Album. Gedichte

Vom 15.08.2018 in

»Schos Eigenständigkeit scheint unverkennbar: so spröde und zugleich schräg dichtet heute niemand sonst. Wäre ihre Lyrik Musik, müsste man sich wohl eine Mischung aus Ornette Coleman und Zarah Leander vorstellen. Die Fotos, auf denen die Gedichte basieren, stammen übrigens aus den wirtschaftswunderlichen 50er und 60er Jahren der alten Bundesrepublik. Rosemarie Nitribitt hat in den Versen ebenso ihren Auftritt wie der Erfinder des ›Toast Hawaii‹, Clemens Wilmenrod. Man betrachtet stolz ›Horst mit seinem neuen Opel‹ oder staunt über das Kurzstartflugzeug STOL. Erstaunlich, wie sehr sich die Nachgeborene Scho heraushält, wie kaum je ein Ich diese Gedichte bewohnt. Dabei wirken sie keineswegs seelenlos, ganz im Gegenteil: Das Material – Montagen aus vermeintlichen Bildunterschriften, inszenierter O-Ton, lakonischer Kommentar oder Werbezitat – scheint mitunter geradezu zu vibrieren – oder doch zu ruckeln und zu rattern. Einen Schlüsseltext bildet das ›Richtfest für den Sortiermaschinen-Anbau‹. Wie eine Sortiermaschine, die aus dem Takt geraten ist und plötzlich ganz ungewohnte, überraschend schöne und witzige Kombinationen hervorbringt, funktionieren auch diese Gedichte. Da wird aus der autobegeisterten Betrachtung eines Kühlergrills unversehens ein ›Kühlpsalter‹, auf dem dann eine ›Winterrallye‹ nach ›Niflheim‹ stattfindet. Ein Lexikon sollte man bei diesen abenteuerlich umherbrausenden Gedichten freilich immer bei der Hand haben. Sonst entgeht einem schnell ›der weg-/ geblitzte Rest, das Badesalz des/ Bilds‹.« Tobias Lehmkuhl, Süddeutsche Zeitung