Krimhild Stöver

„die fremd besetzte straße meines herkommens fuhr ich zurück und fand die kindheitshimmel niedrig und grau, aus bröckelnden ritzen verbliebener gemäuer rieb ich die reste meiner seifenblasenspiele, perlend, sehnsuchtsblau, danach aber nahm ich mit faltigen händen das helle lachen und schob es rücklings hastig in meine tasche.“

Krimhild Stöver, 1937 geboren im Ostseebad Cranz / ehemals Ostpreußen, jetzt Selenogradsk im Gebiet (Oblast) Kaliningrad(Russland), wohnt in Hude/Oldenburg. 35 Jahre im Schuldienst und an der hiesigen Volkshochschule tätig, Magister in Germanistik und Kunstwissenschaft. Herausgeberin zahlreicher Anthologien, beispielsweise über regionale Künstler und Autoren. 1999-2005 Landesvorsitzende des Freien Deutschen Autorenverbands Niedersachsen, 2005-2010 Gremienbeauftragte des FDA-Bundesverbands, 2010 Ehrenmitglied des FDA Niedersachsen. 1995 debütierte sie mit dem Lyrikband „Bis zur Neige Blatt um Blatt“, 2000 folgte „Nur eine Feder – Verloren im Flug“. Ihr zweiter Lyrikband ist inzwischen leider vergriffen.


Bücher

Leben und Wirken der Fanny Lewald

Sachbuch, 2008
Igel Verlag, ISBN: 978-3-89621-198-9
135 Seiten, €20,00

Fanny Lewald (1811-1889), Künstlerin, Einzelkämpferin, Leitfigur. Vor dem Hintergrund ihrer außergewöhnlichen Biographie und der intensiven zeitgenössischen Rezeption ist es durchaus verwunderlich, dass ihr Werk heute weitgehend vergessen ist. Fanny Lewald, Tochter eines jüdischen Kaufmanns, war nicht nur eine herausragende und charakterstarke Persönlichkeit, die mutig für ihre Interessen eintrat, sie gehörte auch zu den Wegbereitern der Emanzipation in einer Männerdomäne. Zentraler Wirkungsort war Berlin. Es gelang ihr trotz heftiger äußerer Widerstände, sich als Schriftstellerin und Salonnière eine Plattform für politisches Handeln zu errichten und ein weibliches Pendant zu den männlichen Machtinstitutionen aufzubauen. Gleichzeitig bewahrte sie sich jedoch ihre Weiblichkeit, verzichtete auf ein der damaligen Mode entsprechendes männliches Pseudonym und fand sogar in der Ehe, die von vielen Feministinnen um jeden Preis gemieden wurde, ein Gefühl von Freiheit und Geborgenheit. Durch ihre gesellschaftliche und künstlerische Stellung kam sie in Verbindung mit vielen renommierten Schriftstellern wie Heinrich Heine, Gottfried Keller oder Theodor Fontane.

Bis zur Neige Blatt um Blatt

Lyrik, 1995
Isensee Verlag, ISBN: 978-3895983085
45 Seiten, €7,00

Zwischenzeilen bilden die Übergänge zu den Gedichten von sechs oder acht Versen; sie heißen beispielsweise „Mein Ohr lauscht dem Strom deiner Säfte“ oder „Hinter dünnen Wänden flüstern ängstliche Gefährten“. Geräusche und Gefühle werden spürbar, Bäume sind Mütter, Lachen geht durch den Wald, Vogelruf und Mördergekeuch, beide vermischen sich mit Gedanken an Wladimir Korolenko.