Benjamin Lauterbach

Lauterbach, Benjamin

Bremer Netzresidenz 2007
Foto: Sascha Kokot

Geboren 1975 in Kronberg im Taunus. Studium der Germanistik und Philosophie an der Johann-Wolfgang Goethe Universität, Frankfurt am Main. Seit Oktober 2005: Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Im Jahr 2001 erschienen 28 Gedichte in der Lyrikanthologie Vier Periode, Lynkeus Verlag, Herrsching. 2003 folgte der Band „Ich nehm’s persönlich. Gedichte.“ beim Bookspot Verlag, München. Berufliche Tätigkeit bei Frankfurter Stadtmagazinen und für den Hessischen Rundfunk. Dort seit 2004 CvD für die tägliche Livesendung ‚alle wetter!‘.

Träger des Telephos Preises, Kategorie Lyrik/Kurzprosa, 2003. Derzeit arbeitet Benjamin Lauterbach an einem Roman mit dem Arbeitstitel „Holler“, der 2008 mit dem Literaturstipendium der Akademie Schloss Solitude gefördert wurde. Autorenförderpreis 2009 der Landesbühnengruppe im Deutschen Bühnenverein für sein Stück „Beziehungs-Weise“. 2010 Stipendium in der Villa Decius in Krakau. Im Frühjahr 2011 Aufenthaltsstipendium im ‚Künstlerdorf Schöppingen’, im Herbst 2011 im ‚Port Cultural Cetate’, Rumänien.

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Bücher

Ich nehm's persönlich

Gedichte, 2003
Bookspot Verlag, ISBN: 978-3980810975
226 Seiten, €26,80

Die härteste Koalabraut der Welt: Lyrik ist etwas für alternde Intellektuelle und pubertierende Liebende. Oder, wie im Fall von Benjamin Lauterbach, eine verdammt heiße Sache. Der junge Autor beschreibt die Gesellschaft so, wie sie ist: brutal, sehnsüchtig, angsterfüllt, zärtlich, gierig. Dabei fokussiert er vor allem die innere Zerrissenheit der äußerlich coolen, abgeklärten Twentysomethings mit außergewöhnlicher Intensität und dem sezierenden Insiderblick auf die eigene Generation. Lauterbach zieht in Bann – er vereint hintergründigen Sprachwitz mit präziser Wortwahl und lässt schlagartig starke Bilder und Gefühle im Kopf entstehen. Im wunderbar filigranen Nur so beschreibt er einen Beinahe-Liebesakt, der geradezu vibriert vor erotischer Spannung und den Leser buchstäblich einsaugt in die besondere Atmosphäre der Situation. Diese einfühlsamen Beschreibungen scheinbar alltäglicher Begegnungen zeichnen Lauterbach vor allem aus. Man erkennt, dass er leidenschaftlich lebt – und unter diesem Leben manchmal leidet wie ein Hund. Auslöser dafür ist meistens der uralte, dabei stets aktuelle Kampf der Geschlechter, die wechselseitigen Dominanzen innerhalb einer Beziehung. Das vordergründig amüsante, in der Tiefe jedoch bittersüße Von Baum zu Baum beschreibt dieses Ringen äußerst treffend und macht nebenbei klar, dass Koalaweibchen und paarungsbereite Großstädter durchaus einiges gemeinsam haben. Stilsicher und spannend kommt Abgründiges zutage, die Lyrik schleicht sich in Gestalt von brillanten Miniaturerzählungen direkt ins Gefühlszentrum des Lesers. Lauterbach versucht nicht, zu manipulieren, er fordert auf, die nur scheinbar banale Normalität neu zu sehen. Viele der lyrischen Kurzstories ändern die Sichtweise auf eine Begebenheit radikal – und oft erst in der letzten Zeile, wie etwa im grandiosen, entlarvenden Handyarsch. Lauterbachs Lyrik überrascht den Leser wie ein kleines Erdbeben. Und er macht Lust auf weitere Erschütterungen.