Akondoh Ali

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Akondoh Ali wurde am 10.02.1957 in Sokodé (Togo) geboren.

Ausgebildet als Lehrer, unterrichtete er ab 1979 Französisch an der Realschule in Sokodé.
1992 wurde er Mitbegründer und Redakteur der regimekritischen Oppositionszeitung „La Lettre de Tchaoudjo“, die seit 1995 verboten ist. Wegen harter Kritik am diktatorischen Regime Togos wurde er mehrfach verhört, gefoltert und 1993 inhaftiert. Von Oktober 1994 bis Juni 1995 befand er sich im Exil in der Republik Benin. Dank des Engagements internationaler Menschenrechtsorganisationen (Reporter Ohne Grenzen, Amnesty international) und der Norddeutschen Mission lebt Akondoh nun seit Juni 1995 mit seiner Familie in Bremen, wo ihm politisches Asyl gewährt wurde.
In seiner Heimat Togo als engagierter Schriftsteller und Dichter bekannt, schreibt Akondoh Ali auch in Bremen Gedichte sowie Theaterstücke und setzt sich nicht zuletzt vehement für die Verwirklichung von Menschenrechten ein, für die wechselseitige Durchdringung der Kulturen und generell für die Akzeptanz des Anderen. Er kämpft gegen Diskriminierung und gegen das negative Bild, dass viele Bundesbürger von Ausländern haben. Er war Bundesvorsitzender der togoischen Menschenrechts-Organisation A.T.L.M.C. e.V., und vertritt u.a. gegenwärtig den Flüchtlingsrat Bremen im Bremer Rat für Integration.
Akondoh Ali ist Mitglied bei „zwiesprache lyrik“ und dem „Internationalen P.E.N.-Club Zentrum der Exilschriftsteller“-Sektion Deutschland. Stellvertretender Präsident der togoischen Gemeinde in Bremen.

Gedichte (Auswahl)

Euer Blut

Euer Blut ist wie ein Bach,
das den entstehenden Knospen Wasser gibt

Euer Blut ist wie ein Spiegel,
der unsere gefangenen Gesichter reflektiert

Euer Blut ist wie eine Flut von Tränen,
die auf unserer verwüsteten Erde trocknen

Euer Blut ist wie eine Tafel,
auf der sich eure unbekannten Namen befinden

Euer Blut ist wie ein Saft,
der Schilfen an den Affenbrotbäumen Nahrung gibt

Euer Blut gibt unserem Leben in der Zukunft einen Sinn,
die Zukunft einer heute zerstörten Generation

(In Gedanken an die Opfer von dem diktatorischen Regime Togos)

Mit dir

Du, der du vor den Schrecken des Krieges geflohen bist,
Um dein Leben zu retten,
Du, der du wegen deiner Ansichten verfolgt wirst,
Du, der wegen deiner religiösen Überzeugung
Heute fern deiner Heimat lebst,
Du hast hier einen Zufluchtsort gefunden,
Denn unser Herz kennt keine Vorlieben.
Du kommst aus Afrika, aus China oder sonst woher,
Bist Buddhist, Muslim oder Christ-
Unwichtig!
Dein Leben ist wertvoller als alles andere.
Für dich haben sich unsere Türen geöffnet,
Voller Wärme schließen wir dich in unsere schützenden Arme.
Du bist nicht allein. Du gehörst zu uns.
Du hast den Schlüssel zu unserem blühenden Garten
Wo du, auch du, teilhaben kannst
An unseren Werten, unserer Freude und unseren Schwierigkeiten.
Das ist die geteilte Liebe,
Geteilte Liebe in Respekt für einander.

Unsere Seele nimmt Anteil an deinem Leid
Ihr graut vor dem Wahnsinn der Menschen.
Auch unsere Augen werden rot vor Wut
Angesichts der Boshaftigkeit ihrer Taten.
Wir brauchen die Sonne, du und wir,
Um unsere Herzen zu erwärmen,
Unsere Herzen, die Zärtlichkeit verströmen.

Du, meine Schwester! Du, mein Bruder!
Hier bist du nicht fremd.
Willst du dich den anderen öffnen?
Du unterscheidest dich nicht von denen, die dich umgeben.
Die Unterschiedlichkeit ist unser Trumpf,
Sie ist ein Schatz der Menschheit.
Deine Kultur enthält eine Fülle,
Eine Fülle von Dingen, die wir noch nicht kennen
Aber die voller Wunder stecken
Sie sind ein Beitrag zu unserer Zivilisation
Eine Reise zu neuen Horizonten
Ein Weg, der uns zu weltumspannendem Wissen führt.

Mit dir bauen wir eine neue Stadt
Eine Stadt der Träume und der Freiheit
Eine Stadt der Toleranz und der Hoffnung
Eine Stadt der Anmut und der Solidarität.
Gemeinsam werden wir unsere Kräfte einen
Um die Ketten des Hasses und der Unwürdigkeit zu sprengen
Um die schändlichen Grenzen auf immer niederzureißen
Die zwischen Menschen desselben globalen Dorfs errichtet wurden.

O Gott. Warum?

Du bist ein guter Gott
Richtig gut
Du hast uns alles gegeben:
Die Erde
Das Wasser
Die Ernte
Den Wind
Den Tag
Die Nacht
Das Leben

…..
Dir sind wir dankbar
Für diese unbegrenzte Liebe

Aber warum ,o Gott
Warum dieser Fluch über Togo
Diese Last auf unseren Rücken,
Die uns entkräftet
Die uns erstickt
Die uns vernichtet
Seit Jahrzehnten

O Gott, warum?

Bremen, Deutschland, den 28. April 2009

Sagt Ihnen

Sagt Ihnen
Sagt Ihnen, dass wir unsere Tränen getrocknet haben um auf die Zeit zu warten
Die Zeit, welche die Völker von ihren üblen Herrschern befreit.
Unsere Tränen nützen nichts: Verfolgter besaßen nie ein Herz.

Sagt Ihnen
Sagt Ihnen, dass die Waisenkinder keine Albträume mehr haben
Durch ihre Träume flattern bereits die Tauben der Hoffnung
Und auf ihren Lippen entfaltet sich nach und nach das Lächeln
Wie eine Sonnenblume in der aufgehenden Sonne.

Sagt Ihnen
Sagt Ihnen, dass man weder mit Waffengewalt über das Volk herrschen kann
Noch mit Lügen
Noch mit Geldscheinen
All diese unpassenden Mittel werden, eines Tages, ihren Preis kosten.

Sagt Ihnen
Sagt Ihnen, dass die Wahrheit sich nicht in einen Käfig sperren lässt
Und dass Denken nicht mit einem Gewehr zerstört werden kann
Niemand kann die Wellen des Ozeans zähmen, die rollen und rollen
Denn es gibt keinen Gott-Menschen auf Erden.

Sagt Ihnen
Sagt Ihnen, dass die Stunde naht wo
Das Schilfrohr die Eiche bezwingen wird
Die Kanonenrohre werden durch Rosen verstopft
Der blutbefleckte Stacheldraht entlang der Grenzen
Wird Nelkenbeeten weichen
Um den Anbruch neuer Tage zu verkünden

Sagt Ihnen
Sagt den Tyrannen, dass der Orkan die Baobabs hinwegfegen wird
Wenn bald die Zeit gekommen ist.

DARFUR, ANGST UND HOFFNUNG

Darfur, unser gemeinsamer Schmerz
Darfur, unsere Wut ohne Widerhall
Trostlose Wüste des Bösen
Verneinung jeglichen Rechts auf Leben

Im Herzen des gedemütigten Afrika
Die wiederholte Schande der Geschichte
Die rückwärtsgewandte Geschichte der Hominiden

Was haben sie getan
Diese Millionen Flüchtlinge
Auf den ausgedehnten Sandfeldern?

Was haben sie getan
Diese Millionen Frauen, unsere Mütter
Auf den vergewaltigten Straßen der Hoffnungslosigkeit?

Was haben sie getan
Diese Millionen Kinder
Afrikas Hoffung von morgen?
Haben sie nicht das Recht, das Leben anzulachen?

Darfur, unser gemeinsamer Schmerz
Darfur, unsere Wut ohne Widerhall

Was haben sie also getan, diese Millionen Menschen
Die schlimmer als Hunde erschlagen werden
Wehrlose Opfer der Verrückten unserer Zeit?

Dort in Darfur, dem Vergessen überlassen
Gibt es weder Begräbnis noch Grabstein
Die Toten tragen keine Namen
Sie sind eingraviert im Sand
Und der Wind ist ihr Botschafter

Wir sind die Stafettenträger dieser Botschaft
Der Botschaft von Liebe und Solidarität
An unserem menschlichen Gewissen
Hängt das Leben der Geschwister in diesem Winkel Sudans.
Lasst uns in ihnen den Traum und die Hoffnung zum Leben erwecken.

Bremen, Deutschland,  4. Juni 2007

Übersetzung: Britta Ratsch-Menke

DAS RECHTE WORT

Mein Mund findet nicht die rechten Worte
Er findet keine starken und wahren Worte
Worte die aus tiefem Herzen kommen
Worte die unsere Gefühle ausdrücken.
Wie könnte ich sie finden
Diese Worte die ich vergeblich suche ?
Wo könnte ich sie also finden
Diese Worte die mir so sehr fehlen?

-Worte die die Herzen bezaubern haben eine Kraft
-Worte die die Seele berühren haben einen Wert
-Worte die die Menschen bewegen haben einen Sinn
Ich weiß dennoch nicht welches Wort ich wählen soll
Unter all- diesen -liebevollen und – schönen Worten.

Ich will ein Wort das alles sagt, ja alles
Alles über ein- Tat aus Mitgefühl
Alles über eine- großzügige Tat.
Durch dieses wunderschöne Wort
Möchte ich dass sie
Die Wertschätzung einer verbannten Jugend erfahren
Die Liebe eines Volkes im Exil, unseres Volkes,
ein zerstreutes Volk, das dir dankbar ist,
du Volk der großen  Männer.

Dir, deutsches Volk,
Haben wir nichts zu schenken als aufrichtige Freundschaft
sowie unser Herz für all die Mühe, das Brot und den Wein.

Endlich habe ich das richtige Wort gefunden, ein einziges
Ein einfaches aber voller Symbole –
Dieses Wort so alt wie die Zeit
Dieses Wort das bis jetzt nicht über meine Dichterlippen kam
Dieses rechte Wort ist: D A N K E !

Bremen, den 07.07.2008.

STILLE UND EXIL

Weit, weit entfernt, an der alten Sklavenküste,
Dort, in meinem Heimatland Togo,
gebrandmarkt durch die Sklaverei,
Verewigt sich die Gesellschaft der Hyänen…
und mit ihnen der schäbige Brauch des ,,Tusch“
zur Ordensverleihung, der ihnen so gut gefällt.
Unsere Herren sehen nichts als ihren eigenen,
bereits prall gefüllten Wanst;
Sie, die behaupten, vom Volk gewählt zu sein.

Machtlos suchen unsere glanzlosen und abwesenden Blicke
den dunklen Horizonte ab,
Unsere aufgesprungenen Lippen finden keine Worte mehr.
Die Flüsse unserer Tränen löschen vergeblich Verbrechen,
Die unauslöschlich sind.

Pssssst !

Das Herz angefüllt von Leid, sinnieren die Schafe
Vor der Schlachtbank über ihr Schicksal.
Wie Opfer, die sie sich selber aufgegeben haben,
erwarten sie nur noch die Stunde des ewigen Friedens, oder…
Das Wunder einer friedlichen Befreiung!
Lang und hart ist das Warten
Und jeden Tag vergeht die Zeit
Ungerührt von dem stöhnen,
das sich erhebt und sich ertränkt in den UNO-Schubladen,
von denen man sagt, sie liefen bereits über.

Die Hyänen haben sich in ihrem halb-jahrhundert
makaberen Herrschaft geschmückt:

Trampelnde Stiefel,
Rasselnde Ketten,
Verschlungene Leben,
Erdrosselte Freiheiten.

Sag mir, ob du kein Recht mehr hast auf Hoffnung,
Oh geknebeltes verletztes Volk,
Du das nur in der Stille oder im Exil lebst?

Schwimme mein Bruder

Schwimm in den trüben Wellen verfluchter Ozeanen
Schwimm in den unsere Matrosen  verschlingenden grausamen Wellen,
Schwimm in dem ihren Wahnsinn murmelnden Blutbach
Schwimm in den verbotenen Flächen der Fantasie

Schwimm auf den von den Friedenstauben verlassenen mörderischen Ufern
Schwimm in den von den frechen Sirenen  bewohnten endlosen Gewässern
Schwimm ganz tief in der Flüssigkeit deiner fruchtbaren  Reise
Schwimm in der Flut von Tränen derer, die die Ihrigen verloren haben.

Mit deiner ungerade Silhouetten zeichnenden  revoltierten Feder
Mit deinen von den Schattenmännern unbeliebten Versen
Schreib unberührt am Eingang ihrer Monsterpaläste
Trag  die Verantwortung  für deine Verse und beschwer dich niemals über deine Schmerzen als Sonderdichter

Schwimm für dein Volk, ohne dich niemals auszuruhen
Und führ es in deiner gefährlichen Reise zu neuen Horizonten
Nach vielen Opfern hast du, mein Bruder, deinen Weg gewählt
Bereue deine Kühnheit nicht, wenn deine Feder eines Tages verstummt

Bremen, den 16. Mai 2009