der Freien Hansestadt Bremen.

2006 Förderpreis der „Förderkreises deutscher Schriftsteller von Niedersachsen und Bremen“

Arbeitsschwerpunkte: Biographie, Dokumentation, Essay, Roman, Kurzgeschichte.
Seit 1990 Dozentin in der Erwachsenenbildung. 2001 erschien ihr erster Roman „Dieses Blaue des Himmels“. Der Titel ist inzwischen leider vergriffen.


Bücher

Der Kaufmann und das Meer

Roman, 2011
Donat Verlag, Bremen, ISBN: 978-3-938275-88-7
240 Seiten, €18,80

Ein absonderliches Paar, das eigentlich nicht zusammen passt: der Lyriker Gottfried Benn und der Bremer Kaufmann und Kunstmäzen Friedrich Wilhelm Oelze, seit Ende 1932 ständiger Briefpartner des Dichters – eine Beziehung, die in der Literaturgeschichte des
20. Jahrhunderts ihresgleichen sucht. Ihre Freundschaft lebt von Anziehung und Abstoßung, von Nähe und Distanz, vom Austausch und Wettstreit mit Goethezitaten, vom Geben und Nehmen. Beide Männer wollen gerettet werden – und sie retten sich. Ein
Märchen beinahe, das in ihrem Fall wahr wird.
Der Roman erzählt die Geschichte von Kunst und Kommerz, die sich nicht lieben, aber doch voneinander nicht lassen mögen. Der Leser wird in „gemischte Charaktere“ geführt – lebensprall in ihrer Individualität und in eine sprachliche Gestalt gefasst, die weit
über die Aufzeichnung von bloßen Psychogrammen hinausgeht und einer literarischen Tradition verpflichtet ist, wie man sie heute nur selten findet.

Vielleicht das Meer

Texte, 2005
Atlantik Verlag, Bremen, ISBN: 978-3926529855
89 Seiten, €10,80

Die Autorin beschreibt in einem außergewöhnlichen Sprachrhythmus anhand szenischer Annäherungen Leben und Werk der berühmten französischen Schriftstellerin Marguerite Duras (1914-96). In fünf erzählten Bildern streift sie immer wieder die dünne Scheidewand zwischen phantasievollem Aufleben und deprimierenden Abstürzen im Prozeß der schriftstellerischen Arbeit.
Ein Text um Fiktion und Wirklichkeit beim Schreiben, in dem die Protagonistin Duras ihre Figuren durch ihre Texte gehen sieht. »Sie schauen die Blumen nicht an. Sie schauen in die Ferne. Vielleicht sehen sie das Meer.«
Es geht um Liebe, Leben und Tod, aber vor allem um Not und Beglückung des Schreibens an sich und schließlich »das wunderbare Gefühl, ein Buch endlich in der Hand zu haben«.