Ilija Trojanow

Foto: Thomas Dorn
Zu Gast in Bremen bei der LiteraTour Nord 2015/16
Zu Gast bei der globale° 2017.

Ilija Trojanow wurde 1965 in Sofia geboren. Er entstammt einer bulgarischen Familie, die 1971 über Jugoslawien und Italien in die Bundesrepublik Deutschland floh, wo sie politisches Asyl erhielt. 1972 zog die Familie weiter nach Kenia, wo der Vater eine Anstellung als Ingenieur erhalten hatte. Unterbrochen von einem Deutschlandaufenthalt in den Jahren 1977 bis 1981 lebte Ilija Trojanow bis 1984 in Nairobi. Dort besuchte er eine deutschsprachige Schule, die er mit der Reifeprüfung abschloss. Danach folgte ein Aufenthalt in Paris, und von 1985 bis 1989 studierte er an der Universität München Rechtswissenschaften und Ethnologie. Nachdem er dieses Studium abgebrochen hatte, gründete er 1989 in München den Kyrill-und-Method-Verlag, 1992 den Marino-Verlag, die beide auf afrikanische Literatur spezialisiert waren. 1998 zog Trojanow nach Bombay, 2003 nach Kapstadt, heute lebt er, wenn er nicht reist, in Wien.

Trojanow verfasste in den Neunzigerjahren einige Sachbücher und Reiseführer über Afrika, er gab eine Anthologie mit afrikanischer Gegenwartsliteratur heraus und übersetzte afrikanische Autoren. 1996 erschien sein erster eigener Roman Die Welt ist groß und Rettung lauert überall, in dem er die Erfahrungen seiner Familie als politische Flüchtlinge und Asylanten verarbeitete. Es folgten der Science-Fiction-Roman „Autopol“, der als „novel in progress“ im Internet entstanden war, mit „Hundezeiten“ ein Reisebericht über ein Wiedersehen mit der bulgarischen Heimat sowie Bücher über Trojanows indische Erfahrungen. In der Reportage „Zu den heiligen Quellen des Islam“ beschrieb er seine Pilgerreise nach Mekka.

Ilija Trojanow ist seit 2002 Mitglied des PEN-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland. Im März 2006 erschien sein umfangreicher Roman Der Weltensammler, der den Preis der Leipziger Buchmesse erhielt und monatelang auf den Bestsellerlisten in Deutschland, Schweiz und Österreich stand. Seit 2008 ist Trojanow Herausgeber der Reihe Weltlese – Lesereisen ins Unbekannte, und sitzt der Jury der Weltempfänger-Bestenliste vor, einem Projekt, das zusammen mit litprom (Gesellschaft zur Förderung von Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V.) initiiert hat.

Trojanow wurde mit zahlreichen Literaturpreisen geehrt, darunter dem Bertelsmann-Literaturpreis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 1995, dem Marburger Literaturpreis 1996, dem Adalbert-von-Chamisso-Preis 2000, dem Berliner Literaturpreis 2007, dem Mainzer Stadtschreiberpreis 2007, dem Preis der Literaturhäuser (2009), dem Würth-Preis für Europäische Literatur (2010) und dem Carl-Amery-Literaturpreis (2011). Für Macht und Widerstand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises (2015).

http://www.trojanow.de/


Bücher

Nach der Flucht

Essay, 2017
S. Fischer, ISBN: 978-3-10-397296-2
128 Seiten, €14,00

»Es gibt ein Leben nach der Flucht, doch die Flucht wirkt fort, ein Leben lang.« Ilija Trojanow ist als Kind zusammen mit seiner Familie aus Bulgarien geflohen, eine Erfahrung, die ihn bis heute nicht mehr los lässt. Virtuos, poetisch und klug reflektierend erzählt Ilija Trojanow von seinen eigenen Prägungen als lebenslang Geflüchteter. Von der Einsamkeit, die das Anderssein für den Flüchtling tagtäglich bedeutet. Davon, wie wenig die Vergangenheit des Geflüchteten am Ort seines neuen Daseins zählt. Was das Existieren zwischen zwei Sprachen mit ihm macht. Welche Lügengeschichten man als Geflüchteter den Daheimgebliebenen auftischt. Und dass man vor der Flucht wenigstens wusste, warum man unglücklich war.
Ilija Trojanow erzählt von sich selbst, zugleich ist er eine exemplarische Figur. So gelingt ihm eine behutsame und genaue Topographie des Lebens nach der Flucht, das existentielle Porträt eines Menschenschicksals, das unser 21. Jahrhundert bestimmt.

Meine Olympiade

Sachbuch, 2016
S. Fischer, ISBN: 978-3-10-080007-7
336 Seiten, €22,00

Ilija Trojanow, der Autor des ›Weltensammlers‹, nimmt uns in ›Meine Olympiade. Ein Amateur, vier Jahre, 80 Disziplinen‹ mit in die Welten des Sports. Während der Olympischen Spiele 2012 fasst Ilija Trojanow einen ehrgeizigen Entschluss: Er will alle achtzig Olympia-Sommer-Einzeldisziplinen trainieren. Sein Ziel: halb so gut abzuschneiden wie der Goldmedaillengewinner von London. Gesagt, getan. Trojanow wirft Diskus, Speer und Hammer, spielt Badminton, misst sich im Zehnkampf, bezwingt im Kajak das Wildwasser, er lernt Ringen im Iran, boxt in einem legendären Gym in Brooklyn, absolviert das Judotraining in Japan und läuft im Hochland von Kenia.

Ilija Trojanows Bericht einer Selbsterfahrung bietet einen einzigartigen, faszinierenden Einblick in die Welten und Milieus des Sports. Eine ebenso kluge wie humorvoll-selbstironische Reflexion über Grenzen, über die Beziehung von Geist und Körper und über das Älterwerden. Großartig geschrieben mit der leichten Hand eines Fechters und dem Punch eines Boxers.

Macht und Widerstand

Roman, 2015
S. Fischer Verlag, ISBN: 978-3-10-002463-3
488 Seiten, €24,99

Ilija Trojanow hat sein Lebensbuch geschrieben: Ein schwindelerregender Blick in den Abgrund zwischen Macht und Widerstand.

Konstantin ist Widerstandskämpfer, einer, der schon in der Schulzeit der bulgarischen Staatssicherheit auffällt und ihrem Griff nicht mehr entkommt. Metodi ist Offizier, Opportunist und Karrierist, ein Repräsentant des Apparats. Sie sind in einen Kampf um Leben und Gedächtnis verstrickt, der über ein halbes Jahrhundert andauert.
Ilija Trojanow entfaltet ein breites zeitgeschichtliches Panorama von exemplarischer Gültigkeit. Eine Fülle einzelner Momente aus wahren Geschichten, die Trojanow seit den Neunzigerjahren in Gesprächen mit Zeitzeugen gesammelt hat, verdichtet er zu einer spannenden Schicksalserzählung von menschlicher Würde und Niedertracht. ›Macht und Widerstand‹ ist bewegende Erinnerungsarbeit, ein Roman, wie man ihn in seiner Entschiedenheit und poetischen Kraft lange nicht gelesen hat.

Wo Orpheus begraben liegt

Erzählungen, 2013
Carl Hanser Verlag, ISBN: 978-3-446-24341-5
224 Seiten, €24,90

Die Reise in eine fremde Welt ungeahnter Kontraste und bezaubernder Geschichten, heraufbeschworen in kraftvollen Fotografien und fesselnden Erzählungen: „Weltensammler“ Ilija Trojanow und Christian Muhrbeck reisten jahrelang durch Bulgarien, um die Facetten des dortigen Lebens zu erkunden, zwischen archaischer Kultur, Postsozialismus und den Spannungen der jüngsten Vergangenheit. Entstanden sind Fotografien, die jenseits aller Klischees den Alltag am Rand von Europa festhalten. Verbunden mit dieser Bilderwelt sind Erzählungen, die zwischen Reportage und Poesie schweben, und eine Region präsentieren, die bisher weitgehend verborgen blieb, auch wenn sie längst Teil unseres gegenwärtigen Europa ist.

Mit zahlreichen Fotos von Christian Muhrbeck.

EisTau

Roman, 2011
Carl Hanser Verlag, München, ISBN: 978-3-446-23757-5
176 Seiten, €18,90

Ein Mann, der die Gletscher so sehr liebt, dass er an ihrem Sterben verzweifelt: Zeno hat sein Leben als Glaziologe einem Alpengletscher gewidmet. Als das Sterben seines Gletschers nicht mehr aufzuhalten ist, heuert er auf einem Kreuzfahrtschiff an, um Touristen die Wunder der Antarktis zu erklären. Doch auf seiner Reise verzweifelt er an der Ignoranz der Urlauber, der mangelnden Achtung vor der fremden Welt und der fortschreitenden Schmelze des Eises …

Angriff auf die Freiheit

2009
Carl Hanser Verlag, München, ISBN: 978-3-446-23418-5
176 Seiten, €14,90

Sicherheitswahn, Überwachungsstaat und der Abbau bürgerlicher Rechte – Niemals würden Sie es anderen Menschen erlauben, in Ihren privaten Sachen zu schnüffeln, Sie zu bespitzeln oder zu belauschen. Was aber, wenn diese anderen Menschen den Staat oder die Wirtschaft repräsentieren? Ist Ihnen die totale Überwachung dann egal? Die Warnungen vor Terror und Kriminalität und die Annehmlichkeiten von Plastikkarten und Freundschaften im Internet lenken von einer Gefahr ab, die uns allen droht: dem transparenten Menschen. Bevor es so weit kommt, schlagen Juli Zeh und Ilija Trojanow mit einer engagierten Kampfschrift Alarm.

Der entfesselte Globus

Reportagen, 2008
Hanser Verlag, ISBN: 978-3-446-23030-9
200 Seiten, €17,90

Trojanow ist auf allen Kontinenten zu Hause: Wie seine Vorbilder Ryszard Kapuczinski und Egon Erwin Kisch ist er am liebsten unterwegs. Was Trojanow zu berichten hat, geht weit über die Schönheit der Landschaften oder die Fremdheit der Sitten hinaus. Er erzählt, wie die Menschen leben: in dem nicht zur Ruhe kommenden Afrika, in den alle Vorstellungen sprengenden Megacitys Indiens oder in anderen Ländern Asiens, die von Naturkatastrophen heimgesucht und von politischen Umwälzungen bedroht werden. Aber auch Bulgarien, das Land seiner Geburt, nimmt dieser geborene Reisende unter die Lupe – seine Schilderungen der alten Seilschaften in neuer Verkleidung lesen sich wie moderne europäische Gruselgeschichten. Neugierig, offen, kritisch und selbstkritisch – mit dem Autor vom Weltensammler als Cicerone sieht man die Welt in einem anderen Licht.

Kampfabsage

Roman, 2007
Karl Blessing Verlag, München, ISBN: 978-3896673633
240 Seiten, €17,95

Der Kampf der Kulturen findet nicht stattVon allen Schlagworten, die seit dem Ende des Kalten Krieges die Welt zu erklären versuchen, ist das vom KAMPF DER KULTUREN das prägnanteste und zugleich verheerendste. Mit ihm wurden weltweit neue Feindbilder geschaffen und Konflikte geschürt. Bestsellerautor Ilija Trojanow und der indische Dichter und Kulturkritiker Ranjit Hoskote entlarven die Unsinnigkeit dieser These und rücken den Propheten eines kulturellen Weltkriegs die Köpfe zurecht.

Der Weltensammler

Roman, 2006
Carl Hanser Verlag, München, ISBN: 978-3-446-20652-6
473 Seiten, €24,90

Ein Roman über den englischen Abenteurer Richard Burton (1821-1890). Anstatt in den Kolonien die englischen Lebensgewohnheiten fortzuführen, lernt er wie besessen die Sprachen des Landes, vertieft sich in fremde Religionen und reist zum Schrecken der Behörden anonym in den Kolonien herum.

An den inneren Ufern Indiens

Reisebericht, 2003
Carl Hanser Verlag, München, ISBN: 978-3-446-20229-0
200 Seiten, €14,90

Der Ganges ist die Lebensader Indiens. Ilija Trojanow hat den großen Fluss von der Mündung, wo er aus dem ewigen Eis bricht, bis in die großen Städte bereist, mit dem Boot, dem Bus, in überfüllten Bahnen. Eine farbige Reportage und Erzählung über ein Land zwischen einer uralten Tradition und einer höchst ungewissen Moderne und über den heiligen Fluss, der es über Hunderte von Kilometern durchzieht.

Autopol

Roman, 1997
dtv, ISBN: 978-3-423-24114-4
200 Seiten, €12,27

Stellen Sie sich eine Welt vor, in der Kriminelle, Leistungsverweigerer, Triebtäter, Atommüll, bakteriologisch kontaminiertes Material – also jede Form von -Sondermüll-, pausenlos in riesige LKWs auf dem Autobahnnetz zirkulieren, in einer geschlossenen Welt, in die man zwar hinein, aus der man aber nicht wieder herauskommt. Erfahrung kommt immer später, als man sie braucht. Wir Neuen hatten keine Ahnung, daß es Unterschiede zwischen den Kojen gibt, wie wichtig es ist, die richtige Koje zu ergattern. Die Umgeladenen besetzten sofort die hinteren Plätze, und die sollten sich bald als der gesündere Ort in der Hölle erweisen. Die Kojen schließen sich am Abend nach dem letzten Signal, so daß jeder abgetrennt ist und nachts nichts passieren kann, keiner wird im Schlaf erdrosselt, keiner während seiner Alpträume vergewaltigt.

Die Welt ist groß und Rettung lauert überall

Roman, 1996
Carl Hanser Verlag, München, ISBN: 978-3-446-18770-2
288 Seiten, €19,90

Bai Dan, Meister des Spiels, findet seinen emigrierten Patensohn Alex genau zum richtigen Zeitpunkt wieder: Als dieser sich in Hoffnungslosigkeit und Krankheit zu verlieren droht, zwingt ihn der anfangs unerwünschte Bai Dan zum Spiel. Bis Alex sich ihm schließlich öffnet und die beiden gemeinsam dem Abenteuer Leben entgegenfahren.