Idole und ihre Mörder, Essay 2005

Vom 09.05.2017 in

Vor zehn Jahren entspann sich zwischen Connie Palmen und einem ihr bis dahin unbekannten Fan eine denkwürdige Korrespondenz. Sie gipfelte in einer Begegnung und im Bekenntnis des Mannes: »Ich wollte Sie ermorden. Aus Liebe.« Palmen hatte das Glück, sich mit ihrem potentiellen Mörder auseinandersetzen zu können. Andere Personen des öffentlichen Lebens hatten diese Chance nicht: 1963 wurde John F. Kennedy von Lee Harvey Oswald getötet, John Lennon fiel 1980 einem enttäuschten Fan zum Opfer. 2002 wurde Pim Fortuyn beim Verlassen eines Fernsehstudios erschossen, und 1997 zielte ein siebenundzwanzigjähriger Mann auf den berühmten Modemacher Gianni Versace – Mörder aus enttäuschter Liebe, die – darin vergleichbar einem politischen Selbstmordattentäter – ihr Gefühl der Legitimation aus der Welt der Einbildung beziehen. Auch die Attentate auf Andy Warhol oder Ronald Reagan, der Selbstmord von Marilyn Monroe oder Elvis Presley – hinter all dem steht die Tragik dieses Phänomens: des Unvermögens, zwischen öffentlichem Schein und Sein unterscheiden zu können. Palmen untersucht die Triebfedern von Fans, Fanatikern, Stalkern, Mördern und Selbstmördern. Und wie immer kommt sie dabei auf komplexe Grundfragen unserer heutigen Erlebenskultur zu sprechen, auf eine Welt, die durch die Medien grenzenlos geworden ist, auf das Verschwimmen der Grenzen von echt und unecht, Fiktion und Wirklichkeit.