Das kalte Jahr, Roman 2013

Vom 11.12.2013 in

Das Land ist eingeschneit. Ein junger Mann wandert an einer Autobahn entlang. Einsame Felder, Jauchegruben, Rasthöfe und fensterlose Möbelhäuser sind die Stationen seines Weges. Das Ziel ist ein Dorf am Meer, am Rande eines ehemaligen Militärgebietes, wo sein Elternhaus steht. Müde und erschöpft muss er bei seiner Ankunft jedoch feststellen, dass die Eltern verschwunden sind. Ein geheimnisvoller Junge öffnet ihm die Tür. Schweigsam und störrisch zieht sich dieser in der darauffolgenden Zeit meist in das Kinderzimmer zurück, wo er an einem mysteriösen Projekt arbeitet. Nach und nach finden die beiden Zugang zueinander. Was sie verbindet, sind Geschichten. Historische Geschichten von Auswanderern und Naturkatastrophen. Aber auch nacherzählte Geschichten aus dem Fernsehen, die den Jungen begeistern. – Am Ende steht mitten in der Eislandschaft ein Haus in Flammen, und in den Augen der Dorfbewohner spiegelt sich weit mehr als die Farbe des Feuers.

„Als ich zu sprechen aufhöre, habe ich kurz das Gefühl, Richard klatscht gleich in die Hände vor Begeisterung. Er kickt jedenfalls mit den Beinen aus, das habe ich noch nie an ihm gesehen. Und er bleibt an diesem Abend zum ersten Mal, seit ich wieder zurück bin im Haus meiner Eltern, noch lange im Wohnzimmer sitzen, neben mir auf der Couch, vor dem Fenster in den Garten, wo der Schnee das diffuse Schimmern der Straßenlaternen reflektiert. Ein stumpfer Widerschein, kein Glitzern. "Die Sonne hatten wir damals, denke ich, seit Monaten nicht mehr gesehen." (aus: Das kalte Jahr, Dumont Buchverlag, 2013)

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