Fritz Eckenga

Zu Gast bei poetry on the road 2017

Foto: Philipp Wente

Fritz Eckenga, geb. 1955, ruhrt in sich selbst. Vom Stützpunkt Dortmund aus dichtet er sich die Welt zusammen. Die Ergebnisse stellt er in Büchern, im Radio und auf Bühnen vor. Eckenga spielt Solo-Programme, schreibt Theaterstücke, Hörspiele und ist Radiokolumnist (WDR).

Auszeichnungen:

Eiserner Reinoldus 2008
Peter-Hille-Literaturpreis 2010
Literaturpreis Ruhr 2011
Radio-Kabarettpreis Salzburger Stier 2012

https://www.eckenga.com/


Bücher

Draußen Rauchen ist Mord am ungeborenen Baum

Gedichte, 2016
Edition Tiamat, ISBN: 978-3-89320-212-6
144 Seiten, €14,00

Eckenga dringt in Problemzonen vor, die außer ihm niemand je betreten hat und wird. Kein Wunder, dass er dort von Phänomenalem überrascht wird und ein ums andere Mal wie einst der elefantenohrige Vulkanier feststellen muss: »Ja, es ist Leben, aber nicht, wie wir es kennen.« Eckenga entdeckt hirnähnliche Strukturen in den Knien von Fußballern, kommuniziert mit Smartphone-gestützten, schreibfähigen Vormagensystemen, sogenannten »Posting-Pansen«. Er berichtet feinfühlig von menopausenresistenten Trümmerfrauen, die in nordhessischen Wäldern noch mal ganz von vorne anfangen und zum Nichtrauchen nach draußen gehen. Seine Expeditionen führen ihn zu Blind-Dates in lappländische Tattoo-Dark-rooms und hinter deutsche Elektroherde, wo sich die feuchte Bratfettkakerlake und der klebrige Kochschwadenfadennacktwurm zusammen mit dem feinschuppigen Rigips-Schimmelmolch aus jahrzehntealten Teigwarenskulpturen ein lecker’ Nachtmahl zubereiten.
Der Autor reist von den Ötztaler Alpen, in denen ledrige Ureinwohner abgebaut und als Wurzen an deutsche Touristen verfüttert werden, bis in den westfälischen Hintergarten, wo ein demütiger Rasenhalm sein Herrchen um Kürzung anwinselt.

Mit mir im Reimen

Gedichte, 2015
Kunstmann, ISBN: 978-3-95614-027-3
448 Seiten, €19,95

„Draußen hängt die Welt in Fetzen, lass uns drinnen Speck ansetzen“ hieß die erste Sammlung von Fritz Eckengas „Rettungsreimen“ (2001), danach ging’s mit der „Jahreshauptversammlung meiner Ich-AG“ und „Prima ist der Klimawandel auch für den Gemüsehandel“ rasant weiter bis zum „Fremdenverkehr mit Einheimischen“. Mit mir im Reimen ist die erste Gesamtschau dieses beträchtlichen und, da wo es nötig war, in Tagesform gebrachten Reimwerks. Obwohl Fritz Eckenga sich jetzt seit 60 Jahren selbst rettet, beabsichtigt er auch weiterhin nicht, damit aufzuhören. Deswegen dürfen sich die Leser zusätzlich auf eine umfangreiche Portion neuer Gedichte freuen.

Fremdenverkehr mit Einheimischen

Gedichte, 2010
Kunstmann, ISBN: 978-3-88897-655-1
128 Seiten, €12,00

Der unvermeidliche Mitmensch von nebenan nennt sich Nachbar. Er hat keine guten Manieren, dafür aber schweres Gerät. Wenn er Nähe sucht, benutzt er nicht die Türklingel, sondern die Trennflex. Ein guter Grund also, zeitig außer Haus zu gehen. Doch auch das Verreisen birgt die Gefahr, sofort wieder außer sich zu geraten. Irgendeiner emittiert einem immer was Unerfreuliches ins Dasein. Ein Glück, dass Fritz Eckenga zur Stelle ist und uns mit neuen Rettungsreimen über das Schlimmste hinweg hilft. Er scheut sich nicht, für seine Gedichte auch dort zu recherchieren, wo die Glühbirnen verboten, aber die Westerwelles Außenminister werden. Statt zu klagen, denkt der Dichter sich lieber ein paar begrüßenswerte Seuchen wie die Schweigegrippe aus. Und wenn es erforderlich ist, reist Eckenga sogar in Gegenden, die kein menschliches Wesen je vor ihm betreten hat.

Prima ist der Klimawandel, auch für den Gemüsehandel

Gedichte, 2007
Kunstmann, ISBN: 978-3-88897-487-8
126 Seiten, €12,90

Wenn die Zukunft in finsterer Ungewissheit liegt, lohnt der erhellende Blick in den Nahbereich der Gegenwart. Die Hirnschmelze schreitet voran, der Alkoholspiegel steigt unaufhörlich, und aus dem Sprachschlot heraus wird emittiert, was die Restgrütze hergibt. Da tut Dichtung Not! Ein weiteres Mal hat Fritz Eckenga für den lesenden Teil der Menschheit ein reichhaltiges Protokoll seiner Beobachtungen und Sofortmaßnahmen ausgearbeitet und präsentiert neben seiner gewohnt stabilen Dichtung nun erstmals auch extrem belastbares Bildmaterial.

Jahreshauptversammlung meiner Ich-AG

Gedichte, 2005
Kunstmann, ISBN: 978-3-88897-386-4
149 Seiten, €12,00

Die vom Vorstandsvorsitzenden Eckenga einberufene Vollversammlung seiner neuen Rettungsreime ist ein schöner Erfolg. Die Verse, maßvoll in Reih und Glied und Kapitel geordnet, treten in vorbildlicher Geschlossenheit an, so dass der Reim- und Reisefreiheit großzügig Auslauf gewährt werden kann. Die Besenreinheit heimischer Vorgärten wird ebenso besungen wie die Schönheit des miserablen Wetters. Der Lebensmittelstandort Deutschland kann mehrgängig abserviert werden. Hochleistungsschweine werden belobigt, und dem Held Wirsing wird ein Denkmal gesetzt, wohingegen die durch allerlei unvermeidliche Prominenz verursachten Daseinsbelästigungen komisch verdichtet und endgelagert werden. Somit füllt Fritz Eckengas zweiter Gedichtband die große Lücke, die nach seinem Erstling „Draußen hängt die Welt in Fetzen“ von ihm selbst gelassen wurde, perfekt aus.

Draußen hängt die Welt in Fetzen, lass uns drinnen Speck ansetzen

Gedichte 2002
Kunstmann, ISBN: 978-3-88897-924-8
143 Seiten, €9,99

Dass der Herr am Ersten Tag Himmel und Erde schuf, hat sich ja bereits herumgesprochen. Unbekannt war bisher, dass die Zubereitung dieser komischen Mahlzeit in Seiner Herrlichkeits Versuchsküche stattfand und aus den Zutaten Kartoffeln, Äpfel und Blutwurst bestand. Gott sei Dank wird diese schwer verdauliche Nachricht jetzt endlich aufgetischt, in appetitlich gereimter Form.