Aleš Šteger

Zu Gast bei der globale° 2016

Foto: Jože Suhadonik

Aleš Šteger, geboren 1973, ist der bekannteste slowenische Autor seiner Generation. Er studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und Germanistik in Ljubljana und veröffentlichte bislang fünf Lyrik- sowie mehrere Prosabände. Für seine Werke erhielt Šteger zahlreiche Auszeichnungen. Außerdem übersetzt er aus dem Deutschen, Englischen und Spanischen, u. a. Werke von Gottfried Benn, Peter Huchel und Ingeborg Bachmann.

http://www.alessteger.com/


Bücher

Logbuch der Gegenwart - Taumeln

Erzählungen, 2016
Haymon Verlag, ISBN: 978-3-7099-7233-5
168 Seiten, €19,90

Für sein „Logbuch der Gegenwart“ geht Aleš Šteger dorthin, wo die Wunden unserer Zeit klaffen. Jeweils exakt zwölf Stunden nimmt er sich, um seine Eindrücke festzuhalten, die durch seine Augen und Hände direkt aufs Papier fließen. So entstehen seltene Momente der Wachheit, die direkt ins Herz unserer Gegenwart führen. Ljubljana, Platz der Republik, am Tag des prophezeiten Weltuntergangs; Minamisōma nahe dem Atomkraftwerk von Fukushima; Mexico City während einer Demonstration gegen den Umgang der Regierung mit dem Mord an 43 Studenten; Belgrad, Busstation, Zwischenstopp syrischer Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Ungarn – mit einem Blick durch seine Augen führt uns Šteger direkt in das Herz des Phänomens.

Archiv der toten Seelen

Roman, 2016
Schöffling & Co., ISBN: 978-3-89561-446-0
336 Seiten, €22,95

Zur Karnevalszeit im Jahr 2012 ist das slowenische Maribor Kulturhauptstadt Europas. Lokalpolitiker und Selbstdarsteller versuchen Profit daraus zu schlagen, jede erdenkliche Kunstform wird vermarktet. In den Medienrummel mischen sich der aus Maribor stammende Dramaturg Adam Bely und die kubanisch-österreichische Journalistin Rosa Portero. Das seltsame Paar verfolgt jedoch eine geheime Mission, die beiden sind einer bösartigen Verschwörung auf der Spur und wollen deren dreizehn Anhänger entmachten. Dabei begegnen sie einer Vielzahl von Maribors wichtigsten Bürgern, allesamt verstrickt in ein Netz aus Korruption und Lügen.

Buch der Körper

Gedichte, 2012
Schöffling & Co., ISBN: 978-3-89561-445-3
152 Seiten, €19,95

Fünf Jahre nach seinem „Buch der Dinge“ setzt Aleš Šteger die poetische Erkundung der Welt und ihrer Möglichkeiten mit einer faszinierenden Leidenschaft für kühne Metaphern und starke Bilder fort. Es ist ist der fünfte Gedichtband des slowenischen Dichters Aleš Šteger, der virtuos die lyrische Formensprache mit neuen Inhalten bereichert hat. Šteger, einer der international bekanntesten Dichter seiner Generation, hat sein Buch in drei Teilen angelegt. Im ersten Teil, „Das“, findet ein Paar erst nicht und dann doch zueinander. In den Prosagedichten aus „Dort“ wird die Welt als reicher und zugleich einsamer Ort bereist. Abschließend kommt in „Dann“ das „Alfabet“ zum Zuge; buchstabiert wird die Möglichkeit der Sprache aus dem Glutkern eines Worts.

Buch der Dinge

Gedichte, 2006
Suhrkamp, ISBN: 978-3-518-41819-2
91 Seiten, €6,95

„Nicht für jedes Ding gibt es ein Wort“, vermeldet das Große Wörterbuch der slowenischen Sprache. Aleš Šteger, als Reisender in vielen Sprachen und Ländern zu Hause, Autor mehrerer Gedichtbände und einer Reiseprosa über Peru und César Vallejo, stellt diese Einsicht seinem neuen Lyrikband als Motto voran. Doch es fehlt nicht nur an Worten. Wie seine streng gebauten, leichtfüßigen Texte, 50 Gedichte, zeigen, haben wir schon das Selbstverständliche nie richtig kennengelernt: Büroklammer, Seife, Zahnstocher („dieser kleine Robespierre im Maul des Polyphem“), Regenschirm, Hut und Fußmatte. In Štegers Gedichten werden sie aufgerufen und treten uns, dem Allgemeinbegriff entschlüpft, entgegen; sie stellen Fragen, die zu groß sind für so kleine Dinge. Unklare, sich verwandelnde Seinsformen wie Ei, Wurst und Schokolade machen stutzig. Das Brot offenbart seinen sadomasochistischen Charakter: „Ja, ja, es liebt dich, deshalb nimmt es jetzt dein Messer in sich auf. / Es weiß, daß sich all seine Wunden in deiner Hand verkrümeln.“