Jürgen Dierking

Foto: Johann Peter Eickhorst

Jürgen Dierking, Jahrgang 1946, stammt aus Bremen, wo er Kindheit wie Jugend verbrachte und seit 1979 wieder lebte. Nach dem Zivilen Ersatzdienst in Tübingen studierte er dort Germanistik, Geschichte und Philosophie (1966-69). In München drehte er (mit zwei Freunden) einen einstündigen Autorenfilm und eignete sich in den vielen Kinos der Stadt gründliche Kenntnisse der Filmgeschichte an. Zugleich war er, die Philosophie beibehaltend, für Anglistik (bei Christian Enzensberger) und Romanistik immatrikuliert (1969-71) – Studien, die er, um Pädagogik erweitert, in Hamburg abschloss, wo er zudem (1974-79) an einer Privatschule unterrichtete. Zurück in Bremen, wurde er für einige Jahre wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem Forschungsprojekt und Lehrbeauftragter für US-amerikanische Literatur an der Universität. Die geplante Promotion über Sherwood Anderson, dem schon seine Examensarbeit gegolten hatte, zerschlug sich. Statt dessen hörte er zunächst, als Gast, sechs Semester Musikgeschichte am Bremer Konservatorium bei Nico(las) Schalz. Als (ABM-) Kulturpädagoge recherchierte er dann zur Geschichte des Bremer Literaturpreises (1984-86) und gestaltete das Literaturprogramm der „Breminale“ (1987-92), bevor er nachhaltig das Profil des Bremer Literaturkontors prägte (1992-2006). Ebenso lange war er Redakteur und schließlich Mitherausgeber von STINT – Zeitschrift für Literatur, lieferte aber immer wieder auch Arbeiten für die horen (von Band 149 / 1988 bis Band 259 / 2015).
Den „ÜbersetzerInnen-Treff Bremen & umzu“ rief er 1994 ins Leben, und im Jahr darauf initiierte er die Friedo-Lampe-Gesellschaft (1995-2012), der er mehrfach vorsaß. Er gehörte (1996 und ’97 in Berlin) zu den Anregern des DÜF (Deutscher Übersetzerfonds) und war 2004 Mitglied im Gründungsvorstand des (virtuellen) Bremer Literaturhauses.

Viele Jahre gestaltete Jürgen Dierking zwei Lesereihen im Bremer Presseclub: „660 Jahre europäische Prosa“ und „West-Östlicher/Nord-Südlicher Diwan“.

Als (Co-) Autor von Radio-Features, Aufsätzen, Vor- oder Nachworten, Lexikon- wie Zeitungsartikeln; als (Mit-) Herausgeber; und vornehmlich als Übersetzer hat er ältere Schriftsteller wiederentdeckt (Sherwood Anderson; Karl Lerbs, Josef Kastein, vor allem aber Friedo Lampe) und zeitgenössische Autoren unserem Sprachraum allererst zugänglich gemacht (Tom Waits, Sujata Bhatt und Charles Baxter). Überdies genoß er einen sehr guten Ruf als Vorleser.

Jürgen Dierking starb 2016 in Bremen.


Veröffentlichungen – als Übersetzer (Auswahl):

Charles Baxter: „Schattenspiel“, aus dem amerikanischen Englisch von Jürgen Dierking (Bremen, Hamburg: Achilla Presse, 1999)

Sujata Bhatt: „Nothing Is Black, Really Nothing“, Gedichte zweisprachig. Aus dem Englischen von Jürgen Dierking. Mit einem Nachwort von Adam Zagajewski (Hannover: Wehrhahn, 1998).

Sherwood Anderson / Gertrude Stein: „Briefwechsel und ausgewählte Essays“, hrsg. von Ray Lewis White. Aus dem amerikanischen Englisch von Jürgen Dierking (Frankfurt/M.: Suhrkamp – BS 874 -, ²1998; 1985).

Sherwood Anderson: „Das triumphierende Ei“, Erzählungen und Gedichte. Hrsg. und aus dem amerikanischen Englisch von Jürgen Dierking (Hamburg, Bremen: Achilla Presse, 1997).

Sherwood Anderson: „Pferde und Männer“, Erzählungen. Hrsg. und aus dem amerikanischen Englisch von Jürgen Dierking (Hamburg, Bremen: Achilla Presse, 1996).

Tom Waits: „Wilde Jahre“, Neue Texte. Aus dem Amerikanischen von Jürgen Dierking und Clive Gray (Hofheim: Wolke Verlag, 1987)

Veröffentlichungen – als Herausgeber (Auswahl):

Josef Kastein: „Was es heißt, Jude zu sein“ Mosaiken, hrsg. und mit einem Vorwort von Jürgen Dierking und Johann-Günther König (Bremen: Edition Temmen, ²2005)

Friedo Lampe: „Septembergewitter“, hrsg. und mit einem Nachwort von Jürgen Dierking (München: dtv, 2004; Göttingen: Wallstein, 2001).

Josef Kastein: „Melchior. Ein hanseatischer Kaufmannsroman“, hrsg. und mit einem Nachwort von Jürgen Dierking und Johann-Günther König (Bremen: Döll, 1997).

Sherwood Anderson: „Erzähler des amerikanischen Traums“, hrsg. von Jürgen Dierking (Hamburg, Berlin: Argument – „Gulliver“ Nr. 28 -, 1990).

Sherwood Anderson: „Dunkles Lachen“. Aus dem Amerikanischen von Helene Henze. Hrsg. und mit einem Nachwort von Jürgen Dierking (Köln: Kiepenheuer & Witsch – KiWi 127 -, 1987).

Veröffentlichungen – als Autor (Auswahl):

„Ein Autor wird wiederentdeckt: Friedo Lampe 1899-1945“, mit Beiträgen von Jürgen Dierking, Elisabeth Emter, Johannes Graf und Johann-Günther König (Göttingen: Wallstein, 1999).

„Friedo Lampe (1899-1945). Leben und Werk eines bremischen Schriftstellers“, mit Beiträgen von Jürgen Dierking, Elisabeth Emter und Johannes Graf (Hamburg, Bremen: Achilla Presse, 1995)

„Literaturszene Bremen, Bremerhaven & umzu“, mit Beiträgen von Jürgen Dierking, Klaus Kellner und Edith Laudowicz (Bremen: SachBuchVerlag Kellner, 1993).