Andreas Stichmann

Förderpreis zum Bremer Literaturpreis 2013.

Foto: Victor Ströver

Andreas Stichmann, 1983 in Bonn geboren, lebt in Berlin. Er studierte am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. 2008 erschien sein Erzählungsband „Jackie in Silber“, für den er vielfach ausgezeichnet wurde. Er erhielt den Kranichsteiner Literaturförderpreis, zuletzt den Hamburger Förderpreis für Literatur 2010. 2012 wurde er für den Bachmannpreis nominiert. Für „Das große Leuchten“ seinen erster Roman, wurde Andreas Stichmann mit dem Förderpreis zum Bremer Literaturpreis ausgezeichnet. Im Februar 2017 erschien sein zweiter Roman „Die Entführung des Optimisten Sydney Seapunk“.

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Bücher

Die Entführung des Optimisten Sydney Seapunk

Roman, 2017
Rowohlt, ISBN: 978-3-498-05850-0
240 Seiten, €19,95

Der Sonnenhof – früher alternatives Wohnprojekt, heute eher betreutes Wohnen – hat schon bessere Zeiten gesehen. Findet Ramafelene, genannt Raffi, 39, der seit seiner Kindheit dort lebt. Von seiner Mitbewohnerin und Mutter kommt jedenfalls nicht mehr viel. Ihr scheint in den 80ern mit dem Mann auch die Menschenliebe verlorengegangen zu sein.
Schlimm. Findet auch Bianca, 17, die auf dem Sonnenhof ihre Sozialstunden ableistet. Bianca, mit den blauen Haaren, in die Raffi sich verliebt. Was Küwi nicht gefällt, obwohl er gerade selbst einen neuen Freund gefunden hat: einen Mann ohne bürgerlichen Namen. Einen Mann mit einer Vision. Die den Sonnenhof mit einschließt. Und die Entführung eines Millionenerben.
Schlimm? Man wird sehen. «Hat jedenfalls erst mal nichts mit Gefährlichkeit zu tun», findet Küwi. «Ist was Politisches mit Solidarität. Ist Inhalt von dem Lied ‹Die Internationale›, das man mag.» Und das könnte doch ein Anfang sein, ein Neuanfang, nicht nur für den Sonnenhof? Up the Seapunks!

Das große Leuchten

Roman, 2012
Rowohlt Verlag, Berlin, ISBN: 978-3-498-06390-0
240 Seiten, €19,95

Sie führt aus der deutschen Provinz in den Iran und weiter ans Kaspische Meer: die Suche nach Ana – Ana, der Tankstellenräuberin, Ana, deren persischer Vater nie so recht hat Fuß fassen können im deutschen Exil. Es ist ein weiter Weg, kreuz und quer durch die Wüste, voller komischer und rätselhafter Prüfungen, die Rupert zu bestehen hat – und mit ihm sein schizophrener Freund Robert, der am liebsten Vögel beobachtet, der die Welt nicht versteht und stattdessen das Schachspiel neu erfindet.
So war das zumindest, bis Ana kam. Bis Rupert und Ana abgehauen sind, um das große Leben zu beginnen. Und bevor Ana plötzlich verschwand.
«Das große Leuchten» ist der Roman einer ausgedehnten Reise, abgründig, empfindungsstark und voller abenteuerlicher Echos. Einhörner und Jäger, Derwische und Ex-Generäle, russische Kleinkriminelle, opiumrauchende Kunstfilmerinnen und uralte Orangenfarmer finden darin Platz – Figuren, die niemals blinzeln, sondern «brennen, brennen, brennen wie phantastische gelbe Wunderkerzen» (Jack Kerouac).

Jackie in Silber

Erzählungen, 2008
mairisch Verlag, Hamburg, ISBN: 978-3-938539-09-5
144 Seiten, €14,90

Held sein! Darum geht es doch. Frisch auf, geradeaus! Ein Afrikareisender stolpert über ein Riesenmädchen. Eine Witwe wartet am Zuckerwattestand. Eine freiheitsliebende Mama bricht am Frühstückstisch zusammen. Und die Kneipengemeinschaft setzt alle Hoffnung auf den großen Verkünder. Dass Helden scheitern, ist der Lauf der Dinge. Sie bleiben zurück im trostlosen Hawaiihemd, im eigentlich doch nicht so glamourösen Silberkleid. Andreas Stichmanns Helden aber laufen im Scheitern zur Höchstform auf.
Sie finden sich in den unterschiedlichsten Situationen wieder: Etwa in Südafrika, wohin die Erzählung „Malealea“ führt. Dort sehen sich zwei junge Männer trotz aller Offenheit unüberwindbarer Fremdheit gegenüber, aber auch unvergesslichen Eindrücken. In „Goldener Stern“ wird versucht, Mädchen zu beeindrucken – unverständlicherweise durch Sport. Und dann bleibt noch die Frage: „Wer ist Rex Huhmann?“
In diesen elf Erzählungen trifft der Leser auf eine junge Stimme und auf einen Blick, der sich abseits der begangenen Wege neu auf die Welt einlässt. Mit allen Folgen. Andreas Stichmanns Texte sind klar, ohne einfältig zu sein. Sie schillern an ungewohnten Stellen. Sie haben angenehm greifbare Ecken. Sie sind witzig, ohne mit dem Humor durch die Luft zu wedeln. Und es finden sich Sätze in ihnen, mit denen man sofort seine Wohnung schmücken möchte.