Gila Lustiger

Zu Gast beim Literaturfestival globale° 2016
Zu Gast beim Literarischen Herbst in Bremerhaven 2015

Foto: © Heike Bogenberger

Gila Lustiger, 1963 in Frankfurt am Main geboren, studierte Germanistik und Komparatistik an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1987 lebt sie als freie Autorin in Paris. Ihr erster Roman »Die Bestandsaufnahme« erschien 1995, darauf folgte 1997 »Aus einer schönen Welt«. Ihr Familienroman »So sind wir« war 2005 für die Shortlist des Deutschen Buchpreises nominiert. 2011 erschien »Woran denkst du jetzt« und im Frühjahr 2015 ihr großer französischer Gesellschaftsroman »Die Schuld der anderen«, der wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste stand.


Bücher

Erschütterung: Über den Terror

Essay, 2016
Berlin Verlag, ISBN: 978-3-8270-1332-3
160 Seiten, €16,00

Für Paris und ganz Europa begann 2015 eine neue Zeit: Der brutale Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo sowie der Terror vom 13. November setzten den grausamen Rahmen für ein Jahr, das nicht nur in Frankreich von einer Vielzahl weiterer Übergriffe mit islamistischem Hintergrund, antisemitischen Attentaten und einem erschreckenden Zulauf für den Front National geprägt war. Die in Paris lebende Schriftstellerin Gila Lustiger hat bereits in ihrem Gesellschaftsroman »Die Schuld der anderen« hellsichtig Ursachen und Hintergründe beschrieben. Auch die jüngsten Terrorakte hat sie miterlebt, aus dieser Erfahrung ist ihr Essay entstanden. Der kluge Versuch, einer tief empfundenen Erschütterung mit Vernunft zu begegnen und vehement unsere freiheitlichen Werte zu verteidigen – als Pariserin, Mutter zweier Kinder, Jüdin, Europäerin.

Die Schuld der anderen

Roman, 2015
Berlin Verlag, ISBN: 978-3-8270-1227-2
496 Seiten, €22,99

Zehn Zeilen – mehr hat Marc Rappaport einem 27 Jahre zurückliegenden Prostituiertenmord, der jetzt durch DNA-Abgleich gelöst sein soll, nicht zu widmen gedacht. Und doch will er mehr über die Geschichte der jungen Frau erfahren, die mit 18 aus der Enge ihrer Industriekleinstadt nach Paris floh, um zu studieren, und dort in die Prostitution schlitterte. Dabei stößt er bald auf einen Skandal von schockierendem Ausmaß, der die unlösbaren Verstrickungen von Wirtschaft, Geld und Politik durchscheinen lässt. Was als klassische Ermittlungsgeschichte beginnt, entpuppt sich bald als ein atmosphärisch dichter und mit souveräner Leichtigkeit erzählter Gesellschaftsroman über ein ganzes Land und unsere Gegenwart.

Woran denkst du jetzt

Roman, 2011
Berlin Verlag, ISBN: 978-3-8333-0863-5
288 Seiten, €9,99

Sie wären in dieser Nacht nicht dort, wäre Onkel Paul nicht gestorben. So sind sie zurückgekehrt in das Haus ihrer Kindheit. Die Nichten Lisa und Tanja, inzwischen erwachsene Frauen, begegnen sich in dieser Nacht als Schwestern, als Rivalinnen um Liebe und Anerkennung, und sie begegnen sich selbst.

Mit leichter Hand gelingt es Gila Lustiger, ein Kammerspiel über den Tod zu schreiben und dabei über das Leben zu reden. Gila Lustiger ist eine kraftvolle und kompromisslose Erzählerin, der wir gern in diese Nacht der Trauer folgen, behält sie sich doch vor, auch das Komische im Allzumenschlichen zu sehen.

Herr Grinberg & Co.

Taschenbuch, 2008
Berlin Verlag, ISBN: 978-3-8333-0613-6
192 Seiten, €9,95

Eines Abends entdeckt Herr Grinberg das Nachbarskind Paul durchfroren und erschöpft auf einer Bank im Park. Er trägt ihn nach Hause und erfährt, warum Paul ausgerissen ist: Seine geliebte Großmutter liegt im Sterben. Alle überlegen, wie man Paul helfen kann, auch seine ausgekochte Freundin Mathilda, die zu allem eine unerschütterliche Meinung hat. Sie beschließt, dass Herr Grinberg Pauls Großmutter ersetzen muss. Liebevoll, mit Fabulierlust und Witz, skizziert Gila Lustiger den abenteuerlichen Alltag eines älteren Herrn, eines Mädchens und ihrer Freunde, die wie versehentlich immer wieder über die großen ewigen Fragen der Menschheit stolpern.

So sind wir

Familienroman, 2005
Berlin Verlag, ISBN: 978-3-8333-0407-1
272 Seiten, €10,99

Wie ist ein Leben nach dem Holocaust möglich? In »So sind wir« erzählt Gila Lustiger von Eltern, Großeltern und näheren Verwandten, dem eigenen Heranwachsen zwischen Deutschland und Israel und von ihrem Vater Arno Lustiger, dem Auschwitz-Überlebenden, der dennoch in Deutschland blieb. Mit unverkennbar ironischem Blick nähert sie sich über das Private und Intime der europäischen Geschichte, berichtet von den Gründungsmythen des Staates Israel und der Zeit der Unabhängigkeitserklärung. Virtuos gelingt ihr so aus dem Mikrokosmos ihrer Familie die Erzählung einer Geschichte der europäischen Juden. Ihr Roman wurde 2005 für die Shortlist des Deutschen Buchpreises nominiert.