Lizzie Doron

Foto: Heike Bogenberger

Zu Gast bei der globale° 2016
Trägerin des Jeanette-Schocken-Preises 2007

Lizzie Doron, geboren 1953, lebt in Tel Aviv. In ihrem autobiografischen Debütroman „Warum bist du nicht vor dem Krieg gekommen?“ (2004) erzählt sie vom Israel der Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Leben ihrer Mutter, einer Überlebenden des Holocaust. Das Werk gehört in Israel inzwischen zur Schullektüre. Ihr Roman „Ruhige Zeiten“ wurde 2005 mit dem von Yad Vashem vergebenen Buchman-Preis ausgezeichnet. 2007 erhielt Lizzie Doron den Jeanette Schocken Preis – Bremerhavener Bürgerpreis für Literatur. 2009 Premio Letterario ADEI-WIZO für „Warum bist Du nicht vor dem Krieg gekommen?“. 2015 erschien ihr Roman „Who the Fuck is Kafka“ bei dtv.


Bücher

Sweet Occupation

2017
dtv premium, ISBN: 978-3-423-26150-0
208 Seiten, €16,90

Fünf Männer in der Mitte ihres Lebens: Die verurteilten ehemaligen Terroristen Muhammad, Suleiman und Jamil aus den besetzten Gebieten sowie die Israelis Chen und Amil, die den Dienst an der Waffe verweigert haben. Männer, die im Gefängnis saßen und, nachdem sie wieder freikamen, die »Friedenskämpfer-Bewegung« gründeten, entschlossen, ihrem Leben eine entschieden andere Richtung zu geben. Muhammad nahm Kontakt zu Lizzie Doron auf, und so traf sie diese Männer: Feinde, Widersacher. Palästinenser, die die Juden töten wollten, und Israelis, die sich geweigert hatten, ihr Land zu verteidigen.

Ein Jahr lang hörte sie ihren Kindheitserinnerungen zu, lernte ihre Gefühle kennen, ihre Träume und Ängste, erfuhr von dem Moment, als sie anderen das Leben nahmen. Entstanden ist ein ergreifendes Dokument über einst Radikale, die dem sinnlosen Hass eine Perspektive entgegensetzen: Worte sind stärker als Molotowcocktails, Handgranaten oder Steine. Und Rettung bringen oft diejenigen, die nicht mit dem Strom schwimmen.

Who the Fuck is Kafka

Roman, 2015
dtv premium, ISBN: 978-3-423-26047-3
256 Seiten, €14,90

Zuerst: Ein Hotel in Rom. Eine israelischpalästinensische Konferenz: Aber ist der Mann, der mit Lizzie auf dem Podium sitzt, nicht vielleicht doch ein arabischer Selbstmordattentäter mit Sprengstoffgürtel? Nein, Nadim pflegt nur seine Reiseunterlagen mit schwarzem Klebeband am Hosenbund zu befestigen, und dafür gibt es Gründe …

Dann: High Heels in Ost-Jerusalem? Ein Palästinenser im vornehmen Tel Aviver Apartmentgebäude? Von Anfang an ist es eine wechselvolle Freundschaft, die sich zwischen der israelischen Schriftstellerin Lizzie Doron und dem arabisch-palästinensischen Journalisten Nadim entwickelt, begleitet von Vorurteilen und Unverständnis. Es gibt Grenzen der Verständigung. Lizzie hat den Holocaust im Gepäck, Nadim die Nakba – die große Katastrophe -, wie die Palästinenser die Folgen des 48er-Krieges nennen. Sie begreifen, dass sie dieselbe Irrenanstalt bewohnen, nur in verschiedenen geschlossenen Abteilungen. Nadims Frau ist aus Gaza, hat aber keinen Ort, an dem sie bleiben kann …

Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler.

Es war einmal eine Familie

Roman, 2009
Suhrkamp Verlag, ISBN: 978-3-633-54235-2
142 Seiten, €16,80

Tel Aviv, Anfang der neunziger Jahre: Helena, Elisabeths Mutter, ist gestorben. Während der Schiva, der sieben Trauertage, ist Elisabeth wieder in dem kleinen Viertel, in dem sie in den fünfziger und sechziger Jahren aufgewachsen ist, ein Viertel, in dem Überlebende der Shoah versuchten, sich ein neues Leben aufzubauen.

Übersetzt von Mirjam Pressler.

Der Anfang von etwas Schönem

Roman, 2007
Suhrkamp Verlag, ISBN: 978-3633542277
257 Seiten, €18,80

Dass am Ende einer Sendung im israelischen Rundfunk plötzlich ein „Schlager aus dem Lager“ gespielt wird, hat Folgen. Und eine Vorgeschichte: Die dafür verantwortliche Amalia Ben Ami ist mit dem Lied „Schweig still, mein Kind, hier wachsen Gräber“ aufgewachsen, ebenso Chesi und Gadi, die beiden Männer, die sie seit der gemeinsamen Kindheit in einem Tel Aviver Viertel lieben. Alle drei sind Kinder von Überlebenden der Shoah. Jetzt, vierzig Jahre später, führt dieses Lied Amalia und Chesi wieder zusammen. Der Roman von Lizzie Doron handelt vom Nach- und
Fortwirken der Vergangenheit in der zweiten Generation er erzählt mit abgründigem Humor und großem Augenmerk für den Aberwitz des Lebens die Geschichte von Amalia, Chesi und Gadi, die auch als Erwachsene der Geschichte ihrer Eltern nicht entkommen, ungeachtet, wie und wo sie ihr Glück suchen: in Israel, Europa oder den USA.

Übersetzt von Mirjam Pressler.

Das Schweigen meiner Mutter

Roman, 2001
dtv Taschenbuch, ISBN: 978-3-423-24895-2
212 Seiten, €14,90

Schmerzvoll und zugleich befreiend ist der Roman der Lizzie Doron. Er erzählt von der jahrzehntelangen Suche der kleinen Alisa nach ihrem Vater. Alisa lebt in den 50er Jahren als kleines Mädchen in Israel und fragt ihre Mutter beinah täglich nach ihrem Vater. Doch die Mutter schweigt.

Übersetzt von Mirjam Pressler.