Gerd Kiep

Damen und Herren!
Himmel! Herrschaften! Tretet ein!
Erleben Sie hier Ihr Wunder.
Hier werden auch die süßesten
Früchtchen zum Singen gebracht.
Keiner der männlichen Engel
Wird
Dies Lokal verlassen, ohne
Ein schwarzer geworden zu sein.
Keiner der weiblichen
Wird
Unbefleckt wieder hinaustreten!
Hereinspaziert!

Gerd Kiep, Hörensagen oder Über die Engel (schon schlupfrig),
in: ders., Nachtpost. Hermetische Sendung NO. 4
Bremen: Atlantik Verlag 2004, S. 81

Eheu, quam bona est vita nautarum! *

Geboren 1943 in Nordenham/Wesermarsch, verläßt Gerd Kiep – „Der Junge ist doch von allen guten Geistern verlassen!“ – mit 17 Jahren Gymnasium und Elternhaus, um zur See zu fahren. Treibt sich als Matrose, später auch als Schiffsoffizier manches Jahr auf den Weltmeeren und sehr gern auch in fremden Häfen herum, absolviert schließlich die Ausbildung zum Kapitän auf Großer Fahrt. Beginnt zu schreiben, hört irgendwann das Lied von den „wahren Abenteuern“, die es „nur im Kopf“ gebe – und studiert Deutsch, Geschichte, Kunst und Psychologie an der Universität Bremen.
In den folgenden Jahren ist er als Gymnasiallehrer im bremischen und niedersächsischen Schuldienst tätig und betreibt die Veröffentlichung literaturwissenschaflicher und kulturkritischer Arbeiten sowie die Ausbildung zum Psychotherapeuten.

1994 vollzieht sich dann endgültig der Wandel zu einer ganz und gar der Literatur verpflichteten Existenz. Unser „Dichter“ kehrt seinem geliebten Bremen den Rücken, um allein in nördlicher Provinz (irgendwo an der Nordseeküste) zu siedeln.

Gerd Kiep lebt heute – wie man hört – sehr zurückgezogen in Butjadingen, taucht hin und wieder aber auch in Köln und Bad Arolsen auf. Über solchermaßen ins Leben umgesetzte Vorstellungen vom Abscheiden wird der Autor demnächst in einer längeren Prosaarbeit – auszugsweise vielleicht auch hier – Auskunft geben.

Gerd Kiep liebt die „klassische Musik“ von Monteverdi bis Stockhausen, Riehm und Klein, schätzt die Bildende Kunst (besonders der Moderne) und alle Formen der Gelehrsamkeit. Zu gern wäre auch er ein wenig fähiger und tüchtiger und klüger! Ja. Liebe Freunde und gute Feinde – dankenswerterweise wirklich in zureichender Zahl vorhanden – mühen sich derzeit redlich um Entwicklung seiner Persönlichkeit, sind sich der Gefahr des Scheiterns dieser Unternehmung aber sehr bewußt. Man wird sehen – denn auch sie werden darüber zu berichten wissen.

* Ausruf eines römischen Knaben während einer Paddelbootfahrt auf dem Rhein bei Köln: „Juchhe, wie schön ist das Leben der Seefahrer!“
(zitiert nach dem Latein-Schullehrbuch des Autors)

Literaturwissenschaftliche und kulturkritische Arbeiten (Auswahl):

1.Schriftsteller in der Massengesellschaft: Ernst Toller,
Siegfried Kracauer
Bremen: Radio Bremen – Hauptabteilung Kultur /
Kultur aktuell 1978

2. Literatur und Öffentlichkeit bei Christian Garve, in:
P. Bürger u.a. (Hrsg.),
Aufklärung und literarische Öffentlichkeit
Frankfurt: Suhrkamp Verlag (es-NF 40) 1980

3. Aufstieg und Fall der Bremer Räterepublik, in:
Braunschweig: Praxis Geschichte -Westermann Verlag,
Heft 6 / Dezember 1988


Bücher

Nachtpost. Hermetische Sendung No. 4

Gedichte, 2004
Bremen, Atlantik Verlag, ISBN: 978-3926529879
108 Seiten, €18,00

Der Band, der sich im Spannungsbogen zwischen Eros, Logos und Polis bewegt, ist eine sprachlich, optisch und haptisch reizvolle Komposition aus den Worten des Dichters und den ganzseitigen, auf Transparentpapier eingefügten Federzeichnungen der Künstlerin.

Charons Traum

Gedichte, 2002
Bremen, Atlantik Verlag, ISBN: 978-3926529510
72 Seiten, €12,80

mit Illustrationen von Susanne Schossig und einem Nachwort von Tim Schomacker

Die Lyrik von Gerd Kiep zeichnet sich durch ihr hohes Maß an Authentizität aus. Kraftvoll, feinsinnig und mit großer Gelassenheit reflektiert Kiep das Leben in seiner Universalität. Er gibt sich nicht mit einfachen Wahrheiten oder oberflächlichen Phänomenen des modernen Lebens zufrieden, sondern es geht ihm immer um „die Sache selbst“. Kiep schöpft die Energie seiner Wortkunst aus seiner bewegten Lebensgeschichte.

Das Lachen der Medusa

Gedichte, 2002
Isensee Verlag, ISBN: 9783895987069
64 Seiten, €2,00

Schattenlinien

Gedichte, 1999
Isensee Verlag, ISBN: 38955299
64 Seiten, €4,00