Jan Koneffke

Foto: Reinhard Öhner, Wien

Jan Koneffke, geboren 1960 in Darmstadt, studierte und arbeitete ab 1981 in Berlin. Nach seinem Villa-Massimo-Stipendium 1995 lebte er für weitere sieben Jahre in Rom und pendelt heute zwischen Wien, Bukarest und dem Karpatenort Maneciu. Jan Koneffke schreibt Romane, Lyrik, Kinderbücher, Essays und übersetzt aus dem Italienischen und Rumänischen. Er wurde mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet, zuletzt dem Usedomer Literaturpreis 2013 und dem Uwe-Johnson-Preis 2016.


Bücher

Ein Sonntagskind

Roman, 2015
Galiani Berlin, ISBN: 978-3-462-30975-1
592 Seiten, €21,99

Winter 1944/45: Um seinen unreifen Sohn Konrad vor den Werbern der SS zu retten, drängt dessen Nazi-skeptischer Vater ihn, freiwillig Reserveoffizier bei der Wehrmacht zu werden. Hitlerjunge Konrad graut es zwar vor Kampfeinsätzen, zugleich ist er aber über den mangelnden Patriotismus des Vaters entsetzt und überlegt ernsthaft, ihn anzuzeigen.
Der Krieg macht durch Zufälle aus dem Feigling einen Helden, er bekommt sogar das Eiserne Kreuz Erster Klasse. Prahlend berichtet er darüber in Briefen an ferne Kameraden.
Nach dem Kriegsende jedoch sieht die Welt anders aus. Der vorher verachtete Vater wird zum Leitstern. Konrad schämt sich zutiefst für seine Kriegstaten und verschweigt sie hartnäckig. Konrad gerät in Frankfurt, inzwischen Professor, ins linke Milieu – und mitten in die Wirren der Studentenbewegung.
Erst sein Sohn wird die prahlenden Jugendbriefe seines Vaters finden – und darin einen Menschen, den er nicht kennt und dessen wahre Identität er rekonstruieren will.

Die sieben Leben des Felix Kannmacher

Roman, 2011
DuMont, ISBN: 978-3-8321-9585-4
510 Seiten, €19,99

In einer Zeit, in der niemand sicher sein kann, wen er vor sich hat, ist sich der Held dieses Romans nicht sicher, wer er selbst ist: Felix Kannmacher oder Johann Gottwald.
Im Herbst 1934 wird Felix Kannmacher vom Pianisten Victor Marcu aus dem Deutschen Reich geschmuggelt und erhält in Bukarest eine neue Identität. Als Johann Gottwald wird er die ›Kinderfrau‹ von Marcus Tochter Virginia, bei der er sich schnell als großer Geschichtenerzähler beliebt macht. Als die Freundschaft zwischen beiden enger wird, entlässt ihn der eifersüchtige Vater, und plötzlich ist Kannmacher ganz allein in einem fremden Land. Und so schlägt er sich unter falschem Namen durch: als Kellner im größten Kasino von Bukarest, er arbeitet als Sekretär für die Nazis und versteckt sich in einem Kloster im Karpatenland. Doch in jeder Identität, die sein Schicksal ihm gerade aufbürdet, immer bleibt die Verbindung zwischen ihm und Virginia bestehen, die bald zu einer berühmten Schauspielerin heranwächst.

Was rauchte ich Schwaden zum Mond

Gedichtband, 2001
DuMont, ISBN: 978-3-8321-5218-5
90 Seiten, €17,80

In Jan Koneffkes Gedichtbuch „Was rauchte ich Schwaden zum Mond“ wird die Paradiesmauer zur ehemaligen Grenze zwischen Ost und West, der Mond zum „gelben Magneten“, stehen „herrenlose Hosen“ beim Freudenhaus an und rollen die Karossen der Traumzensur durch die „lange rumorende Nacht“. In temporeichen freien Versen und liedhaften Strophen erzählen Jan Koneffkes Gedichte, mal sarkastisch, mal salopp, mal lakonisch und rebellisch verzweifelt, von einer bodenlosen Welt, in der das lyrische Ich traumtänzerisch über Abgründe balanciert, sofern es sich nicht selbst zum Abgrund wird: „aufmerksam, aufmerksam brachten mich zwei Polizisten / heim wo ich mir / begegnete der / Schwaden zum Mond rauchte bis er / elendig gelb war“.

Veranstaltungen

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Literarische Wochen Bremerhaven 2018: Jan Koneffke

Jan Koneffke liest aus seinem Roman „Ein Sonntagskind“. Im Anschluss an die Lesung gibt es „Drei Fragen an den Autor“ gestellt von Dorothee Starke, Leiterin des Kulturamtes Bremerhaven.

Zum Buch: Nach dem Tod des linksliberalen Philosophieprofessors Konrad Kannmacher finden sich dessen Landser-Briefe aus der Zeit des 2. Weltkriegs. Sein Sohn begegnet darin einem Menschen, den er nicht kennt. Einem Menschen, der seinen Nazi-kritischen Vater anzeigen will, weil er ihm zur Fahnenflucht rät. Durch eine Verkettung von Zufällen wird aus Konrad Kannmacher ein Held, der das Eiserne Kreuz Erster Klasse bekommt. Prahlend berichtet er darüber in Briefen an ferne Kameraden. Nach dem Kriegsende jedoch hat sich die Welt in eine andere Richtung gedreht. Der vorher verachtete Vater wird zum moralischen Leitstern. Konrad schämt sich zutiefst für seine Kriegstaten und verschweigt sie hartnäckig, erst recht als er – aufgefordert von einem ehemaligen Widerständler – Philosophiedozent wird, Schwerpunkt Ethik.


Vorverkauf: 8€/ermäßigt 7€, Abendkasse: 8,50€/ermäßigt 7,50€

Eine Veranstaltung der Volkshochschule Bremerhaven

Veranstaltungsdetails

Datum und Uhrzeit
Daten: 22.02.2018
19:30

Ort
Volkshochschule Bremerhaven

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