Inge Buck

„Denn das Gestaltete kann nicht gelebt werden, wenn das Zerfallene nicht eingesammelt und mitgenommen wird.“ (Siegfried Kracauer in: Gestalt und Zerfall 1925)

Ein Motto meiner literarischen und journalistischen Arbeit.

Lissabon

Diese weiße Wolke
über den Hügeln
Über der Hoffnung
aufzubrechen
um dazubleiben

Oder wiederzukommen
in diese alternde Stadt
die ihre Wunden
nicht verdeckt

Die den Zerfall ihrer Schönheit
mit blauen Azulejos
schmückt

Aus: Inge Buck, Orte . Blicke, Lyrik Prosa. Bremen 2003

Foto: Julia Baier

Richter:
Also, die Verführbarkeit ist natürlich groß. Früher, als es nur die Tante-Emma-Läden gab, und das Ganze nicht anonym war, sondern man kannte einander, da waren sicherlich höhere Barrieren zu überwinden.
Heute geht man anonym in einen Selbstbedienungsladen, ein Kaufhaus, Supermarkt, man braucht bloß zuzugreifen, und es besteht ja auch nicht das Bewusstsein, dass man eine konkrete Person schädigt, das ist ja hier nicht der Fall, das sind große Unternehmen.

Es wird eigentlich alles gestohlen, was nicht niet- und nagelfest ist. Hochwertige elektronische Geräte, wobei es da ja sehr schwierig geworden ist, weil die Sicherheitsvorkehrungen doch sehr gut sind und man kaum die Gegenstände herausbekommt aus dem Sicherheitsbereich.
Es gibt ja die sogenannten Diebstahlsschürzen, die werden von Frauen getragen, unter den Rock gehängt, diese Schürze ist dann zwischen den Beinen und in dieser Schürze kann man alles Mögliche verstecken. Ich glaube sogar, mich erinnern zu können, dass ich mal eine Angeklagte hatte, die einen kleinen Fernseher in einer Schürze davon trug. Es gibt schon auch skurrile Dinge.

Inge Buck
LADENDIEBSTAHL oder DIE VERFÜHRBARKEIT

Auszug aus dem
Originalton – Feature
Nordwestradio 08. Oktober 2005
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Inge Buck wurde in Tübingen geboren. Studium der Literatur- und Theaterwissenschaft, Psychologie und Publizistik in Tübingen, München und Wien. Dr. phil. Sie arbeitete als Redakteurin beim Deutschlandfunk, Köln und als Kulturwissenschaftlerin an der Hochschule Bremen.
Derzeit lebt und arbeitet Inge Buck als Autorin und Journalistin in Bremen.
Arbeitsgebiete: Lyrik, Edition, Hörfunk-Features und Hörbilder, Biographie, Literaturkritik, Edition und Dokumentarfilm.

Auszeichnungen und Stipendien:

1991 Bremer Förderpreis für Dokumentarfilm
1995 Robert-Geisendörfer-Preis
2001 Stipendium der Stadt Amsterdam

VERÖFFENTLICHUNGEN (Auswahl Hörfunk)

„ICH HABE EINE LANDKARTE IM KOPF“
und andere Hörbilder. Beiträge zur Kulturgeschichte im Radio.
edition lumière 2005.

„BRUDER SCHWEIN, SCHWESTER KUH“.
Von der Tiersegnung zur Tierbefreiung. Feature.
Radio Bremen 2004.

„KRÄUTERSCHMALZ VOM KLOSTERSCHWEIN“.
Was Leib und Seele zusammenhält. Feature.
Radio Bremen 2003.

„WEGEN PERSONENSCHADENS“.
Oder: Was zu tun bleibt nach einem Bahnsuizid. Hörbild.
Radio Bremen 2002.

„ICH HABE EINE LANDKARTE IM KOPF“.
Gespräche mit Blinden. Hörbild.
Radio Bremen 2001.

„ENGEL GIBT’S DIE?“
Alltagserfahrungen und Legenden. Hörbild.
Radio Bremen 2000.

„NACH DEM LEBEN GEMAHLET UND SELBST AUFS KUPFER GEBRACHT“.
Die Metamorphosen der Maria Sibylla Merian (1647 – 1717).
Literatur-Feature.
Radio Bremen 2000.

„UNTER DEM SCHUTT DIE MENORA“.
Jüdische Museen in Deutschland. Hörbild.
Radio Bremen 2000,
Norddeutscher Rundfunk 2001.

„DENN DER STEIN IST FÜR EWIG“.
Die Geschichte des jüdischen Friedhofes in Bremen. Hörbild.
Radio Bremen 1999.

„SEELE VERGISS SIE NICHT“.
Warum Menschen auf den Friedhof gehen. Hörbild.
Radio Bremen 1998,
Saarländischer Rundfunk 1999, Westdeutscher Rundfunk 1999.

„DIE SCHÖNHEIT DES PFUINANZTHEATERS“.
Alfred Jarrys Inszenierungen des Absurden.Literatur- Feature.
Radio Bremen 1996.

„FRIEDE DEN HÜTTEN.“
Die wechselvolle Geschichte der Bremer Kleingärten. Feature.
Radio Bremen 1995.

NIRMALA ATAIE.
Die Geschichte einer Bluttat (mit Barbara Debus). Feature.
Koproduktion Radio Bremen, Deutschlandfunk, Mitteldeutscher Rundfunk 1993.

WIR SIND AM LEBEN GEBLIEBEN.
Lebensgeschichte als Zeitgeschichte: Käthe Popall. Radio-Biografie.
Radio Bremen 1992.

DAS PFANDLEIHHAUS.
Hörbild.
Radio Bremen 1987.

ICH LEBE – ICH LEBE.
Biografie als Zeitgeschichte: Lina Haag. Radio-Biografie.
Radio Bremen 1984.

ICH HABE ALLES GESEHEN.
Zu den Überlebensberichten und zum Leben von Krystyna Zywulska. Radio-Biografie.
Radio Bremen, Deutschlandfunk 1983.

ES WAREN JA NUR MÖRDERINNEN.
Käthe Popall über ihre Haftzeit in NS-Frauenzuchthäusern. Feature.
Deutschlandfunk, Radio Bremen 1983.

AM ABEND RUHM, AM TAGE TRÄNEN.
Wenn Schauspielerinnen über die Kunst und ihr Leben schreiben. Literatur-Feature.
Deutschlandfunk, Radio Bremen. 1981.

ABGESCHOBEN.
Frauen in der Psychiatrie. Originalton-Dokumentation.
Radio Bremen 1979.

ICH HABE ANGST VORM RAUSKOMMEN.
Frauen im Gefängnis. Originalton-Dokumentation.
Radio Bremen 1977.

UNTER AUFSICHT.
Aufzeichnungen aus dem Gefängnis. Literatur-Feature.
Deutschlandfunk 1972.

REDAKTEURE HINTER GITTERN.
Gefängniszeitungen in bundesdeutschen Strafanstalten. Feature.
Deutschlandfunk 1972.

http://www.ingebuck.de/


Bücher

Aus dem Gepäck der Kriegskinder

Gedichte & Prosatexte, 2015
Edition Falkenberg, ISBN: 9783954940752
160 Seiten, € 14,90

Wenn »Kriegskinder« über den Krieg schreiben, schreiben sie über das Kind, das sie waren, aus dem Blickwinkel des Kindes mit dem Wissen von heute. Eingebrannte Bilder kommen nach über 70 Jahren zur Sprache. Eine Gratwanderung zwischen Erzähltem und Nicht-Erzählbarem, zwischen Lebensgeschichte und Zeitgeschichte, zwischen Schweigen und Schreiben in Gedichten und Prosatexten, die in diesem ungewöhnlichen Band versammelt sind. Neben der Herausgeberin Inge Buck, haben auch Mathias Groll, Lisa Helms, Siegfried Marquardt, Christine Mattner, Hartwig Struckmeyer, Karl-Heinz Tauss und Ursula Ziebarth Literarisches zu dem Buch beigesteuert.

Unter dem Schnee

Gedichte, 2015
Sujet Verlag, ISBN: 978-3-944201-44-3
106 Seiten, € 14,80

Gedichte von Inge Buck Collagen von Monica Schefold

„Unter dem Schnee die Toten / und das Gras vom Vorjahr“: in dem neuen Gedichtband der Lyrikerin Inge Buck geht es um Zeit: um Jahreszeiten und Lebenszeit und die Aufbewahrung von Vergessenem in einem Gedicht. Und es geht um Sprache: um die Sprache der Natur und die Sprache der Bücher. In dem deutsch-persischen Lyrikband in der Übersetzung von Madjid Mohit wird ein Bogen gespannt zwischen den Kulturen, zwischen Orient und Okzident, entsteht ein Dialog zwischen Sprachräumen und Lebensgeschichten, wird die Übersetzbarkeit lyrischer Bilder, Rhythmen und Metaphern ausgelotet. Und es entsteht ein Dialog zwischen den Medien Text und Bild, den Gedichten von Inge Buck und den Collagen von Monica Schefold.

Kardendistel

Lyrik und Prosa, 2012
Donat Verlag, Bremen, ISBN: 978-3-938275-99-3
72 Seiten, € 10,00

Die Kardendistel wächst auf steinigem Boden, auf Wegen und Schutthalden, in einer Landschaft von karger Schönheit, wo die Zeit still zu stehen scheint, die Luft von durchsichtiger Klarheit ist. In den Bildern einer Landschaft fließen Vergangenheit und Gegenwart ineinander, wie in den Landschaftsbildern und Handschriften im Museum. In „Kardendistel“ verbinden sich Wahrgenommenes und Erinnertes, Innenwelt und Außenwelt, Alltag und Geschichte zu einer poetischen Einheit von eindringlicher Schönheit.

DerElefant!

Bilder-Gedichte-Dokumente, 2010
Sujet Verlag, Bremen, ISBN: 978-3-933995-49-0
80 Seiten, € 18,00

„Die meisten Menschen in Bremen kennen DEN Elefanten. Hinter dem Bahnhof, neben der Stadthalle, gegenüber vom Hermann-Böse-Gymnasium steht er in einem kleinen Park, ist Treffpunkt der Schüler, der Obdachlosen, der Punks, der Verliebten oder der zur Osterwiese wie zum Freimarkt Verabredeten. Bei Wind und Wetter steht er da, steht erstarrt zu einem Zeichen, aber wofür? Dieses Buch gibt eine erste Auskunft über die Geschichte des 77-jährigen Dickhäuters, der als Zeichen mit wechselnder Bedeutung steht. 1932 bei seiner Einweihung war der Elefant Reichskolonial-Ehrenmal. Am 13. Oktober 1987 wurde er in ein ‚Anti-Kolonial-Denk-Mal‘ umgewidmet und im Jahr 2009 zum Zeichen und Ort für Vielfalt, Toleranz und Kreativität. Über diesen Bedeutungswandel berichtet dieses Buch. Es basiert auf dem ungewöhnlichen Konzept, Brücken zu schlagen zwischen Kunst und Wissenschaft, zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Gefühl und Information, zwischen Bild und Wort.“ (Dr. Rainer Bessling)

Märzlicht

Gedichte, 2010
Sujet Verlag, Bremen, ISBN: 978-3933995483
72 Seiten, € 12,80

mit Collagen von Monica Schefold

Jahreszeiten und Nachtbilder, Traumlandschaften und Reisebilder, Gebirge und Ebenen, Landschaften der Erinnerung und Bilder im Museum. Und immer ist es der Wind, der über die Landschaft fegt, ist es das Licht, das einer Landschaft Farbe gibt im Wechsel der Jahreszeiten, ist es die Lautlosigkeit, in der man wieder zu hören beginnt. In der Korrespondenz zwischen den Collagen und Gedichten öffnen sich neue Dimensionen der Wahrnehmung.

strand:GUT

2009
Sujet Verlag, Bremen, ISBN: 978-3-933995-35-3
48 Seiten, € 20,00

„strand:GUT“ ist ein multimediales Projekt, das dem Thema „Transformation“ gewidmet ist: Michael Weisser hat über Jahre hinweg die anonymen Objekte im Sand der Strände fotografiert und bildnerisch digital abstrahiert und Inge Buck hat sich von diesen Bildern zu prägnanten Gedichten inspirieren lassen. Ort des Geschehens ist der schmale Grat zwischen Meer und Land.

An diesem Tag

Gedichte, 2006
Sujet-Verlag Bremen, ISBN: 978-3933995223
64 Seiten, € 16,80

An diesem Tag geschehen ungewöhnliche Dinge – an diesem Tag „umarmte ich das Meer“, an diesem Tag wirft Kafkas Schatten seinen Schatten auf eine Prager Gasse, an diesem Tag sitzt ein Mann mitten im Krieg auf der kriegsabgewandten Seite des Erdballs und angelt. Eine Poetin, die in wenigen Zeilen ihren eigenen Kosmos gestaltet.

Natur, Verfall, Krieg, Tod, Liebe – das sind die Themen, mit denen sich Lyrik immer wieder auseinandersetzt, aber wie Inge Buck hier die Sprache verkürzt zu Bildern, wie sie Geschichten komprimiert in Wörter, das ist oft überraschend, manchmal komisch, manchmal anrührend, manchmal lakonisch, nie sentimental. Es sind Geschichten hinter der Geschichte.

Die Zeichnungen zu diesen Gedichten hat die ebenfalls in Bremen lebende armenische Künstlerin Marietta Armena am Computer fabuliert. Es entstehen neue Geschichten aus den Geschichten hinter den Geschichten.

Hier begegnen sich zwei Künstlerinnen, die sich – zweidimensional sozusagen – glücklich ergänzen, und die doch in dieser Zusammenarbeit jede ihre ganz eigene Form bewahren.

Veranstaltungen

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Lesung: „Aus dem Gepäck der Kriegskinder im Zweiten Weltkrieg“

„Aus dem Gepäck der Kriegskinder im Zweiten Weltkrieg – aufgeschrieben und aufbewahrt in  Gedichten und Prosatexten“

kriegskinderZum Buch: Wenn „Kriegskinder“ über den Krieg schreiben, schreiben sie über das Kind, das sie waren, aus dem Blickwinkel des Kindes mit dem Wissen von heute. Eingebrannte Bilder kommen nach über 70 Jahren zur Sprache. Eine Gratwanderung zwischen Erzähltem und Nicht-Erzählbarem, zwischen Lebensgeschichte und Zeitgeschichte, zwischen Schweigen und Schreiben in Gedichten und Prosatexten, die in diesem ungewöhnlichen Band versammelt sind.

Es lesen:
Inge Buck (Hrsg.), Mathias Groll, Siegfried Marquardt, Hartwig Struckmeyer, Karl-Heinz Tauss und Ursula Ziebarth.

Die musikalische Begleitung übernimmt Thorsten Jüttner, Gitarre.


In Kooperation mit der Worpsweder Kunsthalle Netzel und der Edition Falkenberg.

 

Veranstaltungsdetails

Datum und Uhrzeit
Daten: 09.06.2016
19:30

Ort
Worpsweder Kunsthalle Netzel

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