Henning Ahrens

Zu Gast bei der 40. Literarischen Woche Bremen 2016.

Henning Ahrens lebt als Schriftsteller und Übersetzer in Frankfurt am Main. Er veröffentlichte die Lyrikbände „Stoppelbrand“, „Lieblied was kommt“ und „Kein Schlaf in Sicht“ sowie die Romane „Lauf Jäger lauf“, „Langsamer Walzer“ und „Tiertage“. Für S. Fischer übersetzte er Romane von Richard Powers, Kevin Powers, Khaled Hosseini. Ahrens wurde mehrfach ausgezeichnet: mit dem Pro-Litteris-Preis (1999), Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis (1999) und dem Nicolas-Born-Preis (2009). Zuletzt erschien „Glantz und Gloria. Ein Trip“, der mit dem Bremer Literaturpreis 2016 ausgezeichnet wurde.


Bücher

Glantz und Gloria

Roman, 2015
S. FISCHER Verlag, ISBN: 978-3-10-000529-8
176 Seiten, €18,99

„Ein Trip. Mit Illustrationen des Autors“

Ein wilder Reigen, ein irrwitziger Traum, eine deutsche Geschichte: Rock Oldekop kehrt nach Glantz im Düster, in seine alte Heimat zurück, um herauszufinden, was sich wirklich zugetragen hat, damals, in der Nacht, als seine Eltern bei einem Brand umkamen. Tiefer und tiefer gerät er in einen wahnwitzigen rasenden Albtraum. Fürchterlich und barbarisch geht es zu in diesem fiktiven Mittelgebirge. Radikal phantastisch, mit einer zärtlichen Absolutheit und virtuosen Wucht erzählt Henning Ahrens von der Suche nach der Herkunft, einer Identität, einer Lebensgeschichte.

Kein Schlaf in Sicht

Lyrik, 2008
S. FISCHER Verlag, ISBN: 978-3-10-000525-0
96 Seiten, €16,90

Die Welt und ihre Phantasie sind nur durch eine hauchdünne Membran getrennt. Dort, in den Zwischenwelten, den märchenhaften und unwahrscheinlichen Bereichen des Gewöhnlichen, entstehen Augenblicke größter Realität. Kein Sprachspiel, ein Wahrnehmungsspiel ist das, die Welt erstrahlt in diesen unwirklich gegenwärtigen Gedichten. Der großen Intensität des Gefühls gelingt es in diesen Gedichten, dem Alltag Leben einzuhauchen. Es sind Visionen, die mit den Lebenslügen aufräumen. Am Rande der Zeit, des Traums und des Hier und Jetzt entsteht eine leuchtende Eigenständigkeit, wie sie nur noch im Gedicht gelingen kann. Es ist nicht der Versuch, schöne Worte zu finden, sondern die Sehnsucht nach den richtigen. Eine Stimmung, die eindringlich und ernst, schwärmerisch und ironisch zugleich ist. Der Zugang zu dieser Wirklichkeit heißt Sinnestäuschung oder Unaufmerksamkeit, Verzweiflung oder Müdigkeit. Der Erzähler dieser Gedichte wendet sich dem Traum, dem Nebenbei, den unmittelbaren Bildern im Bedürfnis nach Orientierung in der Welt zu. Jedes Gedicht ist auch ein Versuch, die schwierigen und schwer wiegenden Fragen mit Leichtigkeit zu stellen.

Tiertage

Roman, 2007
FISCHER Taschenbuch, ISBN: 978-3-596-17965-7
288 Seiten, €9,95

Es ist ein heißer Sommer, im Dorf kennt jeder jeden. Man sucht Abkühlung im Baggersee. Da entsteigt Miranda Schmid den Fluten, die mit ihrer Familie ins Grüne Haus gezogen ist, und die Welt ist auf einmal eine andere – für Rudolf Wolters, den Stilllebenmaler, Viktor Hoppe, den Englischlehrer, und auch für Asta Frey, die im Roadster quer durchs Land von Coaching zu Training saust. Im Hinterland der Natur liegt die Provinz, aber die Natur der Liebe, wie wir wissen, ist überall gleich. Da wird aus Nachbarschaft schnell Leidenschaft und Treue wird zur Tragik. Als dann der Wilde Mann auftaucht und wahllos Tiere tötet, muss endlich gehandelt werden. Die Hilfe naht von unerwarteter Seite: von Mr. Allyours, dem Hasen, und seinem Freund, dem Reiher Fledgling McFeather.

Langsamer Walzer

Roman, 2004
FISCHER Taschenbuch, ISBN: 978-3-596-15806-5
320 Seiten, €9,95

Leise rieselt der Schnee auf die Winterstadt, die nach einem Krieg in Trümmern liegt. Und während ihre letzten Bewohner auf das Kriegsende warten, sucht ein Ghostwriter namens Schadhorst seine Liebste, sucht Commander Cœursledge seine Barbie, suchen die zwei Reporter Peter und Paul nach Interviewpartnern, sucht Dr. Walter Krock einen Rucksack, und Meta Jobst, Ex-Ikone des Infotainments, sucht mit ihrem Mann eine Herberge, in der sie ihr Kind zur Welt bringen kann. Die Wege all dieser Gestalten kreuzen sich in Nacht und Schnee oder im ›Terrain Taboo‹, der letzten Bar der Stadt. Henning Ahrens findet für den Leser einen Weg durch die verschneite Stadt, durch ein Labyrinth aus Tanz und Rausch, aus Verrat und Überlebenskampf, aus Gelüsten und Begierden. Galant führt er den Blick in die Mündungsfeuer menschlicher Leidenschaften, auf die Ruinen.

Lauf Jäger lauf!

Roman, 2002
FISCHER Taschenbuch, ISBN: 978-3-596-15544-6
256 Seiten, €12,00

Ein Jäger wird gejagt – an Flucht ist nicht zu denken! Oskar Zorrow, unterwegs im ICE, erblickt aus dem Zugfenster einen Fuchs. Einem plötzlichen Impuls folgend, zieht er die Notbremse, um dem Tier hinterherzulaufen. Doch er wird selbst zum Gejagten und gerät in die Fänge einer Schar von Menschen, die sich die »Widergänger« nennen und auf einem Gutshof in der Nähe eines geheimnisumwitterten Nebellandes leben. An Flucht ist nicht zu denken, denn nur John Schmutz, der Kopf der Widergänger, vermag den Nebel, der alle Erinnerung auslöscht, zu durchqueren. Oskar Zorrow ist zum Ausharren gezwungen. Magie, Märchen, schauervolle Romantik? Henning Ahrens Roman besticht durch seine eigenwillige Sprache, seinen Reichtum an Bildern und durch seinen ernsthaften Witz. Ein literarisches Kammerspiel um Jäger und Gejagte, bei dem die wundersame Geschichte wie eine blankpolierte Kugel wirkt, die der Flinte des Autors entstammt.